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Wann ist die Ausübung einer Option sinnvoll?


Gerade Anfänger im Optionshandel stellen sich immer wieder die Frage, ob sie ihre Option ausüben oder stattdessen einfach nur die Position schließen sollten. Für Profis stellt sich die Frage allerdings nie, wann sie ihre Option ausüben sollten, weil es darauf eine klare Antwort gibt, die ich euch heute erklären möchte.

In aller Regel ist es nicht sinnvoll seine Option oder seinen Optionsschein vorzeitig auszuüben, da das Glattstellen der Position in der Regel lukrativer ist. Lediglich in sehr seltenen Fällen, wenn die Option tief im Geld ist und nur noch wenige Tage läuft, kann die Ausübung der Option Sinn machen.

D.h. in 99% der Fälle macht es keinen Sinn seine Option auszuüben, da das Glattstellen der Position einen höheren Gewinn oder einen geringeren Verlust bringt. Wenn ihr natürlich das zugrundeliegende Underlying wirklich kaufen oder verkaufen wollt, dann müsst ihr die Option natürlich ausüben aber aus finanzieller Sicht macht das nicht wirklich Sinn.

Schauen wir uns aber einmal genau an, warum das Ausüben einer Option nicht sinnvoll ist. Um das Thema aber genau erklären zu können, muss ich ein wenig weiter ausholen und noch einmal erklären was Ausübung eigentlich bedeutet und viel wichtiger, wie sich der Preis einer Option zusammensetzt. 

Wenn ihr beides schon wisst, dann könnt ihr direkt zu dem Abschnitt „Warum man seine Option in der Regel nie während der Laufzeit ausüben sollte“ springen. Für alle anderen empfehle ich aber auch die vorherigen Abschnitte durchzulesen.

Das Ausüben von Optionen

Optionen geben dem Käufer das Recht ein Underlying in Zukunft zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Das Ausüben der Option bezeichnet den Vorgang, dass der Käufer der Option sein Optionsrecht wahrnimmt und das Underlying zum vereinbarten Preis kauft oder verkauft.

Man unterscheidet dabei in zwei Arten von Optionen: Amerikanische und Europäische Optionen. Die Unterteilung hat dabei aber nichts mit der Herkunft der Option zu tun, sondern wann man das Recht hat eine Option auszuüben.

Amerikanische Optionen geben dem Käufer das Recht die Option jederzeit während der Laufzeit auszuüben, während europäische Optionen es lediglich dem Käufer ermöglichen sein Recht am Ende der Laufzeit auszuüben. 

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Wie bereits schon erwähnt, macht es in 99% der Fälle bei amerikanischen Optionen allerdings nie Sinn seine Option vorzeitig auszuüben, weswegen man sich über den Unterschied in der Praxis keine Gedanken machen muss. 

Es gibt auch noch sogenannte Bermuda Optionen, die dem Käufer das Recht geben die Option zu ganz bestimmten Zeitpunkten während der Laufzeit auszuüben aber diese Optionen spielen in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle.

Sollte sich eine Option bei Laufzeitende im Geld befinden, wird diese durch den Broker automatisch ausgeübt, sofern es sich nicht um eine Option mit sogenanntem Cash Settlement handelt.

D.h. wenn ihr nichts unternehmt, wird euer Optionsrecht als Käufer bei Laufzeitende ausgeübt und ihr kauft oder verkauft automatisch das zugrundeliegende Underlying. 

Das ist bei Laufzeitende auch in Ordnung, sofern ihr das Underlyings wirklich kaufen oder verkaufen wollt, aber während der Laufzeit solltet ihr eure Option in aller Regel nie ausüben und warum erkläre ich euch gleich

Wenn ihr übrigens Probleme habt die Thematik zu verstehen, empfehle ich euch meinen Beginners Guide für Optionen. Dort erkläre ich euch all die verschiedenen Fachbegriffe und wie der Optionshandel überhaupt funktioniert. 

Eine kurze Einführung in den inneren Wert und den Zeitwert einer Option

Um zu verstehen, warum man Optionen in den meisten Fällen nie während der Laufzeit ausüben sollte, muss man verstehen wie sich der Preis einer Option zusammensetzt.

Der Preis bzw. die Prämie einer Option setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen.

Der innere Wert einer Option ist der Wert, den die Option bei Ausübung des Optionsrechts hätte. Es ist also die Differenz zwischen dem Strike-Preis der Option und dem Kurs des Underlyings.

Der Zeitwert einer Option wiederum ist der Zusatzwert, den die Option hat und ist somit die Differenz aus dem aktuellen Optionspreis und dem inneren Wert der Option.

Nehmen wir einfach an, dass wir eine Kaufoption mit einem Strike von 100€ haben und das das Underlying momentan einen Kurs von 90€ hat. In dem Fall ist der innere Wert Null, weil man momentan bei Ausübung der Option keinen Gewinn machen würde bzw. weil man sogar einen Verlust machen würde. 

Trotzdem wird so eine Option nicht für 0€ gehandelt, sondern für zum Beispiel 2€. Und genau diese zwei Euro sind der Zeitwert der Option. 

Der Zeitwert existiert deshalb, weil die Option noch eine Chance hat in den Gewinnbereich zu gelangen und umso höher diese Wahrscheinlichkeit ist, desto größer ist der Zeitwert. 

Wenn ihr gern erfahren möchtet, wann der Zeitwert einer Option am größten ist, dann habe ich hierzu einen Artikel geschrieben, den ich euch nur empfehlen kann.

Warum man seine Option in der Regel nie während der Laufzeit ausüben sollte

Fassen wir die Wertbestimmung einer Option also noch einmal zusammen. Es gibt den inneren Wert, der dem Wert der Option bei Ausübung entspricht und es gibt einen Zeitwert, der ein Zusatzwert ist und widerspiegelt, dass die Option noch mehr im Wert steigen kann.

D.h. wenn der innere Wert also der Wert bei Ausübung ist und der Zeitwert ein Zusatzwert ist, dann sollte ich meine Option nie ausüben, solange der Zeitwert größer null ist. 

Denn wenn ich die Option ausübe, bekomme ich schließlich nur den inneren Wert. Wenn ich sie aber glattstelle, dann bekomme ich die aktuelle Prämie, die sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammensetzt.

Solange der Zeitwert positiv ist, ist es also immer besser für mich die Option zurückzukaufen als sie auszuüben. Das trifft natürlich nur zu, wenn ihr Käufer einer Option seid, weil nur der Käufer das Ausübungsrecht hat aber auch als Verkäufer ist es gut zu wissen, dass die Option während der Laufzeit in aller Regel nie ausgeübt wird und wenn doch man sogar einen Gewinn machen würde, weil man dann nur deren inneren Wert bezahlen müsste aber nicht mehr den Zeitwert.

Ihr seht also, dass Profis, die diesen Zusammenhang verstanden haben, sich niemals die Frage stellen, ob sie die Option vorzeitig ausüben sollten oder sie stattdessen zurückkaufen sollten. Solange der Zeitwert positiv ist, ist es immer besser sie zurückzukaufen.

Natürlich zählt das nur für 99% der Fälle, da der Zeitwert in 99% der Fälle während der Laufzeit immer positiv ist, allerdings kann es in ganz seltenen Fällen vorkommen, dass der Zeitwert negativ ist.

Das kann aber nur bei Optionen passieren, die schon sehr weit im Geld sind und nur noch wenige Tage Restlaufzeit haben. Für alle anderen gilt aber immer, dass der Zeitwert nicht kleiner null werden kann.

Wann sollte man seine Optionen glattstellen?

Jetzt da ihr wisst, dass man seine Optionen nie vorzeitig ausüben sollte, stellt sich die Frage, wann man sie denn am besten glattstellen sollte und die Antwort hierauf ist: Es kommt drauf an.

Wann man seine Optionen am besten glattstellen sollte, hängt von dem persönlichen Risikomanagement ab und welche Erwartungen man zu dem Kurs des Underlyings hat, allerdings gibt es unter erfahrenen Händlern auch eine grobe Faustregel.

Die Faustregel für Käufer von Optionen ist, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder eine Rendite von 100% oder einen Verlust von 50% erzielt hat. Verkäufer von Optionen sollten ihre Positionen in der Regel schließen, wenn sie entweder 50% ihres maximalen Gewinns erzielt haben oder einen Verlust von 100%.

Ich habe einen Artikel genau zu dieser Faustregel geschrieben, in dem ich genau erkläre, wann man seine Optionen glattstellen sollte und warum diese Faustregel auch so viel Sinn macht. Lest ihn euch also unbedingt durch, wenn ihr mehr dazu erfahren wollt. Ihr könnt aber auch nicht viel falsch machen, wenn ihr euch einfach nur an diese Faustregel haltet, ohne die Hintergründe dazu zu kennen.

Wenn ihr darüber hinaus gern allgemein mehr darüber erfahren wollt, wie lange man seine Optionen eigentlich halten sollte, dann könnt ihr das in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wann ist der Zeitwert einer Option am höchsten?


Besonders für Verkäufer von Optionen, deren Strategie auf dem Zeitwertverfall liegt, ist es wichtig genau zu wissen, wann der Zeitwert sehr hoch ist, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, ob es sich gerade lohnt eine Option zu verkaufen oder nicht. Ich habe mir das Thema deswegen etwas genauer angeschaut, um euch zu zeigen, wann eine Theta-Strategie Sinn macht.

Der Zeitwert einer Option ist dann am höchsten, wenn sich die Option gerade am Geld befindet. Darüber hinaus haben länger laufende Optionen einen höheren Zeitwert als Optionen mit kürzerer Laufzeit und der Zeitwert steigt ebenso mit ansteigender impliziter Volatilität des Underlyings.

Das heißt die Höhe des Zeitwerts wird im Wesentlichen durch drei Faktoren bestimmt: Wie nah eine Option am Geld ist, wie lang ihre Restlaufzeit ist und wie hoch die Volatilität des Underlyings ist. Schauen wir uns die Einflussfaktoren aber genaue im Detail an. 

Was ist der Zeitwert?

Bevor wir das Thema überhaupt genau betrachten könnten, sollten wir noch einmal klären, was der Zeitwert überhaupt ist, damit jeder das Thema versteht. Solltet ihr aber genau wissen, was der Zeitwert ist, könnt ihr diesen Abschnitt gern überspringen.

Optionen besitzen einen inneren Wert und einen Zeitwert. Der innere Wert, ist der Wert, den die Option bei aktuellem Preis des Underlyings zum Laufzeitende auszahlen würde und der Zeitwert ist der Wert, den die Option zusätzlich noch besitzt, weil es eine Wahrscheinlichkeit gibt, dass der innere Wert noch steigen könnte.

Man kann also, dass der Zeitwert sich anhand dieser Formel berechnen lässt:

Zeitwert = Optionsprämie – Innerer Wert

Man kann den Zeitwert aber auch gut anhand des Auszahlungsprofils einer Option ablesen, wie ihr in folgender Grafik sehen könnt.

In lila könnt ihr das Auszahlungsprofil einer Call Option bei Laufzeitende sehen (also der innere Wert). Der aktuelle Wert in gelb liegt aber immer mal mehr oder mal weniger darüber und dieser zusätzliche Wert ist der Zeitwert der Option.

Besonders sichtbar ist der Zeitwert bei Optionen, die sich außerhalb des Geldes befinden. Diese Optionen haben keinen inneren Wert (deswegen sind sie ja per Definition außerhalb des Geldes) aber dennoch kann man sie nicht kostenlos am Markt kaufen. Je nachdem wie weit sie außerhalb sind (und wie hoch die Volatilität ist) kosten solche Optionen dennoch einige Euro und genau dieser Wert ist der Zeitwert der Option.

Die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Zeitwert

Wie schon erwähnt, sind die drei wesentliche Einflussfaktoren auf den Zeitwert einer Option die Moneyness, die Laufzeit und die Volatilität einer Option. 

Moneyness

Die Moneyness ist ein Synonym dafür wie sehr eine Option im Geld ist und eine Option, die sehr stark im Geld oder aus dem Geld ist, hat so gut wie keinen Zeitwert.

Am höchsten ist der Zeitwert einer Option, wenn sie sich am Geld befindet, also wenn der Kurs des Underlyings sehr nah am Strike der Option ist.

Das macht auch Sinn, da Option am Geld noch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit haben ins Geld, also in den Gewinnbereich, zu gelangen. Der Zeitwert drückt genau diese Wahrscheinlichkeit aus und entsprechend ist er am Geld am höchsten. 

Die Grafik zeigt den Zeitwert für Optionen mit unterschiedlichen Laufzeiten je nachdem ob sich die Option im Geld, am Geld oder außerhalb des Geldes befindet.

Für Optionen, die sich bereits im oder außerhalb des Geldes befinden, ist die Auszahlungshöhe bei Restlaufzeit bereits mehr oder weniger sicher. Entweder ist sie Null (bei OTM Optionen) oder sie ist der innere Wert (bei ITM Optionen). Entsprechend haben OTM und ITM Optionen nur einen sehr geringen Zeitwert.

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Zeitwert von Optionen, die sich innerhalb des Geldes befinden, negativ ist, sodass der Gesamtwert der Option kleiner als ihr innerer Wert ist.

Restlaufzeit

Die Restlaufzeit hat eine eindeutige Korrelation mit dem Zeitwert einer Option. Je länger eine Option noch läuft, desto größer ist deren Zeitwert. 

Hintergrund dieses Zusammenhangs ist einfach, dass Optionen mit längerer Laufzeit eine höhere Wahrscheinlichkeit haben sich ins Geld bewegen zu können als Optionen mit kürzerer Laufzeit.

Stellt euch einfach die Frage: Was ist wahrscheinlich? Das eine Aktie von 100 EUR auf 200 EUR in einem Tag steigt oder in zwei Jahren?

Natürlich in zwei Jahren und weil die Wahrscheinlichkeit dafür höher ist, ist entsprechend auch der Zeitwert der Option höher.

Volatilität

Der letzte Haupteinflussfaktor auf den Zeitwert einer Option ist die implizite Volatilität des Underlyings. Umso höher die implizite Volatilität ist, desto höher ist auch der Zeitwert.

Auch hier ist die Erklärung dafür wieder die höhere Wahrscheinlichkeit ins Geld zu gelangen bei Optionen, die eine hohe Volatilität haben im Vergleich zu Optionen mit geringerer Volatilität.

Eine Aktie mit aktuellem Wert von 100 EUR hat einfach eine höhere Chance in zwei Wochen auf 120 EUR anzusteigen, wenn sie täglich um 10 EUR schwankt als dieselbe Aktie die täglich um 1 EUR schwankt.

Wie schnell ist der Zeitwertverfall einer Option?

Der Zeitwertverfall einer Option hängt von deren Theta ab. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Griechen, der angibt, wie viel Wert eine Option jeden Tag aufgrund des abnehmenden Zeitwerts verliert. 

Wenn ihr nichts mit den Greeks von Optionen anfangen könnt, solltet ihr euch unbedingt diesen Artikel von mir durchlesen, in dem ich das Thema im Detail erkläre. 

Das Theta und damit auch der Zeitwertverfall einer Option ist umso kleiner je länger die Option noch läuft und wird immer größer je näher sich die Option an ihr Laufzeitende annähert.

Der Zeitwert einer Option nimmt nicht gleichmäßig ab sondern verringert sich bei großer Restlaufzeit nur wenig aber dafür sehr stark wenige Tage vor Laufzeitende.

Da das Theta also mit kürzer werdender Laufzeit immer mehr zunimmt, verliert eine Option kurz vor Ende ihrer Laufzeit immer am meisten an Wert pro Tag.

Da wir oben bereits geklärt haben, dass Optionen, die sich am Geld befinden und eine hohe implizite Volatilität aufweisen, den höchsten Zeitwert haben, ist deren Theta auch am höchsten und wird mit abnehmender Restlaufzeit auch immer größer.

Solltet ihr also eine Theta-Strategie verfolgen, d.h. eure Strategie zielt insbesondere darauf ab Gewinne durch den Zeitwertverfall zu machen, dann könnten ATM Optionen mit kurzer Laufzeit und hoher Volatilität für euch von großem Interesse sein.

Was taugen Aktienempfehlungen?


Analysten geben täglich immer wieder neue Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab und die Frage, die ich mir dabei gestellt habe, war immer, ob es eigentlich Sinn macht diesen Empfehlungen zu folgen. Da ich keine gute Analyse dazu finden konnte, habe ich das Ruder selbst in die Hand genommen und über 66.000 Analysteneinschätzungen untersucht, um zu prüfen, ob diese überhaupt etwas taugen.

Eine Analyse von mehr als 66.000 Analysteneinschätzungen hat ergeben, dass Aktien, die eine Kaufempfehlung erhalten haben im Durchschnitt eine bessere Rendite erzielen als der breite Markt. Verkaufsempfehlungen führen allerdings nicht zu einer schlechteren Performance als der breite Markt, sodass man diesen Empfehlungen nicht folgen sollte. 

D.h. Aktienempfehlungen taugen durchaus etwas, wenn es um Kauf- und Halteempfehlungen geht aber dafür weniger, wenn es um Verkaufsempfehlungen geht. Schauen wir uns meine Analyse aber ein wenig im Detail an, weil euch sicherlich auch weitere Ergebnisse noch interessieren werden.

Die Analyse von über 66.000 Aktienempfehlungen

Für meine Analyse habe ich mir insgesamt 66.516 Analystenempfehlungen auf Aktien aus dem S&P 500 angeschaut, die zwischen 2012 und 2020 von zahlreichen Analysten abgegeben wurden. Die Verteilung der verschiedenen Empfehlungen seht ihr dabei in folgender Tabelle.

RatingAnzahlAnteil
Buy35.37553,2%
Hold26.73840,2%
Sell4.0566,1%
Andere (Spekulativ, Vorsicht)3470,5%
Die Tabelle zeigt die Verteilung der verschiedenen Aktienempfehlungen diverser Analysten.

Die meisten Empfehlungen sind also Kauf- und Halteempfehlungen während Verkaufsempfehlungen in der Regel extrem selten sind. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn es später um die Frage geht, wie gut Aktienempfehlungen allgemein sind.

Bei jeder Empfehlung habe ich mir nun angeschaut, wie sich der Kurs der empfohlenen Aktie in der nächsten Woche, dem nächsten Monat und dem nächsten Quartal verändert hat. 

Ich habe den Zeithorizont dabei bewusst nur auf maximal ein Quartal gelegt, da die meisten Analysten jedes Quartal eine neue Empfehlung abgeben und es somit nicht zu Überschneidungen oder doppelten Zählungen bei meiner Analyse kommt.

Da die Aktienempfehlungen sich lediglich auf US-Aktien beziehen (leider habe ich keine frei zugänglichen Daten für den Euro-Raum gefunden), habe ich die Rendite der empfohlenen Aktie dann mit der Rendite des S&P 500 im selben Zeitraum verglichen, um zu prüfen, welche Performance besser oder schlechter war.

Kaufempfehlungen

Für alle Kaufempfehlungen ergeben sich dabei folgende Daten.

ZeitperiodeDurchschnittliche
Rendite der empfohlenen Aktie
Durchschnittliche Rendite
des S&P 500
Aktienperformance gegenüber
S&P 500
Eine Woche nach Empfehlung0,5%0,3%41,3%
Einen Monat nach Empfehlung1,7%1,4%23,2%
Ein Quartal nach Empfehlung4,9%4,0%22,9%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Rendite aller von Analysten zum Kauf empfohlenen Aktien im Vergleich zum S&P 500 Index.

Für Kaufempfehlungen zeigt sich also, dass im Durchschnitt die empfohlene Aktie über alle drei Zeitperioden eine bessere Performance liefert als der breite Markt. 

Anhand der Daten lässt sich also schlussfolgern, dass man eine Überrendite gegenüber dem breiten Markt erzielen kann, wenn man von Analysten zum Kauf empfohlene Aktien kauft.

Bzw. anders ausgedrückt: Kaufempfehlungen von Analysten sind äußerst gut geeignet, wenn es darum geht Aktien zu kaufen, die besser als der breite Markt performen sollen.

Halteempfehlungen

Ähnlich sieht es auch bei Halteempfehlungen für Aktien aus. Hier ergeben sich die folgenden Daten.

ZeitperiodeDurchschnittliche
Rendite der empfohlenen Aktie
Durchschnittliche Rendite
des S&P 500
Aktienperformance gegenüber
S&P 500
Eine Woche nach Empfehlung0,4%0,3%19,6%
Einen Monat nach Empfehlung1,6%1,4%19,0%
Ein Quartal nach Empfehlung4,7%4,0%19,7%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Rendite aller von Analysten zum Halten empfohlenen Aktien im Vergleich zum S&P 500 Index.

Halteempfehlungen sagen aus, dass man die Aktie weiterhin im Depot halten sollte, wenn man sie bereits besitzt. D.h. es handelt sich dann um eine gute Empfehlung, wenn die Performance dieser Aktien besser ist als der breite Markt und genau das lässt sich mit meiner Analyse auch bestätigen.

Im Durchschnitt liefern Halteempfehlungen über alle drei Zeitperioden eine bessere Rendite als der breite Markt, sodass man eine Überrendite gegenüber den S&P 500 Index erzielen kann, wenn man von Analysten zum Halten empfohlene Aktien weiter hält.

Um genau zu sein, erzielt man diese Überrendite natürlich auch, wenn man die Aktien am Tag der Empfehlung erst kauft. Für eine Überrendite lohnt es sich im Durchschnitt also sowohl Kauf- als auch Halteempfehlungen von Analysten zu folgen.

Verkaufsempfehlungen

Bei Verkaufsempfehlungen sehen die Ergebnisse allerdings nicht so gut aus. Hier habe ich die folgenden Daten ermittelt.

ZeitperiodeDurchschnittliche
Rendite der empfohlenen Aktie
Durchschnittliche Rendite
des S&P 500
Aktienperformance gegenüber
S&P 500
Eine Woche nach Empfehlung0,3%0,3%-7,2%
Einen Monat nach Empfehlung1,8%1,5%17,0%
Ein Quartal nach Empfehlung5,4%4,0%35,9%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Rendite aller von Analysten zum Verkaufen empfohlenen Aktien im Vergleich zum S&P 500 Index.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass die durchschnittliche Rendite der zum Verkauf empfohlenen Aktien geringer sein sollte als die des S&P 500 aber genau das Gegenteil ist der Fall. 

Zum Verkauf empfohlene Aktien performen im Durchschnitt besser als der breite Markt, sodass man seine Rendite nicht verbessern kann, wenn man diese Aktien nach der Empfehlung verkauft.

Ganz im Gegenteil. Es wäre sogar empfehlenswert zum Verkauf empfohlene Aktien zu kaufen, da diese insbesondere auf Sicht von drei Monaten sogar bessere Renditen liefern als Aktien, die nur zum Kauf oder Halten empfohlen wurden.

Lediglich auf Basis von einer Woche war die Rendite der zum Verkauf empfohlenen Aktien leicht unter der des S&P 500 allerdings ist diese Differenz so gering, dass man damit nicht wirklich Geld verdienen bzw. seine Verluste reduzieren kann.

Zwischenfazit

Aktienempfehlungen zum Kaufen und Halten von Aktien führend im Durchschnitt zu besseren Renditen als der breite Markt, weswegen man mit diesen Empfehlungen eine Überrendite erzielen kann.

Allerdings sollte man auch darauf hinweisen, dass es sich hierbei nur um vergangene Analysen handelt und die Vergangenheit nie die Zukunft vorhersagen kann. Ihr solltet deswegen trotzdem immer vorsichtig an die Sache herangehen und weitere Analysen zu euren Aktien durchführen.

Meine Analyse beinhaltet zwar über 66.000 Empfehlungen allerdings ist das auf keinen Fall eine vollständige Liste aller Empfehlungen. Allerdings glaube ich, dass die Anzahl der Empfehlungen bereits groß genug ist, um zumindest eine Tendenz über die Sinnhaftigkeit solcher Aktienempfehlungen zu erkennen und diese ist eindeutig zu Gunsten der Analysteneinschätzungen.

Wenn ihr übrigens meine ganze Analyse anschauen wollt, dann findet ihr all meine Daten und Berechnungen hier.

Wo findet man die besten Aktienanalysen?

Nach dem ich meine Analyse durchgeführt habe, wollte ich auch wissen, ob es unter den verschiedenen Analysten Unterschiede bei deren Trefferquote gibt, um zu sehen, ob man vielleicht bestimmten Analysen mehr Glauben schenken sollte als anderen. Dabei zeigen sich einige klare Gewinner.

Anhand der Analyse von über 66.000 Aktienempfehlungen auf Unternehmen aus dem S&P 500 Index zeigt sich, dass insbesondere UBS und Barclays die besten Aktienanalysen veröffentlichen. Mithilfe der Aktienempfehlungen dieser beiden Unternehmen lassen sich gegenüber den S&P 500 deutliche Mehrrenditen erzielen.

Für meine Analyse, wo man die besten Aktienempfehlungen findet, habe ich wieder geprüft, wie hoch die durchschnittliche Rendite der empfohlenen Aktien eine Woche, einen Monat und ein Quartal nach der Veröffentlichung ist und habe diese Renditen mit der Rendite des S&P 500 Index im selben Zeitraum verglichen. 

Allerdings habe ich mich diesmal nur auf die Kaufempfehlungen konzentriert, um die Ergebnisse nicht unnötig komplex zu machen.

Die besten Aktienanalysen, gemessen an der Überrendite, die die empfohlenen Aktien im Vergleich zum S&P 500 erzielen, finden man bei den folgenden 10 Unternehmen.

UnternehmenAnzahl EmpfehlungenEine Woche vs. SPYEinen Monat vs. SPYEin Quartal vs. SPY
Morgan Stanley2.34539,2%22,5%20,9%
Citigroup2.25214,4%20,1%17,1%
Deutsche Bank2.16445,4%17,1%10,3%
Barclays2.142128,9%47,5%34,8%
Credit Suisse1.81910,5%20,8%10,7%
JP Morgan1.50817,1%20,1%16,3%
UBS1.479217,2%34,9%19,9%
Jefferies1.43931,2%14,0%29,2%
Raymond James1.11614,1%28,7%21,4%
Bank of America1.03967,1%7,4%14,2%
Die Tabelle zeigt die Überrendite, die sich gegenüber dem S&P 500 erzielen ließ, wenn man die zum Kauf empfohlenen Aktien dieser Analyseunternehmen im Zeitraum von 2012 bis 2020 gekauft hat.

Die Ergebnisse sind dabei so zu verstehen, um wieviel die Rendite für Aktienempfehlungen höher oder niedriger war im Vergleich zum S&P 500. D.h. wenn der S&P 500 im Durchschnitt 1% auf ein Wochenbasis erzielt hat und die empfohlenen Aktien im Vergleich 1,3% erzielt haben, dann sind die Empfehlungen der Analysten um 30% besser.

Die Tabelle ist sortiert nach der Anzahl der Aktienempfehlungen im Betrachtungszeitraum und gibt keine Aussage über den Rang der Unternehmen aufgrund ihrer Analysen. 

Auf Basis von einer Woche ließ sich die größte Überrendite anhand der Analysen von UBS erzielen, auf ein Monatsbasis und Quartalsbasis anhand der Analysen von Barclays.

D.h. jetzt aber nicht, dass die Analysen der anderen Unternehmen schlecht sind. Ganz im Gegenteil, die Tabelle zeigt die 10 besten Analyseunternehmen, die ich anhand meiner Berechnung ermittelt habe, sodass man mit den Analysen all dieser Unternehmen gute Überrenditen erzielen konnte. 

Sollte euch diese Analyse gefallen haben, dann kann ich euch auch meine anderen Analysen empfehlen. Ich habe zum Beispiel über 500.000 Optionen analysiert, um zu prüfen, wie viele Optionen wirklich wertlos verfallen und ob es einen Unterschied zwischen den verschwenden Optionsarten bei deren Verfallsquote gibt. Absolut empfehlenswert für jeden, der mit Optionen handelt.

Der Average Directional Index (ADX) zur Trendbestimmung


Der RSI und der MACD sind sicherlich zwei der beliebtesten Trendindikatoren aber beide Indikatoren werden in der Praxis eher dafür genutzt, um geeignete Kauf- und Verkaufssignale zu identifizieren. Wenn es aber darum geht zu erkennen, wie stark ein Trend momentan ist, führt kein Weg an dem Average Directional Index vorbei. Um was es sich dabei handelt, was ihr daraus ablesen könnt und wie ihr ihn verwenden müsst, erkläre ich euch heute.

Der Average Directional Index (ADX) ist ein Indikator zur Bestimmung der Stärke eines Aktientrends. Ist der ADX über 25 spricht man von einem starken Trend und liegt der ADX unter 20 liegt lediglich ein schwacher oder gar kein Trend vor. Der ADX gibt allerdings keine Kauf- oder Verkaufssignale an.

Der Schwerpunkt des ADX liegt somit in der Trendbestimmung und nicht darin geeignete Kauf- oder Verkaufszeitpunkte zu identifizieren. Welles Wilder entwickelt den Indikator 1978 und stellte es in seinem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ vor. Leider gibt es das Buch nicht mehr so oft aber solltet ihr jemals eine Kopie davon erhalten, kann ich es euch nur empfehlen.

Welles Wilder entwickelte auch viele andere technische Indikatoren, wobei der berühmteste sicherlich der Relative-Stärke-Index ist. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, könnt ihr euch gern meinen Artikel hier dazu durchlesen.

Jetzt soll es allerdings nur um den ADX gehen und die Berechnung des Index ist leider etwas komplizierter als bei anderen Trendindikatoren. Um den Indikator also genau verstehen zu können, müssen wir uns mit dessen Berechnung etwas genauer beschäftigen.

Das ist übrigens meine Detailanalyse zum ADX. Wenn ihr gern mehr über andere Trendindikatoren erfahren wollt und wie gut diese im Vergleich zueinander sind, dann solltet ihr euch meinen Artikel über die 5 wichtigsten Trendindikatoren durchlesen.

Wie wird der ADX berechnet?

Der ADX ist Teil von insgesamt drei Indikatoren, die man als Directional Movement Index (DMI) bezeichnet. Neben dem ADX gibt es noch den Plus Directional Indicator (+DI) und den Minus Directional Indicator (-DI). Während der ADX lediglich die Stärke eines Trends angibt, wird +DI und -DI genutzt, um die Trendrichtung zu bestimmen.

Zur Berechnung des ADX werden die Tageshöchst- und Tagestiefstkurse für einen Zeitraum von 14 Tagen miteinander verglichen. Die Auf- und Abwärtsbewegungen werden daraufhin miteinander ins Verhältnis gesetzt und der gleitende Mittelwert dieses Verhältnisses stellt den ADX Indikator dar.

So viel zur Kurzfassung. Die eigentliche Berechnung ist dann doch ein wenig komplizierter.

Zu Beginn werden die sogenannten Up Moves und Down Moves ermittelt. Dabei ist ein Up Move der Abstand zwischen dem Aktuellen High der Periode und dem High der vorherigen Periode. Ein Down Move ist wiederum der Abstand aus dem Low der vorherigen Periode und dem aktuellen Low.

Up Move und Down Move werden nun verwendet, um das sogenannte Directional Movement zu berechnen. Dabei gibt es auch wieder ein Plus Directional Movement (+DM) und ein Minus Directional Movement (-DM). Deren Berechnung ist

  • Wenn Up Move größer Down Move und Up Move größer null, dann ist +DM genau der Wert des Up Moves
  • Wenn Down Move größer Up Move und Down Move größer null, dass ist -DM genau der Wert des Down Moves

Mit den Werten für +DM und -DM lassen sich nun auch die oben schon erwähnten Directional Indicators (DI) berechnen. Deren Berechnung ist

  • +DI = Exponentieller gleitender Durchschnitt von +DM geteilt durch die Average True Range
  • -DI = Exponentieller gleitender Durchschnitt von -DM geteilt durch die Average True Range

Nun kommt es zum letzten Schritt, bei dem der Average Directional Index berechnet wird. Dieser ergibt sich aus

ADX = Exponentieller gleitender Durchschnitt von +DM – -DM geteilt durch +DM + -DM

Die Average True Range ist übrigens nichts Weiteres als der Abstand zwischen aktuellem Hoch der Periode und aktuellem Tief.

Wenn ihr nicht wissen solltet, was ein exponentiell gleitender Durchschnitt ist, dann solltet ihr euch diesen Artikel von mir durchlesen, in dem ich euch das ganz genau erkläre.

Ihr seht aber, dass die Berechnung des ADX nicht sehr einfach ist aber das was ihr daraus mitnehmen sollt, ist, dass der ADX im Wesentlichen durch die beiden Indikatoren +DI und -DI beeinflusst wird, die wiederum nur angeben wie stark sich ein Aktienkurs gerade nach oben oder nach unten bewegt.

Der ADX gibt somit keine Auskunft über die Richtung eines Trends, sondern nur über dessen Stärke. Die Richtung könnt ihr dann aber anhand von +DI und -DI ablesen.

Oben der Kurschart von Palantir und unten der dazugehörige ADX.

Handelssignale

Der ADX kann Werte zwischen 0 und 100 einnehmen allerdings sind insbesondere Werte über 50 extrem selten aufgrund der Berechnungsweise des Indikators. Bereits bei Werten über 25 spricht man schon von einem starken Trend und sollte bei einem ADX von 25 und mehr +DI über -DI liegen, dann ist es ein Aufwärtstrend und sollte -DI über +DI liegen, dann ist es ein Abwärtstrend.

Allgemein kann man die Trendstärke unterteilen in schwach, stark, sehr stark und extrem stark.

ADX WertTrendstärke
0 – 25Kein Trend oder schwacher Trend
25 – 50Starker Trend
50 – 75Sehr Starker Trend
75 – 100Extrem starker Trend
Die Tabelle zeigt an wie hoch die Trendstärke bei unterschiedlichen ADX Werten ist.

Neben der Trendstärke kann man aber auch noch sogenannte DI Crossings mithilfe des Indikators ablesen. Schauen wir uns alle Handelssignale aber einmal im Detail an.

Trendstärke

Wie bereits erwähnt ist die Ermittlung der Trendstärke der Hauptverwendungszweck des Average Directional Index. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Signal also auf der ADX Linie und nicht auf +DI oder -DI.

Ein starker Trend liegt laut ADX dann vor, wenn der ADX Wert über 25 liegt, während ein Wert unter 20 nur einen schwachen oder nicht vorhandenen Trend definiert. Werte zwischen 20 und 25 deuten auf ein sehr uneindeutiges Trendmuster hin. Diese Grenzen können aber je nach Finanzinstrument variieren.

Ihr solltet eure Analyse mithilfe des ADX deshalb immer an den jeweiligen Markt anpassen. An sich müsste man sogar für jedes einzelne Underlying unterscheiden allerdings haben sich in der Praxis folgende Grenzwerte für die unterschiedlichen Märkte etabliert.

MarktGrenze für schwachen TrendGrenze für starken Trend
Forex1823
Anleihen1520
Aktien2025
Crypto1823
Rohstoffe1520
Die Tabelle zeigt die unterschiedlichen Schwellenwerte für den ADX je nach Markt an.

Umso höher der ADX ist, desto wahrscheinlicher ist es also, dass sich der Trend fortsetzen sollte. In so einem Fall könntet ihr zum Beispiel eure Stop Loss Limits etwas später nachziehen. Sollte der ADX aber wieder abnehmen, und damit auch die Trendstärke, ist es empfehlenswert seine Stop Loss Limits wieder näher an den aktuellen Kurs zu bringen, um seine Gewinne im schlimmsten Fall gesichert zu bekommen.

Bullisches DI Crossing

Auch wenn der ADX ursprünglich nicht dafür konzipiert wurde Handelssignale anzuzeigen, so kann man doch insbesondere aus den +DI und -DI Linien viel ablesen.

Als Bullisches DI Crossing wird eine Situation bezeichnet, bei der der ADX über 25 liegt und somit einen Trend anzeigt und die +DI Linie die -DI Linie nach oben kreuzt.

Dies wird als starkes Signal für einen sich weiter fortsetzenden Aufwärtstrend angesehen. Im täglichen Handel könnte es Sinn machen in so einer Situation seinen Stop-Loss auf das aktuelle Tief des Tages nach oben zu ziehen. 

Somit hättet ihr eure Position nach unten abgesichert und ein Durchbrechen des Stop-Loss würde ein Ende des Trends bedeuten. D.h. wenn der Trend beendet ist, seid ihr abgesichert und wenn er weitergeht, macht ihr Gewinn.

Der Kurschart von Bitcoin. Der ADX zeigt den Beginn eines Aufwärtstrends an.

Bearisches DI Crossing

Ähnlich wie beim Bullishen DI Crossing verhält es sich auch beim Bearischen DI Crossing nur das hier von einem Abwärtstrend ausgegangen wird.

Ein Bearisches DI Crossing liegt vor, wenn der ADX über 25 liegt und somit einen Trend anzeigt und die -DI Linie die +DI Linie nach oben kreuzt.

Auch hier geht man von einem starken Signal für einen sich weiter fortsetzenden Abwärtstrend aus. In diesem Fall könnte es für euch Sinn machen den Stop Loss auf das Hoch des aktuellen Tages zu legen.

Fällt der Kurs weiter, macht ihr mit eurer Short Position einen Gewinn und steigt der Kurs, wird eure Position automatisch durch den Stop Loss glattgestellt.

Der Kurschart von Apple. Der ADX zeigt den Beginn eines Abwärtstrend an.

Übrigens könnt ihr nicht nur durch Trendindikatoren eure Gesamtrendite positiv beeinflussen sondern auch der Monat, in dem ihr investiert, hat einen entscheidenden Einfluss auf eure Rendite. Welcher Monat der beste und welcher der schlechteste zum (ver)kaufen ist, könnt ihr in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wo kann man den ADX für einzelne Aktien ansehen?

Wenn ihr zukünftig den ADX für eure eigenen Analysen nutzen wollt, benötigt ihr ein professionelles Chartprogramm dafür. Ich nutze dafür TradingView und kann es euch auch nur empfehlen. Das Programm kostet zwar 15 EUR im Monat, aber es ist sein Geld wirklich wert. Solltet ihr euch auch für das Programm entscheiden, dann könnt ihr das gern über diesen Link machen. Dann bekommst du und ich zwei Monate geschenkt. Zusammen mit der 30 Tage Probezeit sind das schon 3 Monate gratis für euch.

Der ADX lässt sich in TradingView über den „Indikator & Strategie“ Button hinzufügen. Wenn sich das neue Fenster öffnet, such ihr dann nach „Directional Movement Index“ und der Indikator taucht dann unter dem Namen „Directional Movement Index“ auf. Einmal draufklicken und schon seht ihr die den Index unter eurem regulären Kurschart. 

Der ADX als Screening-Tool

„The Trend is your Friend“ heißt es unter Aktienhändlern immer wieder und der ADX kann wirklich dabei helfen, einen Trend und dessen Stärke zu identifizieren, allerdings muss man auch sagen, dass ein sehr starker Trend laut ADX in der Regel auch deutlich im Chart selbst abgelesen werden kann.

Entsprechend liefert der ADX in solchen Situationen keinen großen Mehrwert. Er hilft allerdings zu zeigen, wann das Momentum eines Trends beginnt abzunehmen. Nämlich dann, wenn die Spitze des ADX erreicht wurde. 

Danach kann der Aktienkurs zwar auch weiterhin noch steigen allerdings tut er dies nicht mehr so stark wie zuvor was ein Zeichen für eine baldige Korrektur sein kann.

Ich persönlich nutze den ADX selten, um Trends eines bestimmten Wertpapiers zu analysieren, sondern nutze ihn stattdessen als Screening-Tool. 

Eine beispielhafte Auswahl mit meinen Screeining-Kriterien, um Aktien mit einem starken Trend zu identifizieren.

Meine eigene Handelsstrategie ist in der Regel eine Momentumstrategie, weswegen ich immer auf der Suche nach Aktien bin, die sich aktuell in einem starken Trend befinden und dafür ist der ADX ideal.

Dazu nutze ich TradingView und lasse mir im Stock Screener den ADX für alle Wertpapiere anzeigen mit einem ADX größer 25. Zusammen mit weiteren Kriterien wie einem Aktienpreis von mindestens 25 USD und einer Marktkapitalisierung von mindestens zwei Milliarden USD erhalte ich somit eine Liste aller Aktien, die für meine Handelsstrategie interessant sein könnten.

Wann sollte man seine Optionen glattstellen?


Anders als beim Handel mit Aktien kann man bei Optionen nicht einfach eine Buy-And-Hold Strategie umsetzen, da Optionen nur eine begrenzte Laufzeit haben. Eine Option bis zum Laufzeitende zu halten, macht in der Regel aber auch keinen Sinn, da man damit entweder ein zu hohes Risiko bei zu wenig Rendite in dem Portfolio behält oder weil man damit einfach seine Gesamtrendite unnötig verkleinert. Ich möchte euch deshalb heute erklären, wann man seine Optionen am besten schließen sollte.

Eine Faustregel für Käufer von Optionen ist, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder eine Rendite von 100% oder einen Verlust von 50% erzielt hat. Verkäufer von Optionen sollten ihre Positionen in der Regel schließen, wenn sie entweder 50% ihres maximalen Gewinns erzielt haben oder einen Verlust von 100%.

Diese Gewinn- und Verlustgrenzen zum Glattstellen von Optionspositionen sind natürlich nur Faustregeln und nicht für jede Situation geeignet. Ich möchte euch deshalb im Folgenden erklären, warum diese Strategien zum Schließen von Optionspositionen in den meisten Fällen Sinn machen und wann sie angepasst werden sollten.

Was bedeutet es eine Option glattzustellen?

Bevor wir überhaupt darüber reden, wann man eine Option glattstellen sollte, müssen wir uns kurz darüber unterhalten, was glattstellen überhaupt bedeutet und wie man das bei Optionen machen kann.

Das Glattstellen bzw. Schließen einer Option bedeutet, dass man zu einer schon bestehenden Optionsposition das entsprechende Gegengeschäft eingeht. Hat man ursprünglich eine Put Option verkauft, wäre das Gegengeschäft zum Glattstellen der Position, der Kauf einer Put Option mit identischem Strike, Basiswert und Laufzeit.

Sinn und Zweck der Glattstellung ist es seine bestehende Position mit einem Gegengeschäft zu neutralisieren, damit man somit nicht mehr Käufer oder Verkäufer einer Option ist.

Je nachdem ob ihr eine Option gekauft oder verkauft habt, wäre die entsprechende Transaktion zum Schließen der Position somit eine der folgenden Alternativen.

Bestehende OptionspositionTransaktion zum glattstellen
der Position
Long CallVerkauf einer Call Option
Short CallKauf einer Call Option
Long PutVerkauf einer Put Option
Short PutKauf einer Put Option
Die Tabelle zeigt das die benötigte Transaktion zum schließen eurer Position je nach bestehender Optionsposition.

Der Grund warum man „glattstellen“ oder „schließen“ im Zusammenhang mit Optionen sagt und nicht zum Beispiel „verkaufen“ wie bei Aktien ist einfach, dass man bei Aktien zu Beginn immer die Aktie kaufen muss und um sie ausgebucht zu bekommen, muss man sie wieder verkaufen.

Das ist bei Optionen aber nicht der Fall, da man diese zu Beginn auch verkaufen kann und sie zum glattstellen entsprechend zurückkaufen müsste.

Wann sollte man glattstellen?

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema, wann man seine Optionen glattstellen sollte. Grundsätzlich gibt es zum Glattstellen von Option zwei Gründe: Verlustminimierung und Gewinnmitnahme.

D.h. wir wollen durch das Schließen unserer Position zum einen unsere bereits eingetretenen Verluste minimieren und zum anderen unsere Gewinne vereinnahmen, bevor sie evtl. wieder schwinden. Insbesondere die Gewinnmitnahme ist bei Optionen einer der Hauptgründe, warum man seine Positionen schließt, da ein Halten der Option bis zum Laufzeitende in aller Regel eher nachteilig für eure Gesamtrendite ist.

Wenn ihr darüber hinaus gern allgemein mehr darüber erfahren wollt, wie lange man seine Optionen eigentlich halten sollte, dann könnt ihr das in diesem Artikel von mir nachlesen.

Optionskäufer

Als Käufer von Optionen ist die Faustregel, dass man seine Position schließen sollte, wenn man entweder einen Gewinn von 100% gemacht hat oder einen Verlust von 50%.

Natürlich kann man seine Optionen auch länger halten als nur bis zu einem Gewinn von 100% aber die Idee hinter dieser Schwelle ist einfach, dass die wirklich großen Gewinne durch Optionskäufe wie eine Verzehnfachung der Investition absolut selten vorkommen und man deswegen lieber auf viele kleine Gewinne setzen sollte als den einen Großen.

Nicht umsonst beträgt die durchschnittliche Rendite von Optionskäufern lediglich 2,73% pro Jahr, wenn man die Optionen bis zum Laufzeitende hält, wie ich in diesem Artikel ausführlich analysiert habe, da einfach zu viele Optionen wertlos verfallen bzw. nie so sehr im Geld landen, dass man damit einen unglaublich großen Gewinn macht.

Die Abgrenzung von 50% nach unten dient einfach eurer eigenen Sicherheit, um größere Verluste zu vermeiden. Das Positive als Käufer von Optionen ist ja, dass man von Anfang an genau weiß, wie groß der maximale Verlust ist und entsprechend sein Risikomanagement besser steuern kann aber ein Verlust von 50% muss auch erst einmal wieder aufgeholt werden.

In der Regel ist die Option zu so einem Zeitpunkt schon nicht mehr im Geld, sodass es immer unwahrscheinlicher wird, dass man mit der Position noch einen Gewinn machen kann.

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Optionsverkäufer

Als Verkäufer von Optionen ist die Faustregel, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder 50% seines maximalen Gewinns erzielt hat oder einen Verlust von 100%.

Wie ihr seht, ist das Verhältnis hier genau andersherum und das macht auch in vielerlei Hinsicht Sinn.

Nehmen wir an ihr verkauft eine Option mit Restlaufzeit von 3 Monaten und ihr erhaltet dafür eine Prämie von 500€. Der Kurs des Underlyings läuft in die für euch richtige Richtung und nach einem Monat beträgt die Prämie nur noch 250€. Warum solltet ihr die Option an dieser Stelle schließen?

Weil ihr in einem Monat die Hälfte eures maximalen Gewinns verdient habt. Warum solltet ihr das Risiko eingehen weiterhin in der Position zu bleiben und eventuell sogar noch einen Verlust damit zu machen, wenn ihr bereits schon die Hälfte des Gewinns vereinnahmt habt und das sogar in weniger als der Hälfte der Zeit? 

Schließt die Position stattdessen lieber und geht eine neue Optionsposition ein. Somit erhöht ihr auch eure Gesamtrendite, da renditetechnisch schließlich 50% des Gewinns in einem Monat besser sind als 100% des Gewinns in drei Monaten.

Davon abgesehen steigt das Gamma einer Option zum Ende ihrer Laufzeit immer mehr an, sodass ihr ein immer höheres Kursänderungsrisiko eingeht, je länger ihr die Position haltet. Mehr dazu könnt ihr übrigens in meinem Artikel über die Griechen einer Option nachlesen.

Diese 50% sind unter Optionsverkäufern übrigens Standard und die meisten Händler schließen ihre Position bei Erreichung dieses Gewinns. Allerdings auch der Hinweis, dass diese Grenze hauptsächlich nur für reine Call-Optionen bzw. Put-Optionen gedacht ist. 

Solltet ihr komplexere Optionsstrategien handeln, liegt die Grenze für die Gewinnmitnahme immer ein wenig anders. Wann ihr eure Gewinne je nach Optionsstrategie mitnehmen solltet, erkläre ich immer genau in meinen Artikeln zu den unterschiedlichen Optionsstrategien.

Auf der Verlustseite sieht es bei Optionsverkäufen aber einfacher aus. Die Regel ist hier, dass ihr die Option glattstellen solltet, wenn ihr einen Verlust von 100% bezogen auf eure Optionsprämie erreicht habt. D.h. sobald sich der Preis der Option verdoppelt hat, solltet ihr sie lieber glattstellen, um größere Verluste zu vermeiden.

Bei einer ursprünglichen Optionsprämie von 500€ solltet ihr in der Regel die Position also schließen, sobald der Preis der Option auf 1.000€ angestiegen ist. Ihr solltet allerdings hierbei auch immer euer persönliches Risikomanagement im Auge behalten. 

Wenn ihr z.B. ein Depot von 10.000€ habt und euer Risikomanagement sieht so aus, dass ihr mit einem Trade nie mehr als 3% verlieren wollt, dann ist eure persönliche Verkaufsschwelle schon bei einem absoluten Wert von 300€ erreicht.

Wenn ihr also die Option zu 500€ verkauft, dann solltet ihr sie nicht erst bei 1.000€ wieder zurückkaufen, sondern schon bei 800€, weil ihr dann schon eure persönliche Risikogrenze erreicht habt.

Die Bollinger Bänder – Erklärung und Handelsstrategien


Einer der beliebtesten Trendindikatoren sind die Bollinger Bänder, die mithilfe statistischer Berechnungen aufzeigen, wann sich eine Aktie in einem Aufwärts- oder Abwärtstrend befindet und wann eine Aktie überkauft oder überverkauft ist. Welche Handelsstrategien man aus diesem Indikator ablesen kann und warum die Signale, die sich aus dem Indikator ergeben mit Vorsicht zu genießen sind, möchte ich euch heute erklären. 

Die Bollinger Bänder sind ein Trendindikator für die Chartanalyse von Aktien. Sie sagen anhand statistischer Methoden, wann eine Aktie überkauft oder überverkauft ist. Ein Kaufsignal liegt in der Regel vor, wenn das untere Band durchbrochen wurde und ein Verkaufssignal beim Durchbrechen des oberen Bandes. 

Man kann mithilfe dieses Indikators also Trends erkennen sowie günstige Kauf- und Verkaufspunkte entdecken. Da die Zusammensetzung der Bollinger Bänder aber auf statistischen Mitteln beruht, ist deren Berechnung auch etwas komplizierter als die von anderen Trendindikatoren. Schauen wir uns das Ganze also einmal im Detail an.

Das ist übrigens meine Detailanalyse zu den Bollinger Bändern. Wenn ihr gern mehr über andere Trendindikatoren erfahren wollt und wie gut diese im Vergleich zueinander sind, dann solltet ihr euch meinen Artikel über die 5 wichtigsten Trendindikatoren durchlesen.

Berechnung der Bollinger Bänder

Der Indikator wurden in den 80er Jahren von John Bollinger entwickelt, als dieser wissen wollte, wie wahrscheinlich eigentlich bestimmte Kursbewegungen waren. Bis heute hat sich an dem Prinzip nichts geändert.

Die Bollinger Bänder bestehen immer aus drei Komponenten:

  • Ein einfacher gleitender Durchschnitt (SMA) mit einer Periodenlänge von 20 Zeiteinheiten (in der Regel Tage)
  • Ein unteres Band, dass sich ergibt aus dem Wert des SMA abzüglich der zweifachen Standardabweichung der letzten 20 Tage
  • Ein oberes Band, dass sich ergibt aus dem Wert des SMA zuzüglich der zweifachen Standardabweichung der letzten 20 Tage

Ihr habt sicherlich schon gemerkt, dass es bei den Bollinger Bändern um statistische Berechnungen geht und da sicherlich nicht jeder damit etwas anfangen kann, hier eine kleine bildliche Darstellung um was es dabei geht.

Mehr über den simplen gleitenden Durchschnitt könnt ihr übrigens in meinem Artikel zu diesem Indikator lesen.

Stellt euch die Standardabweichung einfach als die durchschnittliche Schwankungsbreite eines Aktienkurses vor. D.h. eine Aktie macht zum Beispiel im Jahr im Durchschnitt eine Rendite von 7%, allerdings bewegt sich die Rendite dabei in der Regel in einer Breite von 4% bis 10% pro Jahr.

In diesem Fall wäre die Standardabweichung 3%. Mathematisch ist das natürlich absolut falsch, aber mir geht es hier nur um die Verdeutlichung des Prinzips. Für alle die es ganz genau wissen wollen, empfehle ich einfach bei Wikipedia den Artikel zur Standardabweichung durchzulesen.

Bei den Bollinger Bändern würde man nun die zweifache Standardabweichung nehmen (in diesem Fall also 6%) und immer entweder auf den gleitenden Durchschnitt hinzurechnen (oberes Band) oder davon abziehen (unteres Band).

Der Tageschart von Coca-Cola mit Bollinger Bänder darüber.

Das besondere an der zweifachen Standardabweichung ist, dass statistisch betrachtet 95% aller möglichen Kursbewegungen innerhalb des oberen und unteren Bandes stattfinden sollten. Im Umkehrschluss heißt das also, dass ein Durchbrechen des Bollinger Bandes durch den Aktienkurs lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 5% hat und somit ein extrem seltenes Ereignis darstellt.

Diese 95% Wahrscheinlichkeit, die die Bollinger Bänder abbilden, sind mathematisch betrachtet allerdings nicht korrekt, wie ich weiter unten im Bereich zu meiner Kritik des Indikators noch einmal genauer erklären werde aber die Mehrheit der Marktteilnehmer versteht den Indikator genau so, sodass der Indikator schon ein wenig als eine selbsterfüllende Prophezeiung betrachtet werden kann.

Man kann die Bollinger Bänder also lesen, dass 95% aller möglichen Kursbewegungen einer Aktie zwischen dem oberen und unteren Band stattfinden müssen. Eine Überschreitung der Bänder ist ein extrem seltenes Ereignis, dass auf ein Überkaufen oder Überverkaufen der Aktie hindeutet.

Da die Berechnung der Standardabweichung immer nur die letzten 20 Zeiteinheiten berücksichtigt, kann man anhand der Bollinger Bänder auch die Veränderung der Volatilität ablesen.

Immer wenn sich die Bänder verengen, hat sich die historische Volatilität der Aktie verringert. Gehen die Bänder weiter auseinander, hat sich die Volatilität in den letzten 20 Tagen erhöht.

Wie man als Investor diese Informationen für sich nutzt, ist natürlich jedem selbst überlassen allerdings gibt es bestimmten Kursmuster auf die man genau achten sollte.

Handelsstrategie mithilfe der Bollinger Bänder

Die Bollinger Bänder geben einem Händler zwei wichtige Informationen. Zum einen wie wahrscheinlich eine bestimmte Kursbewegung ist und zum anderen wie sich die historische Volatilität der zugrundeliegenden Aktie verändert hat. 

Beides zusammen kann einen Hinweis darauf geben, in welche Richtung sich der Kurs zukünftig bewegen könnte und auch mit welchen Instrumenten man diese Kursbewegung handeln sollte.

Grundsätzlich können bei den Bollinger Bändern drei wichtige Szenarien vorliegen: Ein Durchbrechen des oberen oder unteren Bandes, eine Ausdehnung oder Verengung der Bänder und eine Kursbewegung entlang eines der Bänder. 

Das Durchbrechen des oberen oder unteren Bandes

Hierbei handelt es sich um das einfachste Signal des Indikators und auch das Signal, wofür der Indikator von den meisten Händlern benutzt wird.

Die Idee hinter dieser Strategie ist, dass ein Durchbrechen der Bänder ein statistisch betrachtet so seltenes Ereignis darstellt, dass man davon ausgehen kann, dass die zugrundeliegende Aktie in so einem Fall entweder momentan zu teuer oder zu günstig ist.

Ein Ausbruch des Kurses nach oben bedeutet somit, dass der aktuelle Aktienkurs zu hoch ist und man somit mit einer Gegenbewegung nach unten rechnen kann.

Ein Durchbrechen der Bollinger Bäder durch den Kurs nach unten bedeutet wiederum, dass der aktuelle Aktienkurs zu niedrig ist und man somit mit einer Gegenbewegung nach oben rechnen kann.

Der Tageschart von Apple. In rot habe ich jeweils markiert, wann der Indikator einen möglichen Kaufzeitpunkt oder Verkaufszeitpunkt angibt. Man sieht dabei schon, dass die Trefferquote der Bollinger Bänder nicht bei 100% liegt.

Bewegt sich der Kurs der zugrundeliegenden Aktie allerdings lediglich um den gleitenden Durchschnitt herum, lässt sich momentan nicht sagen in welche Richtung sich der Kurs bewegen wird.

Eine Ausdehnung oder Verengung der Bänder

Während das Durchbrechen der Bollinger Bänder einem Händler eine Indikation darüber gibt in welche Richtung sich der Kurs der Aktie bewegen könnte, gibt der Abstand des oberen zum unteren Band Informationen darüber mit welchen Instrumenten man im Moment lieber handeln sollte.

Natürlich kann man die Informationen aus den Bollinger Bändern immer mithilfe von Aktien handeln aber insbesondere Optionshändler können anhand der Bänder ihre Strategie auch noch weiter verfeinern.

Wie oben bereits erwähnt, bedeutet eine Verengung der Bänder nämlich, dass die historische Volatilität abgenommen hat und eine Ausdehnung der Bänder, dass die Volatilität zugenommen hat.

Der Tageschart von Disney mit Bollinger Bändern. Die Bereiche in denen die Bänder enger oder weiter sind, habe ich hervorgehoben.

Diese Information können Optionshändler für sich nutzen, denn eine Faustregel im Optionshandel ist es Optionen dann zu kaufen, wenn die Volatilität niedrig ist und sie zu verkaufen, wenn die Volatilität hoch ist.

Daraus ergeben sich folgende vier Szenarien:

Oberes Band
wird durchbrochen
Unteres Band
wird durchbrochen
Bollinger Bänder
sind sehr eng
Kauf von Put OptionenKauf von Call Optionen
Bollinger Bänder
sind sehr breit
Verkauf von Call OptionenVerkauf von Put Optionen
Die Tabelle zeigt welche Optionsstrategie sinnvoll wäre je nachdem wie breit oder eng die Bollinger Bänder momentan sind.

Schauen wir uns das an einem Beispiel an. Wenn das obere Band durchbrochen wurde, ist davon auszugehen, dass sich der Kurs in den nächsten Tagen sehr wahrscheinlich wieder verringern wird. Wir wollen daran partizipieren, indem wir auf fallende Kurse setzen.

Da die Bänder momentan aber sehr eng sind, ist die historische Volatilität auch sehr gering, sodass es eher empfehlenswert ist Optionen zu verkaufen, um von einem möglichen Anstieg der Vola auf ein normales Niveau zusätzlich zu partizipieren.

Der Tageschart von Disney mit Bollinger Bändern. Diesmal hervorgehoben wann gute Zeitpunkte für den Kauf oder Verkauf von Call Optionen sind.

Wir wollen in diesem Fall also auf fallende Kurse setzen und wir möchten Optionen kaufen, sodass die daraus folgende Strategie der Kauf von Put Optionen wäre.

Dieselbe Logik lässt sich auch auf die anderen drei Szenarien anwenden. 

Ich möchte an dieser Stelle aber auf zwei wichtige Dinge hinweisen. Wie jeder Indikator geben auch die Bollinger Bänder nur ein Indiz darauf in welche Richtung sich der Kurs bewegen könnte. Bevor ihr also aufgrund eines Ausbruchs wild los handelt, solltet ihr immer noch weitere Analysen durchführen, um euch abzusichern.

Insbesondere wenn ihr noch kein oder nur wenig Wissen über Optionen habt, solltet ihr extrem vorsichtig vorgehen, da man mit Optionen auch mehr verlieren kann, als man eingesetzt hat, wie ich ausführlich in diesem Artikel erkläre. Übrigens alle Grundlagen zum Thema Optionen könnt ihr in diesem Artikel von mir finden wenn euch das Thema interessiert.

Der zweite wichtige Hinweis ist, dass die Bollinger Bänder lediglich die historische Volatilität abbilden aber für die Preisbildung von Optionen nur die implizite Volatilität relevant ist. Es gibt zwar einen Zusammenhang zwischen den beiden Vola-Arten, aber ihr solltet neben der Breite der Bänder auch immer die implizite Volatilität der Aktie mit betrachten.

Mehr über den Unterschied von historischer Volatilität und impliziter Volatilität habe ich in diesem Artikel zusammengefasst und wenn ihr andere Methoden lernen wollt, um herauszufinden, ob die aktuelle Volatilität gerade hoch oder niedrig ist, dann solltet ihr euch diesen Artikel von mir durchlesen.

Eine Kursbewegung entlang der Bänder

Ein Durchbruch der Bollinger Bänder muss nicht immer wie oben beschrieben zu einer Umkehr des Kursverlaufes führen. Es gibt nämlich auch ein Szenario, bei dem der Kurs an einer Seite des Bandes ausbricht und sich dann weiter entlang der jeweiligen Bandseite bewegt.

So ein Szenario tritt in der Regel ein, wenn sich eine Aktie in einem sehr deutlichen Aufwärts- oder Abwärtstrend befindet.

Während eines Aufwärtstrends durchbricht der Aktienkurs also das obere Bollinger Band, geht danach wieder leicht zurück, um anschließend weiter entlang des oberen Bandes zu verlaufen. So ein Szenario ist ein starkes Indiz für einen starken Aufwärtstrend.

Der Tageschart von Coinbase. Diesmal hervorgehoben ist der Bereich indem der Kurs sich entlang des oberen Bands bewegt. Ein Zeichen für einen sehr eindeutigen Aufwärtstrend.

Ähnlich sieht es bei einem Ausbruch nach unten aus. Wird das untere Band durchbrochen und der Kurs verläuft weiterhin entlang des unteren Bandes, anstatt wieder nach oben zu gehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Aktie momentan in einem starken Abwärtstrend bewegt.

Übrigens könnt ihr nicht nur durch Trendindikatoren eure Gesamtrendite positiv beeinflussen sondern auch der Monat, in dem ihr investiert, hat einen entscheidenden Einfluss auf eure Rendite. Welcher Monat der beste und welcher der schlechteste zum (ver)kaufen ist, könnt ihr in diesem Artikel von mir nachlesen.

Probleme mit den Bollinger Bänder

Die Bollinger Bänder können sehr hilfreich sein, um einen Trend im Aktienverlauf abzulesen allerdings sind sie auch alles andere als perfekt.

Wie oben bereits erwähnt, sind nämlich viele Grundannahmen bei diesem Indikator grundsätzlich falsch. So wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass die Kurse einer Aktie einer mathematischen Normalverteilung folgen, was aber schon mehrfach widerlegt wurde.

Entsprechend ist die daraus folgende Schlussfolgerung, dass 95% aller Kursbewegungen innerhalb der Bollinger Bänder liegen sollte, auch falsch.

Auch die Tatsache, dass man lediglich 20 Zeiteinheiten betrachtet, ist statistisch gesehen eher problematisch zu betrachten, da man einfach zu wenig Datenpunkte hat, um wirklich verlässliche Aussagen über die Volatilität zu treffen.

Eine längere Zeiteinheit würde den Indikator aber zu langsam werden lassen, sodass er erst zu spät auf aktuelle Kursänderungen reagieren würde.

Wissenschaftlich konnte in diversen Untersuchungen auch gezeigt werden, dass der Indikator im Vergleich zum klassischen Buy-And-Hold keine Überrendite liefern kann, weswegen es eigentlich einfacher wäre immer investiert zu bleiben anstatt bei bestimmten Signalen zu kaufen oder zu verkaufen.

Selbst der Erfinder John Bollinger hat schon bei Veröffentlichung des Indikators darauf hingewiesen, dass ein Durchbrechen der Bänder eigentlich kein wichtiges Ereignis sei. 

Trotz all dieser Fehler haben sich die Bollinger Bänder aber als gängige Analysemethode in der Praxis etabliert. Deswegen kann es also nicht schaden, immer wieder einen Blick darauf zu werfen, um zu erkennen, was andere Marktteilnehmer evtl. unternehmen werden.

Wo kann man sich die Bollinger Bänder für einzelne Aktien ansehen?

Wenn ihr zukünftig die Bollinger Bänder für eure eigenen Analysen nutzen wollt, benötigt ihr ein professionelles Chartprogramm dafür. Ich nutze dafür TradingView und kann es euch auch nur empfehlen. 

Das Programm kostet zwar 15 EUR im Monat, aber es ist sein Geld wirklich wert. Solltet ihr euch auch für das Programm entscheiden, dann könnt ihr das gern über diesen Link machen. Dann bekommst du und ich zwei Monate geschenkt. Zusammen mit der 30 Tage Probezeit sind das schon 3 Monate gratis für euch.

Die Bollinger Bänder lassen sich in TradingView über den „Indikator & Strategie“ Button hinzufügen. Wenn sich das neue Fenster öffnet, such ihr dann nach „Bollinger Bands“ und der Indikator taucht dann unter dem Namen „Bollinger Bands“ auf. Einmal draufklicken und schon seht ihr die Bänder in eurem regulären Kurschart.