Neueste Artikel

Ist eine hohe Dividendenrendite gut oder schlecht?


Für Dividendeninvestoren ist es besonders wichtig eine sehr hohe Dividendenrendite auf ihr gesamtes Portfolio zu haben aber immer wieder wird davor gewarnt, dass eine zu hohe Dividendenrendite zwar verführerisch klingen mag aber man sich doch davon fernhalten sollte, weil solche Aktien einfach zu riskant wären. Stimmt das aber? Ist eine hohe Dividendenrendite wirklich so schlecht oder doch vielleicht gut? Ich habe über 1.000 Aktien analysiert, um genau das herauszufinden.

Eine hohe Dividendenrendite ist nicht zwingend mit schlechten Aktien gleichzusetzen allerdings haben solche Aktien in aller Regel eine extrem hohe Ausschüttungsquote, ein geringes Dividendenwachstum und keine lange Dividendenhistorie und sind somit nicht empfehlenswert für langfristige Dividendeninvestoren.

D.h. also, dass eine hohe Dividendenrendite nicht sofort darüber entscheidet, ob eine Aktie gut oder schlecht ist, aber ihr solltet solche Aktien doch genauer analysieren, um mögliche Risiken schon frühzeitig zu erkennen. 

Insbesondere die Ausschüttungsquote, das Dividendenwachstum als auch die Länge der historisch ununterbrochenen Dividendenzahlungen leiden häufig unter einer zu hohen Dividendenrendite, wie ich euch weiter unten genau erklären werde.

Beginnen wir zuerst aber noch einmal kurz mit den Grundlagen, damit auch jeder das Thema versteht.

Eine kurze Erklärung der Dividendenrendite

Für Anfänger kann die Terminologie manchmal etwas verwirrend sein, deswegen möchte ich gern noch einmal den Unterschied zwischen Dividende und Dividendenrendite herausstellen.

Die Dividende ist die Gewinnausschüttung einer Aktie an den Aktionär und ist ein absoluter Betrag. D.h. sie kann zum Beispiel 3€ betragen und bedeutet dann, dass jeder Inhaber der Aktie 3€ je Aktie bekommt.

Das ist so weit nicht überraschend aber das Problem daran ist, dass die Dividenden zweier unterschiedlicher Aktien nicht wirklich vergleichbar sind.

Aktienbaum
Dividenden-Rechner

Plane ganz einfach Deine zukünftigen Dividendeneinnahmen! Nutze unseren Dividendenrechner, um Deine finanziellen Ziele schneller zu erreichen.

Zum Rechner

Stellt euch einfach vor Aktie A zahlt jährlich 3€ Dividende und Aktie B zahlt jährlich 6€ Dividende. Ist deswegen Aktie B aus Dividendensicht besser als Aktie A? Das kann man so nicht sagen, denn das hängt ganz vom Preis der beiden Aktien ab. Wenn Aktie A einen Kurs von 60€ hat und Aktie B einen Kurs von 600€, dann zahlt Aktie A viel mehr Dividende je Aktie aus.

Und genau hier kommt die Dividendenrendite ins Spiel. Diese ist nämlich eine relative Zahl und gibt an, wie viel Prozent die Dividende vom Aktienkurs ausmacht. Im oberen Beispiel hätte Aktie A eine Dividendenrendite von 5% und Aktie B 1%. 

Diese Zahlen lassen sich perfekt miteinander vergleichen, denn man kann dann genau sagen, dass bei einem Investment von 1.000€ Aktie A 50€ Dividende jährlich auszahlen würde und Aktie B lediglich 10€.

Die Berechnung der Dividendenrendite ist somit Dividendenrendite = Dividende / Aktienkurs

Formel zur Berechnung der Dividendenrendite.

Natürlich sagt auch die Dividendenrendite nichts darüber aus, wie gut das Unternehmen aufgestellt ist und ob es sich die Dividendenrendite überhaupt leisten kann, aber dazu kommen wir gleich.

Wichtig ist nur zu verstehen, dass die Dividendenrendite so etwas wie der regelmäßige Zins einer Aktie ist und je höher diese ist, desto mehr bekommt ihr pro Jahr von eurem investierten Geld wieder zurück. D

Die Dividendenrendite ist aber auch nur eine von vielen Aktienkennzahlen, die ihr beachten solltet. Allein betrachtet, hat die Dividendenrendite nämlich wenig Aussagekraft, wie ich euch in diesem Artikel erkläre.

Mehr über den Unterschied zwischen Dividende und Dividendenrendite erkläre ich euch in diesem Artikel, wenn ihr gern mehr wissen wollt.

Wann eine hohe Dividendenrendite schlecht ist

Beginnen wir zuerst mit der Frage, wann eine hohe Dividendenrendite schlecht ist, weil das die Mehrheit der Aktien mit hoher Dividendenrendite betrifft. Weiter unten erkläre ich euch dann, wann eine hohe Dividendenrendite gut ist und ihr bei solchen Aktien zuschlagen solltet.

Im Wesentlichen gibt es drei Punkte die häufig unter einer zu hohen Dividendenrendite zu leiden haben bzw. die Gründe sind, warum man sich von solchen Aktien fernhalten sollte: Die Ausschüttungsquote, das Dividendenwachstum und die Länge der ununterbrochenen Dividendenzahlungen in der Vergangenheit.

Schauen wir uns alle drei Punkte einmal im Detail an.

1. Die Ausschüttungsquote ist zu hoch

Als Ausschüttungsquote bezeichnet man, wie viel Prozent des Gewinns eines Unternehmens in Form von Dividenden ausgeschüttet wird. D.h. wenn ein Unternehmen einen Jahresgewinn von 100 Millionen € erzielt hat und davon 30 Millionen € als Dividende an die Aktionäre auszahlt, dann ist die Ausschüttungsquote in diesem Fall 30%.

Die Ausschüttungsquote von Aktien berechnet sich somit aus dem Quotienten der Gesamtdividende geteilt durch den Jahresgewinn des zugrundeliegenden Unternehmens.

Formel zur Berechnung der Ausschüttungsquote.

Die Ausschüttungsquote ist für Dividenden deswegen eine so wichtige Kennzahl, weil sie Aufschluss darüber gibt, wie viel Spielraum ein Unternehmen noch hat die Dividende zu erhöhen bzw. ob die aktuelle Dividende überhaupt aus den laufenden Gewinnen bezahlt wird.

Stellt euch einfach vor ein Unternehmen hat eine Ausschüttungsquote von 120%. Dann wurde zwar vielleicht eine hohe Dividende ausgezahlt, aber diese konnte nicht einmal durch die Jahresgewinne des Unternehmens gedeckt werden. Das Unternehmen hat somit mehr Dividende an die Aktionäre verteilt als es im selben Jahr überhaupt eingenommen hat.

Das kann in einzelnen Fällen durchaus einmal passieren und muss nicht zwangsläufig auf ein schlechtes Unternehmen hindeuten, aber ihr solltet in so einem Fall immer etwas genauer hinschauen.

Wie in der Einleitung erwähnt, habe ich mir diesen Zusammenhang auch einmal genauer angeschaut und deswegen die Dividendenrendite und die Ausschüttungsquote von über 1.000 Unternehmen angeschaut. Das Ergebnis könnt ihr dabei in folgender Grafik sehen.

Die Grafik zeigt auf der X-Achse die Dividendenrendite in Prozent und auf der Y-Achse die Ausschüttungsquote in Prozent. In der Grafik sind dann alle Unternehmen nach ihrer aktuellen Dividendenrendite und Ausschüttungsquote eingetragen. Die schwarze Linie dazwischen ist die Trendlinie und gibt an, wie der allgemeine Trend dieser Datenwolke ist.

Man sieht dabei deutlich, dass die Ausschüttungsquote tendenziell höher ist bei Unternehmen, die eine hohe Dividendenrendite auszahlen. 

Natürlich gibt es immer ein paar Ausreißer aber die Mehrheit der Unternehmen befindet sich bei einer Dividendenrendite von 0,5% bis 4% und einer Ausschüttungsquote kleiner 40%. 

Umso höher allerdings die Dividendenrendite ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass ein Unternehmen diese hohe Rendite durch eine hohe Ausschüttungsquote bezahlt.

Achtet bei einer hohen Dividendenrendite deswegen immer darauf, wie hoch die Ausschüttungsquote ist. Ein Unternehmen, das den Großteil der eigenen Gewinne ausschüttet, kann nicht mehr groß wachsen und wird früher oder später entweder in finanzielle Probleme gelangen oder seine Dividende nicht weiter erhöhen können bzw. im schlimmsten Fall die Dividende sogar kürzen oder streichen müssen.

Wenn ihr gern wissen wollt, wie hoch die Ausschüttungsquote eines Unternehmens ist, dann könnt ihr das gern in meiner Liste mit den wichtigsten Dividendenaktien weltweit nachschauen. Dort habe ich über 1.100 Unternehmen aufgelistet inkl. deren Dividendenrendite und Ausschüttungsquote und diese Daten sind übrigens auch die Grundlage meiner Analyse.

2. Das Dividendenwachstum ist zu gering

Dividendeninvestoren sind vor allem daran interessiert, dass die erhaltene Dividende regelmäßig steigt und das setzt natürlich voraus, dass das Unternehmen auch genug finanziellen Spielraum hat die Dividendenzahlung regelmäßig zu erhöhen. 

Das kann entweder durch einen höheren Gewinn passieren oder durch eine Erhöhung der Ausschüttungsquote. Sollte ein Unternehmen allerdings, wie oben beschrieben, schon eine zu hohe Ausschüttungsquote haben bzw. sogar mehr Dividenden ausschütten als es Gewinn macht, dann bleibt natürlich kein Spielraum für weitere Erhöhungen der Dividende.

Ihr solltet bei einer hohen Dividendenrendite deswegen immer darauf achten wie viel das Unternehmen die Dividende in der Vergangenheit erhöht hat. Ihr könnt diese Information ebenfalls in meiner Liste zu den 1.100 größten Dividendenaktien der Welt finden, wo ich euch das durchschnittliche Dividendenwachstum jeder Aktie über eine 1-Jahres, 3-Jahres und 5-Jahres Frist ausgerechnet habe.

In der unteren Grafik könnt ihr aber auch den Zusammenhang zwischen Dividendenrendite und Dividendenwachstum sehen.

Die Grafik zeigt auf der X-Achse die Dividendenrendite in Prozent und auf der Y-Achse das durchschnittliche Dividendenwachstum pro Jahr in den letzten 3 Jahren in Prozent. In der Grafik sind dann alle Unternehmen nach ihrem Dividendenwachstum und Dividendenrendite eingetragen. Die schwarze Linie dazwischen ist die Trendlinie und gibt an, wie der allgemeine Trend dieser Datenwolke ist.

Die Grafik macht dabei deutlich, dass umso höher die Dividendenrendite ist, desto geringer ist in der Regel auch das Dividendenwachstum. 

Ihr könntet also in ein Unternehmen wie Atos SE investieren, dass zwar eine Dividendenrendite von über 9% zahlt aber dafür die Dividende jährlich um weniger als 10% erhöht oder in ein Unternehmen wie Kearny Financials, dass zwar eine Dividendenrendite von nur 3% zahlt aber dafür die Dividende jährlich um fast 40% erhöht. 

Wenn beide Unternehmen ihre Wachstumsraten beibehalten würden, dann würde Kearny Financials bereits nach fünf Jahren mehr Dividende auszahlen als Atos SE und das bei einer viel geringeren Ausschüttungsquote. 

Ihr solltet euch bei einer hohen Dividendenrendite deswegen immer fragen, ob ihr lieber jetzt viel Dividende haben wollt aber dafür in Zukunft fast kein Wachstum oder lieber jetzt etwas weniger Dividende aber dafür in Zukunft viel Wachstum und eine höhere Dividende.

3. Die Dividendenhistorie ist zu kurz

Der letzte Punkt, der einen bei einer zu hohen Dividendenrendite stutzig machen sollte, ist die Dividendenhistorie. Als Dividendeninvestor solltet ihr vor allem auf eine lange Zahlungshistorie achten, denn das gibt Aufschluss darüber, wie wichtig der Unternehmensführung die Dividendenzahlung ist. 

Denkt dabei einfach an Coca-Cola. Das Unternehmen hat bereits 59 Jahre in Folge die Dividende jedes Jahr erhöht und das Management gibt immer wieder in ihren jährlichen Geschäftsberichten bekannt, dass dies auch in Zukunft so fortgesetzt werden soll.

Entsprechend könnt ihr euch als Dividendeninvestor bei so einem Unternehmen auch sehr sicher sein, dass eure Dividende weiterhin ausgezahlt werden wird und jedes Jahr sogar steigt.

Warum könnt ihr euch darüber aber nicht sicher sein, wenn eine Aktie eine hohe Dividendenrendite hat? Der Grund ist ganz einfach. Wie schon in den beiden oberen Abschnitten erklärt, geht eine hohe Dividendenrendite häufig mit einer hohen Ausschüttungsquote und einem geringen Dividendenwachstum einher.

Beides nicht die besten Grundlagen, um auf die nächsten 50 Jahre zu garantieren, dass man die Dividende weiterhin zahlen und sogar steigern kann.

Der Zusammenhang zwischen Dividendenhistorie und Dividendenrendite wird grafisch sogar am besten deutlich.

Die Grafik zeigt auf der X-Achse die Dividendenrendite in Prozent und auf der Y-Achse wie viele Dividendensteigerungen es bereits jedes Jahr in Folge gab. In der Grafik sind dann alle Unternehmen je nach ihrem Dividendenwachstum und Dividendenrendite eingetragen. Die schwarze Linie dazwischen ist die Trendlinie und gibt an, wie der allgemeine Trend dieser Datenwolke ist. Grau markiert ist der Bereich mit einer Dividendenhistorie von über 40 Jahren.

Ihr könnt in der Grafik dabei deutlich erkennen, dass bis auf ganz wenige Ausreißer es kein Unternehmen mit einer Dividendenhistorie von 40 Jahren oder länger gibt, das auch eine hohe Dividendenrendite zahlt.

Oder anders gesagt. Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite schaffen es statistisch nie ihre Rendite über einen längeren Zeitraum auszahlen zu können oder sogar erhöhen zu können. Der einzige Weg, um langfristig eine Dividende jedes Jahr zahlen und erhöhen zu können, ist durch eine Normalisierung der Dividendenrendite auf ein nachhaltiges Niveau (später mehr dazu, wie hoch eine gute Dividendenrendite sein sollte).

Wann eine hohe Dividendenrendite gut ist

Eine hohe Dividendenrendite muss aber nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Ganz im Gegenteil, es ergeben sich immer wieder Chancen bei denen ihr zu einem günstigen Preis in ein Unternehmen mit hoher Dividendenrendite, geringer Ausschüttungsquote, hohem Dividendenwachstum und langer Dividendenhistorie investieren könnt.

Wie ihr das machen könnt? Ihr müsst einfach nur auf den richtigen Zeitpunkt warten. Sucht euch dafür einfach sehr gute Dividendenaktien heraus und fügt sie einer Watchlist hinzu. 

Welche Aktien gute Dividendentitel sind, könnt ihr jederzeit mit meiner Dividendenliste hier sehen. Dort findet ihr über 1.100 weltweite Aktien, die man üblicherweise als Dividendenaristokraten oder Dividendenkönige bezeichnet sowie alle Unternehmen, die diesen Status bald erreichen könnten.

Die Liste ist für jeden frei zugänglich, ohne Newsletteranmeldung oder irgendwelche versteckte Kosten oder Abos. Ich habe die Liste einfach ursprünglich nur für mich entwickelt aber freue mich über jeden, den ich damit helfen kann. Die Liste wird jeden Monat von mir aktualisiert also schaut regelmäßig vorbei, wenn ihr die neuste Liste benötigt.

Dort könnt ihr anhand verschiedener Kriterien genau die richtigen Dividendenaktien für euch finden und wenn ihr diese erst einmal gefunden habt, dann heißt es nur noch warten auf den richtigen Zeitpunkt und das kann manchmal extrem lange dauern.

Nehmt als Beispiel die Aktie der Allianz SE. Diese hat ein Dividendenwachstum in den letzten 5 Jahren von circa 7% pro Jahr, eine Ausschüttungsquote zwischen 50 bis 60% und hat bereits 13 Jahre in Folge die Dividende erhöht oder zumindest konstant gelassen. 

Anhand dieser Kriterien also durchaus ein guter Kandidat für ein Dividendenportfolio. Momentan liegt die Dividendenrendite von Allianz bei circa 4,5% was zugegeben schon sehr hoch ist aber hätte ihr die Aktie während des Crashs im März 2020 oder auch noch Monate danach gekauft, dann hättet ihr eine Dividendenrendite auf euer eingesetztes Kapital von bis zu 8% erzielen können.

Der Tageschart von Allianz. Am absoluten Tiefpunkt des Crashs im März 2020 hätte man eine Dividendenrendite von 8% erzielen können.

Das ist eine hervorragende Dividendenrendite für ein hervorragendes Unternehmen, dass auch in Zukunft noch viel Spielraum hat die Dividende zu steigern und auch weiter zahlen zu können.

Im Nachhinein klingt das natürlich einfacher gesagt als getan, aber selbst wenn ihr die Allianz Aktie schon etwas eher als am absoluten Tiefpunkt oder erst danach gekauft hättet, hättet ihr auch mit 6% Dividendenrendite noch ein fantastisches Ergebnis erzielen können.

Das Wichtigste ist dabei nur genau zu wissen welche Aktien gute Kandidaten für ein Dividendenportfolio sind und meine Liste hilft euch dabei diese Aktien zu finden.

Macht aber nicht den Fehler und wartet zu lange auf die nächste Krise. In diesem Artikel habe ich genau erklärt, warum „Buy-the-Dip“ langfristig keine gute Anlagestrategie ist und es statistisch betrachtet sinnvoller ist lieber alles sofort zu investieren, anstatt auf den richtigen Zeitpunkt zu warten.

Wenn du dir immer noch nicht sicher bist wann du in Dividendenaktien investieren solltest, dann habe ich genau den richtigen Artikel für dich. Hier habe ich für dich 7 gute Gründe gesammelt, warum du dir ein Dividendenportfolio aufbauen solltest.

Was ist eine gute Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstumsrate?

Zum Schluss möchte ich euch noch eine grobe Richtlinie dafür geben, was eine gute Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstumsrate sind, sodass es euch leichter fällt zu erkennen, wann einer dieser Werte evtl. zu hoch ist.

Auch hierfür habe ich über 1.100 Aktien analysiert, um herauszufinden was für eine Dividende eigentlich normal ist. Meine ganze Analyse könnt ihr in diesem Artikel hier durchlesen aber in der folgenden Tabelle könnt ihr auch die Kurzfassung dazu sehen.

AktienauswahlØ Dividenden-
rendite
Ø Ausschüttungs-
quote
Ø Dividenden-
wachstum über 1 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 3 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 5 Jahr p.a.
Alle2,50%25,85%7,15%9,84%10,83%
Aktien, die bereits mindestens 50 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,17%30,18%5,23%6,24%6,64%
Aktien, die bereits mindestens 25 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,41%19,98%5,97%7,04%7,02%
Aktien, die bereits mindestens 10 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,45%27,62%5,84%7,75%8,06%
Höchster Wert unter allen Aktien11,99%476,47%120,90%58,75%75,61%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstumsrate über mehrere Jahre für Aktien an, je nachdem wie lange die Aktie bereits ihre Dividende in Folge ausgezahlt hat.

Ihr seht also, dass die durchschnittliche Rendite aller dividendenorientierter Aktien 2,5% beträgt. D.h. eine Dividendenrendite von 4% ist schon deutlich über dem Durchschnitt und solltet ihr die Möglichkeit haben gute Qualitätsaktien mit so einer Dividendenrendite kaufen zu können, dann solltet ihr zuschlagen (so lange auch alle anderen Checks zur Aktie für euch passen).

Übrigens, das ist nur einer von vielen Artikeln, die ich zum Thema "Dividenden" geschrieben habe. Wenn du gern mehr über Dividenden erfahren möchtest, empfehle ich dir meinen Artikel "Dividenden - einfach erklärt" in dem ich dir die wichtigsten Erkenntnisse aus allen Artikeln zusammengefasst haben.

Wie viel Dividende ist eigentlich normal?


Besonders Anfänger investieren sehr gern in Dividendenaktien, da die Dividendenauszahlungen einen regelmäßigen Cashflow generieren und man somit leicht ein passives Einkommen erzielen kann. Allerdings lassen sich einige Investoren von besonders hohen Dividendenrenditen verführen und kaufen Aktien nur deswegen, weil sie eine hohe Dividende auszahlen. Aber wie viel Dividende ist eigentlich normal und gut? Ich habe dafür über 1.100 Dividendenaktien analysiert, um es für euch herauszufinden.

Meine Analyse von über 1.100 dividendenorientierten Aktien hat ergeben, dass die durchschnittliche Dividendenrendite 2,5% pro Jahr beträgt. Bei einem Aktienkurs von 100€ kann somit eine Dividende von 2,5€ je Aktie als normal und gut angesehen werden.

Soweit zur Haupterkenntnis meiner Analyse darüber, wie viel Dividende eigentlich normal ist. Ich habe allerdings gleich die Chance genutzt und mir noch weitere interessante Fragen angeschaut, die ihr in der folgenden Tabelle zusammengefasst sehen könnt. Weiter unten habe ich zu den einzelnen Ergebnissen jeweils auch noch eine detaillierte Analyse.

AktienauswahlØ Dividenden-
rendite
Ø Ausschüttungs-
quote
Ø Dividenden-
wachstum über 1 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 3 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 5 Jahr p.a.
Alle2,50%25,85%7,15%9,84%10,83%
Aktien, die bereits mindestens 50 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,17%30,18%5,23%6,24%6,64%
Aktien, die bereits mindestens 25 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,41%19,98%5,97%7,04%7,02%
Aktien, die bereits mindestens 10 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,45%27,62%5,84%7,75%8,06%
Höchster Wert unter allen Aktien11,99%476,47%120,90%58,75%75,61%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstumsrate über mehrere Jahre für Aktien an, je nachdem wie lange die Aktie bereits ihre Dividende in Folge ausgezahlt hat.

Übrigens, das ist nur einer von vielen Artikeln, die ich zum Thema „Dividenden“ geschrieben habe. Wenn du gern mehr über Dividenden erfahren möchtest, empfehle ich dir meinen Artikel „Dividenden – einfach erklärt“ in dem ich dir die wichtigsten Erkenntnisse aus allen Artikeln zusammengefasst haben.

Meine Analyse

Für meine Analyse habe ich insgesamt über 1.100 Aktien analysiert, deren Management einen besonders hohen Fokus auf eine langfristige Dividendenausschüttung legt. Damit wollte ich sicherstellen, dass ich nur Unternehmen betrachte, die wirklich langfristig regelmäßig eine Dividende auszahlen und keine einmaligen „Geschenke“ an die Aktionäre verteilen.

Alle betrachteten Unternehmen könnt ihr in meiner Liste zu den weltweiten Dividendenaristokraten finden. Ich aktualisiere die Liste monatlich, damit ihr ganz schnell die perfekte Dividendenaktie für euch finden könnt.

Ich habe die Liste dann noch um einige Ausreißer bereinigt, deren Dividendenrendite oder Ausschüttungsquote absolut unnormal waren und haben anhand dieser Werte dann meine Analyse durchgeführt.

Übrigens wenn ihr euch fragt, ob es sich überhaupt lohnt in Dividendenaktien zu investieren, solltet ihr euch unbedingt diesen Artikel von mir durchlesen. Dort habe ich analysiert wie hoch die durchschnittliche Rendite von Dividendenaktien in den letzten 50 Jahren war und habe es mit der Rendite von Nicht-Dividendenaktien verglichen. Die Ergebnisse sind dabei absolut eindeutig.

Wie viel Dividende zahlt eine Aktie im Durchschnitt?

Die durchschnittliche Dividendenrendite einer Aktie für Unternehmen, die langfristig und regelmäßig Dividenden ausschütten, liegt bei 2,5% pro Jahr. Umso länger ein Unternehmen bereits seine Dividende jährlich gesteigert hat, desto geringer fällt die durchschnittliche Dividendenrendite aus.

AktienauswahlDurchschnittliche DividendenrenditeDurchschnittliche Ausschüttungsquote
Alle2,50%25,85%
Aktien, die bereits mindestens 50 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,17%30,18%
Aktien, die bereits mindestens 25 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,41%19,98%
Aktien, die bereits mindestens 10 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen2,45%27,62%
Höchster Wert unter allen Aktien11,99%476,47%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Dividendenrendite und Ausschüttungsquote für Aktien an, je nachdem wie lange die Aktie bereits ihre Dividende in Folge ausgezahlt hat.

Der Tatsache, dass die Dividendenrendite immer mehr abnimmt, je länger das Unternehmen bereits eine Dividende auszahlt, ist allerdings nicht wirklich überraschend.

In der Regel geht eine lange Dividendenhistorie nämlich entweder mit einer hohen Ausschüttungsquote einher oder mit einem bereits etablierten Geschäftsmodell, dass nur noch wenig Wachstum zulässt.

Stellt euch einfach die Aktie von Coca-Cola vor. Das Unternehmen hat bereits 59 Jahre in Folge die Dividende erhöht und kann als Unternehmen selbst nicht mehr groß wachsen, weil Coca-Cola als Getränk bereits in fast allen Ländern der Welt verkauft wird. 

Um die Dividende dennoch jedes Jahr steigern zu können, besteht also nur die Möglichkeit entweder die Dividendensteigerungen pro Jahr sehr gering oder die Ausschüttungsquote extrem hoch zu halten.

Momentan liegt die Ausschüttungsquote, also wie viel des Jahresgewinns als Dividende ausgezahlt wird, bei Coca-Cola bei rund 19% und damit relativ niedrig. Entsprechend steigt die Dividende von Coca-Cola nur langsam (circa 4% pro Jahr in den letzten 5 Jahren) und dementsprechend ist die Dividendenrendite mit 2,8% auch verhältnismäßig klein.

Junge Unternehmen, die ihre Dividende erst wenige Jahre in Folge erhöht haben, haben deshalb noch etwas mehr Spielraum ihre Dividende jährlich stärker zu erhöhen und entsprechend ist deren durchschnittliche Dividendenrendite auch höher.

Unter den 1.100 analysierten Aktien war die höchste Dividendenrendite 11,99% und wird von dem spanischen Pharmaunternehmen FAEs Farma SA gezahlt. Bei einem aktuellen Aktienkurs von 3,34€ entspricht das einer jährlichen Dividende von 0,40€.

Warum so eine Dividendenrendite aber nicht wirklich sehr nachhaltig ist und wann ihr bei einer hohen Dividendenrendite zuschlagen könnt, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Wenn ihr aber wissen wollt, welches Unternehmen mit guten Finanzkennzahlen die höchste Dividende ausschüttet, dann könnt ihr euch das in diesem Artikel von mir durchlesen.

Wie stark wird die Dividende im Durchschnitt pro Jahr erhöht?

Das durchschnittliche Dividendenwachstum einer Aktie für Unternehmen, die langfristig und regelmäßig Dividenden ausschütten, liegt bei 7,15% pro Jahr. Umso länger ein Unternehmen bereits seine Dividende jährlich gesteigert hat, desto geringer fällt das durchschnittliche Dividendenwachstum aus.

AktienauswahlØ Dividenden-
wachstum über 1 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 3 Jahr p.a.
Ø Dividenden-
wachstum über 5 Jahr p.a.
Alle7,15%9,84%10,83%
Aktien, die bereits mindestens 50 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen5,23%6,24%6,64%
Aktien, die bereits mindestens 25 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen5,97%7,04%7,02%
Aktien, die bereits mindestens 10 Jahre in Folge eine Dividende auszahlen5,84%7,75%8,06%
Höchster Wert unter allen Aktien120,90%58,75%75,61%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Dividendenwachstumsrate über mehrere Jahre für Aktien an, je nachdem wie lange die Aktie bereits ihre Dividende in Folge ausgezahlt hat.

Um Verwirrung zu vermeiden eine kurze Erklärung zu den Werten in dieser Tabelle. Wenn das durchschnittliche Dividendenwachstum über 3 Jahre für alle untersuchten Aktien 9,84% beträgt, dann heißt das nicht, dass die Dividenden über drei Jahre insgesamt nur 9,84% gestiegen sind, sondern dass sie jedes Jahr in den letzten 3 Jahren im Durchschnitt 9,84% pro Jahr gewachsen sind.

Das heißt, die Dividende ist im Durchschnitt im ersten, zweiten und dritten Jahr um jeweils 9,84% gestiegen bzw. insgesamt über die drei Jahre 32,52%.

Auch hier ist es allerdings nicht überraschend, dass die Wachstumsrate immer niedriger wird, je länger das Unternehmen bereits die Dividende erhöht hat. 

Wie oben schon beschrieben, erreichen Unternehmen mit einer langen Dividendenhistorie irgendwann einen Punkt, an dem sie selbst nicht mehr viel wachsen und entsprechend auch nicht mehr viel Spielraum haben die Dividende zu steigern.

Wie man in Dividendenaktien investieren sollte

Wenn ihr selbst ein Dividendeninvestor seid oder in Zukunft gern verstärkt in Dividendenaktien investieren wollt, dann könnt ihr jederzeit mit meiner Dividendenliste hier starten. 

Dort findet ihr über 1.100 weltweite Aktien, die man üblicherweise als Dividendenaristokraten oder Dividendenkönige bezeichnet sowie alle Unternehmen, die diesen Status bald erreichen könnten.

Die große weltweite Dividenden Aristokraten Liste von Aktienbaum

Zugriff auf über 1.000 Dividendenaktien und deren wichtigsten Kennzahlen. Jeden Monat aktualisiert und absolut gratis.

Zur Liste

Oder melde dich für meinen Newsletter an und bekomme die Liste jeden Monat direkt in dein Postfach!

Newsletter abonnieren

Die Liste ist für jeden frei zugänglich, ohne Newsletteranmeldung oder irgendwelche versteckte Kosten oder Abos. Ich habe die Liste einfach ursprünglich nur für mich entwickelt aber freue mich über jeden, den ich damit helfen kann. Die Liste wird jeden Monat von mir aktualisiert also schaut regelmäßig vorbei, wenn ihr die neuste Liste benötigt.

Unter der Liste habe ich auch aufgeführt auf was ich bei Dividendenaktien achte (z.B. maximale Ausschüttungsquote oder Dividendenrendite) und was die Vor- und Nachteile solcher Aktien sind. Wenn ihr also absolute Anfänger sein, ist der Artikel für euch sicherlich ein guter Start.

Wann sollte man eine Option rollen?


Es ist sicherlich jedem von euch schon einmal passiert. Ihr habt eine Option entweder gekauft oder verkauft und nach einigen Wochen wisst ihr nicht, ob ihr die Option wieder verkaufen bzw. zurückkaufen solltet. Dabei gibt es aber auch noch eine dritte Option über die aber nur wenig gesprochen wird und das ist es die Option zu rollen. Was das ist und vor allem wann man eine Option rollen sollte, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Das Rollen einer Option ist besonders dann sinnvoll, wenn sich die eigene Marktmeinung über die Kursrichtung des Underlyings nicht geändert hat. Durch das Rollen von ITM Optionen, kann man seine bisherigen Gewinne absichern und von OTM Optionen seine Verluste begrenzen.

Es macht somit immer dann Sinn seine Optionen zu rollen, wenn man zum Zeitpunkt des Rollens weiterhin dieselbe Marktmeinung hat, wie man sie beim ursprünglichen Kauf oder Verkauf der Option hatte. Rollt man seine Optionen in solchen Situationen, kann man seine Gewinne sichern und seine Verluste reduzieren.

Ich werde euch gleich noch im Detail erklären, wieso das so ist und woran ihr erkennen könnt, ob man eine Option rollen sollte, aber ich möchte vorher noch auf zwei Dinge hinweisen.

Dieser Artikel konzentriert sich primär auf das Rollen von Optionen und nicht von Optionsscheinen (denkt daran: Optionsscheine sind keine Optionen) allerdings ist das Prinzip bei Optionsscheinen absolut identisch. Mit Optionsscheinen lassen sich lediglich keine Short Positionen von Optionen rollen, da dies nur mit Optionen funktioniert.

Ich habe das Rollen von Short Positionen deswegen extra in einen eigenen Abschnitt gepackt, damit der Artikel auch für alle Käufer von Optionsscheinen hilfreich ist.

Außerdem auch noch der Hinweis, dass ich in diesem Artikel nur das Rollen von einfachen Optionspositionen (d.h. Naked Put und Naked Call) erklären werde. Das Rollen von komplexeren Handelsstrategien ist jeweils immer einen eignen Artikel wert und würde nur den Rahmen dieses Artikels sprengen. Für die meisten von euch, sollte das aber keine Rolle spielen, da der normale Privatanleger ohnehin fast nur naked Optionen und Optionsscheine kauft.

Wenn ihr darüber hinaus gern allgemein mehr darüber erfahren wollt, wie lange man seine Optionen eigentlich halten sollte, dann könnt ihr das in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wie rollt man eine Option?

Wie immer sollten wir zuerst mit den Grundlagen beginnen. Bevor wir also darüber reden, wann eine Option gerollt werden sollte, möchte ich gern kurz noch einmal erklären, wie man eine Option überhaupt rollt.

Das Rollen einer Option bedeutet, dass ein Händler seine bestehende Call- oder Putposition zu einer anderen Call- oder Putposition desselben Underlyings verändert. Dafür stellt er seine bestehende Position glatt und geht dieselbe Optionsposition allerdings mit einem anderen Strike oder einer anderen Laufzeit ein. 

D.h. wenn ihr Käufer einer Apple Call Option mit Strike 180 USD und Laufzeit von 3 Monaten seid, dann rollt ihr diese Position, indem ihr die Position verkauft und stattdessen eine andere Apple Option kauft.

Aktienbaum Optionshandel Cheat Sheets

Lade dir meine Cheat Sheets für den Optionshandel gratis herunter und werde dadurch ein besserer Trader.

Gratis herunterladen

Ihr rollt die Option dabei nach oben (roll up), wenn ihr die ursprüngliche Option verkauft und stattdessen eine Apple Option mit gleicher Laufzeit und einem höheren Strike kauft (z.B. 190 USD) und ihr rollt die Option nach unten (roll down), wenn ihr die ursprüngliche Option verkauft und stattdessen eine Apple Option mit gleicher Laufzeit und einem niedrigeren Strike kauft (z.B. 170 USD).

Kauft ihr in diesem Beispiel allerdings eine neue Apple Option mit demselben Strike aber einer längeren Laufzeit (z.B. 5 Monate), dann spricht man von einem vorwärts rollen (roll forward).

Warum und wann sollte man Optionen rollen?

Im Wesentlichen gibt es nur drei Gründe, warum man eine Option rollt: Um seine Gewinne einzulocken, um seine Verluste zu reduzieren und um eine Ausübung zu vermeiden. Wichtig ist dabei jedoch, dass man Optionen nur dann rollen sollte, wenn man weiterhin dieselbe Marktmeinung wie zu Beginn des Trades hat.

Sollte sich also eure Marktmeinung nach dem Kauf oder Verkauf der ersten Option geändert haben, solltet ihr eure Option lieber vorzeitig glattstellen und stattdessen einen Trade eingehen, der besser zu eurer neuen Marktmeinung passt. 

Es ist dabei immer besser (also immer dann, wenn sich eure Marktmeinung geändert hat), seine Option vorzeitig zu verkaufen, anstatt sie bis zum Laufzeitende zu halten, da ihr aufgrund des Zeitwerts während der Laufzeit der Option eure Verluste dadurch minimieren könnt.

Sollte euch das nicht auf Anhieb klar sein, empfehle ich euch meine Artikel „Wann ist die Ausübung einer Option sinnvoll“ und „Wann ist der Zeitwert einer Option am höchsten“, indem ich genau erkläre, warum es in der Regel nie Sinn macht seine Optionen oder Optionsscheine bis Laufzeitende zu halten.

1. Um eine Ausübung zu vermeiden

Fangen wir aber mit dem einfachsten Grund an, warum man eine Option rollen sollte und das ist, wenn ihr eine Ausübung vermeiden wollt. 

Dieser Punkt ist schnell erklärt. Immer dann, wenn ihr weiterhin dieselbe Marktmeinung habt (z.B. der Aktienkurs wird steigen) aber der Markt sich noch nicht in die von euch gedachte Richtung bewegt hat, dann kann es passieren, dass eure Option im Geld landet und sie bei Laufzeitende evtl. ausgeübt wird.

Wenn ihr das verhindern wollt, könnt ihr einfach eure Option nach vorn rollen und die aktuelle Option glattstellen und stattdessen eine neue Option mit längerer Laufzeit aber gleichem Strike verkaufen. Ich schreibe hier bewusst verkaufen, da das Ausübungsrisiko nur für Short Positionen besteht. 

Solltet ihr zu Beginn eine Option gekauft haben, besteht für euch nie ein Ausübungsrisiko, da ihr schließlich die Vertragspartei seid, die die Option ausüben darf.

2. Um Gewinne einzulocken

Ein weiterer Grund, um Optionen zu rollen, ist das Einlocken von Gewinnen. Damit meine ich, dass ihr mit eurem ursprünglichen Trade zum Beispiel schon 1.000 € Gewinn gemacht habt und ihr durch das Rollen der Optionen zum Beispiel 800 € des Gesamtgewinns schon vorzeitig vereinnahmt und den Trade dann nach vorn oder nach oben rollt, um weiterhin Gewinn machen zu können.

Schauen wir uns das Ganze aber an einem Beispiel an, damit es klarer für euch wird. Ich habe das Beispiel dabei bewusst etwas extremer gewählt, damit das Prinzip für euch deutlicher wird. Dennoch sind alle angegeben Zahlen und Preise auch genauso am Markt gehandelt worden.

Stellt euch vor ihr hättet im Oktober 2020 eine Call Option auf Snapchat mit Strike 40 USD und Laufzeit bis Januar 2021 gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war der Kurs der Aktie bei rund 28 USD und somit extrem weit unter dem Strike der Option. Entsprechend hat die Option lediglich 50 USD gekostet.

Bis Januar 2021 stieg der Wert der Aktie allerdings dramatisch an auf bis zu 56 USD, sodass der Wert der Option von ursprünglich 50 USD auf 1.300 USD anstieg.

Der Tageschart von Snapchat. Hervorgehoben wann die Option gekauft und gerollt wurde.

Wenn sich zu diesem Zeitpunkt eure Marktmeinung nicht geändert hat und ihr weiterhin von steigenden Kursen bei Snapchat ausgegangen seid, dann hättet ihr durch das Rollen der Option eure Gewinne frühzeitig einlocken können und weiterhin am Kursanstieg von Snapchat partizipiert.

Dafür hättet ihr nur die Option für 1.300 USD verkaufen müssen (vorläufig eingelockter Gewinn ist 1.300 USD – 50 USD = 1.250 USD) und anstatt der Januar 2021 Call Option mit Strike von 40 USD einen neuen Januar 2021 Call mit Strike von 55 USD kaufen müssen.

Dieser kostete zu diesem Zeitpunkt circa 180 USD. Ihr hättet somit insgesamt einen Gewinn von 1.250 USD – 180 USD = 1.070 USD vorzeitig eingelockt und ihr hättet gleichzeitig noch am weiteren Kursanstieg von Snapchat partizipiert.

Alternativ hättet ihr aber auch die Option gleichzeitig auch nach vorn rollen können. Anstatt des Januar 2021 Calls mit Strike von 55 USD hättet ihr auch den Juni 2021 Call mit Strike von 60 USD kaufen können. Dieser kostete zu dem Zeitpunkt circa 680 USD, sodass euer gesamter eingelockter Gewinn 1.250 USD – 680 USD = 570 USD gewesen wäre.

Damit hättet ihr zwar viel von eurem Gewinn abgeben müssen, aber ihr hättet die Laufzeit des Trades auch deutlich verlängert. Bis Juni 2021 ist die Aktie von Snapchat auf über 73 USD gestiegen und selbst bei Laufzeitende lag sie weiterhin bei circa 69 USD und somit deutlich im Geld.

Wie ihr seht, kann man durch das Rollen von Gewinnen also seine Gewinne leicht einlocken und damit auch sein Risiko reduzieren. Das Wichtigste ist dabei aber immer, dass ihr weiterhin dieselbe Marktmeinung habt. Wenn ihr der Meinung wart, dass die Aktie von Snapchat nicht weiter steigen wird, dann macht es auch keinen Sinn die Option nach vorn oder nach oben zu rollen, wenn ihr eigentlich denkt, dass die Aktie fallen sollte.

In so einem Fall solltet ihr die Option einfach glattstellen und euch über euren Gesamtgewinn freuen.

3. Um Verluste zu reduzieren

Wenn ihr das obere Prinzip verstanden habt, dann fällt es euch sicherlich auch leicht zu verstehen, warum man durch das Rollen von Optionen seine Verluste reduzieren kann. Schauen wir uns das Ganze aber ebenfalls an einem Beispiel an.

Stellt euch wieder vor ihr habt im Oktober 2020 einen Call auf Microsoft mit Laufzeitende Januar 2021 und einem Strike von 230 USD gekauft. Zum Kaufzeitpunkt lag die Aktie bei circa 220 USD, weswegen der Call circa 400 USD gekostet hat. 

Gegen Mitte Januar 2021 ist die Aktie zwar auf circa 230 USD gestiegen aber aufgrund des Zeitwertverfalls ist die Option im selben Zeitraum auf circa 270 USD gefallen.

Der Tageschart von Microsoft. Hervorgehoben wann die Option gekauft und gerollt wurde.

D.h. eure ursprüngliche Marktmeinung (die Aktie wird steigen) war richtig, aber ihr habt damit dennoch einen Verlust von 400 USD – 270 USD = 130 USD gemacht.

Wenn ihr weiterhin dieselbe Marktmeinung habt, könnt ihr durch das Rollen der Option eure Verluste reduzieren und evtl. sogar in den Gewinnbereich bewegen.

Ihr hättet zum Beispiel eure Option einen Monat nach vorn rollen können, indem ihr eure aktuelle Option im Januar für 270 USD verkauft (vorläufiger Verlust von 130 USD) und stattdessen eine neue Call Option mit Strike 230 USD und Laufzeit bis Februar 2021 kauft.

Diese hatte zu diesem Zeitpunkt einen Preis von circa 715 USD, sodass ihr insgesamt 715 USD – 270 USD = 445 USD für die Option bezahlt hättet.

Bis Laufzeitende ist die Aktie auf circa 245 USD gestiegen, sodass die Option zu diesem Zeitpunkt einen Wert von circa 500 USD hatte bzw. ihr einen Gewinn mit der gerollten Option von 55 USD gemacht hättet. Das ist aber nicht der absolute Gewinn, weil wir noch den Verlust der ursprünglichen Option mit einberechnen müssen.

Schauen wir uns also einmal an, wie ihr mit und ohne rollen abgeschnitten hättet.

Ohne rollen hättet ihr einen Verlust von 400 USD (ursprünglicher Kaufpreis) gehabt, wenn ihr die Option bis Laufzeitende gehalten hättet.

Mit rollen habt ihr insgesamt Ausgaben für den Kauf der beiden Optionen von 1.115 USD (400 USD + 715 USD) gehabt und ihr hättet Einnahmen durch den Verkauf der Option von 770 USD (270 USD + 500 USD) gehabt. Euer Verlust ist somit 345 USD.

Ihr konntet durch das Rollen somit euren Verlust reduzieren. Wichtig dabei ist nur gewesen, dass sich eure Marktmeinung zum Zeitpunkt des Rollens nicht geändert hat und ihr weiterhin davon überzeugt wart, dass der Aktienkurs von Microsoft steigen wird.

Wenn euch die oberen Beispiele zu allgemein waren, dann habe ich in diesem Artikel auch noch einmal genau erklärt, wie ich eine Long Call Position rolle je nachdem ob sie im Gewinn oder Verlust ist. Lest euch den Artikel unbedingt durch, wenn ihr mehr über das Thema lernen wollt. Gerade beim nach unten rollen gibt es so viel Potential Verluste zu reduzieren, weswegen sich jeder Optionshändler einmal mit dem Thema beschäftigen sollte.

Das Rollen von Short Positionen

In den oberen Beispielen habe ich lediglich über das Rollen von Long Positionen gesprochen, allerdings ist das Prinzip bei Short Positionen identisch. Des einen Gewinn ist des anderen Verlust. D.h. wenn es in den Beispielen darum ging die Gewinne einzulocken oder die Verluste zu reduzieren, dann ist für den Verkäufer einer Option die Situation genau andersherum.

Allgemein kann man also sagen, dass wenn sich die Option bei Beginn des Trades am Geld (ATM) befindet folgende Vorteile beim Rollen ergeben können:

Long /ShortOption bewegt sich ins Geld hinein (ITM)Option bewegt sich aus dem Geld heraus (OTM)
LongGewinne einlockenVerluste reduzieren
ShortVerluste reduzierenGewinne einlocken
Die Tabelle zeigt die Vorteile vom Rollen einer Option je nachdem ob sich eine ursprünglich ATM Option ins Geld (ITM) oder aus dem Geld (OTM) bewegt.

Solltet ihr mit den Begriffen Im Geld (ITM), Am Geld (ATM) und Aus dem Geld (OTM) nichts anfangen können, dann empfehle ich euch meinen Beginners Guide für Optionen. Dort erkläre ich euch diese Begriffe ganz genau und auch alle anderen Grundlagen, die ihr für den Optionshandel benötigt.

Die 5 wichtigsten Trendindikatoren für Aktien


Trendindikatoren sind hervorragend für kurzfristige bis mittelfristige Investments geeignet und helfen dabei, dass eigene Risiko zu minimieren, da man aus seinen Aktien aussteigen kann, bevor ein langer Abwärtstrend einsetzt. Aber was sind eigentlich Trendindikatoren und welche Indikatoren werden am häufigsten von professionellen Händlern genutzt, sodass ihr sie euch auch einmal genauer anschauen solltet? Ich verrate es euch heute alles.

Trendindikatoren werden genutzt, um Trendbewegungen bei Aktien frühzeitig zu erkennen und somit geeignete Kauf- und Verkaufszeitpunkte zu finden. Zu den wichtigsten Trendindikatoren gehören dabei der Relative-Stärke-Index, der MACD, die Bollinger Bänder, der ADX und der gleitende Durchschnitt.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Trendindikatoren aber die fünf hier genannten, sind die am häufigsten genutzten Indikatoren für Trends bei professionellen Investoren. 

Im Folgenden werde ich euch jeden Indikator genauer vorstellen allerdings habe ich zu jedem Indikator auch noch einmal einen Artikel mit einer detaillierteren Analyse geschrieben, die ich euch jeweils immer verlinken werde. Wenn ihr also mehr über einen Indikator erfahren wollt, dann lest euch einfach den Detail-Artikel dazu durch.

1. Der Relative-Stärke-Index

Der Relative-Stärke-Index bzw. RSI wurde 1978 vom US-Amerikaner Welles Wilder entwickelte und gilt seitdem als einer der häufigsten genutzten technischen Indikatoren überhaupt.

Der Trendindikator prüft dabei, wie hoch die durchschnittliche Gewinnrendite einer Aktie in einem gegebenen Zeitraum war und setzt das ins Verhältnis mit der durchschnittlichen Verlustrendite in derselben Periode. 

Die Standardperiodenlänge beim RSI ist 14 Tage. Einige Händler nutzen auch nur sieben Tage oder zwölf Tage, aber meiner Meinung nach spielt das nicht wirklich eine Rolle. Umso kürzer die Periodendauer ist, desto mehr Kauf- und Verkaufssignale werden generiert aber umso höher ist auch die Fehlerrate der Signale.

Der RSI kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen, wobei ein Wert von 50 bedeutet, dass die Aktie momentan keinen eindeutigen Trend aufweist und ist der RSI größer als 70 geht man davon aus, dass der Aktienkurs zu schnell zu stark gestiegen ist und demnächst bald wieder fallen sollte. 

Andererseits geht man bei einem RSI von kleiner 30 davon aus, dass der Aktienkurs zu schnell zu stark gefallen ist. Entsprechend ist dies häufig ein Zeichen, dass der Kurs bald wieder steigen bzw. sich normalisieren sollte.

Wie gut oder schlecht der RSI Trends oder Trendwenden anzeigt bzw. vorhersagt, können wir uns im folgenden Chart anschauen. Ihr seht hier den Kursverlauf von Altria, dem Zigarettenhersteller. 

Ich habe euch mit den roten Kreisen die Kauf- und Verkaufssignale markiert. D.h. immer dann war der RSI größer 70 oder kleiner 30. In diesen Fällen war der RSI extrem hilfreich und hat eine Trendwende vorhergesagt.

Oben der Kurschart von Altria und unten der RSI. Ich habe einige Kauf- und Verkaufssignale hervorgehoben.

Der RSI ist sehr hilfreich bei der Identifizierung von Trends allerdings ist er auch nicht perfekt und muss für jeden Markt noch einmal im Detail angepasst werden. Wie das funktioniert, welche Signale ihr noch am RSI ablesen könnt sowie weitere Details zu dem Trendindikator könnt ihr alles in meiner Detailanalyse zum Relative-Stärke-Index durchlesen.

2. Der Moving Average Convergence Divergence Indikator

Der Moving Average Convergence Divergence Indikator bzw. MACD ist ein Trendindikator der die Differenz zwischen zwei gleitenden Durchschnitten eines Aktienpreises misst. 

In der Regel werden dabei die Abstände zwischen einem exponentiell gleitenden Durchschnitt (kurz: EMA) mit einer Periodenlänge von 26 Zeiteinheiten und mit 12 Zeiteinheiten gemessen und der MACD berechnet sich dann als die Differenz des 12-Perioden-EMA und dem 26-Perioden-EMA.

Hinzu kommt eine sogenannte Signallinie, die ein exponentiell gleitender Durchschnitt auf den MACD Indikator mit einer Periodenlänge von 9 Zeiteinheiten ist.

Der Chart zeigt oben den Kursverlauf von McDonald‘s und darunter den MACD Indikator (blau) mit der dazugehörigen Signallinie (orange). Im Kurschart selbst habe ich auch noch einmal die exponentiell gleitenden Durchschnitte mit 12 Tagen Periodenlänge (gelb) und 26 Tage Periodenlänge (weiß) eingefügt, damit man genau nachvollziehen kann, wie sich der MACD ermittelt.

Anhand des MACD und der Signallinie lassen sich verschiedene Trendsignale ablesen. Das üblichste Signal ist dabei, wenn der MACD die Signallinie kreuzt. 

Durchkreuzt der MACD die Signallinie von unten nach oben, wird dies als Signal für einen beginnenden Aufwärtstrend angesehen bzw. als Kaufsignal. Ein Durchkreuzen des MACD der Signallinie von oben nach unten, wird wiederum als angehender Abwärtstrend angesehen bzw. als Verkaufssignal. 

Man spricht in so einem Fall auch von Bullishen oder Bearishen Crossovern.

Darüber hinaus gibt der MACD auch noch weitere Trendsignale aus. Zum Beispiel beim Durchkreuzen der sogenannten Nulllinie oder bei der Entstehung von Divergenzen.

Was sich dahinter verbirgt und wir ihr diese Signale zu deuten habt, könnt ihr alles in meiner Detailanalyse zum Moving Average Convergence Divergence Indikator durchlesen. 

3. Der gleitende Durchschnitt

Der gleitende Durchschnitt bzw. Moving Average ist der vielleicht einfachste Trendindikator und erfreut sich sicherlich auch deshalb größter Beliebtheit.

Einfach erklärt, sagt der gleitende Durchschnitt aus, wie sich der Kurs einer Aktie im Durchschnitt bewegt und anhand der Richtung dieser Bewegung kann man dann Schlussfolgerungen über die Trendrichtung des Aktienkurses schließen.

Es gibt zahlreiche verschiedene Formen des gleitenden Durchschnitts allerdings haben sich in der Praxis drei Formen besonders etabliert. Der einfache gleitende Durchschnitt, der exponentiell gleitende Durchschnitt und der gewichtete gleitende Durchschnitt.

Der einfache gleitende Durchschnitt bzw. Simple Moving Average (SMA) ist ein ungewichteter gleitender Durchschnitt. D.h. bei der Berechnung des Durchschnittspreises für eine bestimmte Periode werden alle Preise der Periode gleich gewichtet.

Beim gewichteten gleitenden Durchschnitt bzw. Weighted Moving Average (WMA) findet die Berechnung ähnlich wie beim einfachen gleitenden Durchschnitt statt, allerdings haben neuere Aktienkurse eine höhere Gewichtung als ältere Aktienkurse. 

Der exponentiell gleitende Durchschnitt bzw. Exponential Moving Average (EMA) unterscheidet sich nicht großartig vom gewichteten gleitenden Durchschnitt, allerdings nimmt die Gewichtung ältere Kurse bei dieser Methode exponentiell ab. D.h. im Vergleich zum WMA werden beim EMA neuere Kurse extrem stark übergewichtet und ältere Kurse extrem untergewichtet.

Als Periodenlänge haben sich in der Praxis vor allem die gleitenden Durchschnitte mit 10-Tage, 20-Tage, 50-Tage und 200-Tage Periodenlänge heuausgeprägt.

Ähnlich wie beim MACD gibt auch der gleitende Durchschnitt unterschiedliche Handelssignale allerdings wird der Indikator am häufigsten verwendet, um den Beginn und das Ende eines Trends zu erkennen. Es gilt dabei die einfache Regel:

  • Befindet sich der gleitende Durchschnitt im Aufschwung, ist das eine Bestätigung für einen Aufwärtstrend
  • Befindet sich der gleitende Durchschnitt im Abschwung, ist das eine Bestätigung für einen Abwärtstrend
Der Tageschart von 3M. Man kann anhand des gleitenden Durchschnitts (50-Tage, türkis) deutlich den Auf- und Abwärtstrend der Aktie erkennen.

Andere Signale können aber auch bestimmte Widerstände und Unterstützungsbereiche sein, Kursüberschneidungen oder wenn sich zwei gleitende Durchschnitte mit unterschiedlicher Periodenlänge schneiden. Was sich genau dahinter verbirgt und wie ihr die Signale zu deuten habt, könnt ihr alles in meiner Detailanalyse zum gleitenden Durchschnitt durchlesen. 

Übrigens, komplexere Trendindikatoren wie der MACD oder die Bollinger Bänder nutzen auch den gleitenden Durchschnitt für ihre Berechnungen, sodass es absolut empfehlenswert ist, sich mit diesem Indikator ein wenig genauer zu beschäftigen, um auch die anderen Indikatoren besser verstehen zu können.

4. Die Bollinger Bänder

Die Bollinger Bänder sind der einzige Trendindikator in dieser Liste, der auf einer statistischen Auswertung der Aktienkursbewegung beruht.

Der Indikator setzt sich dabei aus einem einfachen gleitenden Durchschnitt mit einer Periodenlänge von 20 Tagen zusammen und dazu wird dann jeweils immer die zweifache Standardabweichung des Aktienkurses der letzten 20 Tage hinzugerechnet (oberes Band) bzw. abgezogen (unteres Band).

Weil die Berechnung dieses Indikators wirklich wesentlich komplexer ist als die der anderen Trendindikatoren, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel mit der Detailanalyse zu den Bollinger Bändern durchzulesen, um das Thema besser zu verstehen. Ich habe mir in dem Artikel wirklich größte Mühe gegeben, das Thema so einfach wie möglich zu erklären.

Auch wenn das mathematisch betrachtet nicht wirklich korrekt ist, versteht man die Bollinger Bänder dennoch so, dass 95% aller möglichen Kursbewegungen einer Aktie zwischen dem oberen und unteren Band stattfinden müssen.

Eine Überschreitung der Bänder ist somit ein extrem seltenes Ereignis, dass auf ein Überkaufen oder Überverkaufen der Aktie hindeutet. Die Strategie ist somit, dass ein Durchbrechen der Bänder ein statistisch betrachtet so seltenes Ereignis darstellt, dass man davon ausgehen kann, dass die zugrundeliegende Aktie in so einem Fall entweder momentan zu teuer oder zu günstig ist.

Ein Ausbruch des Kurses nach oben bedeutet somit, dass der aktuelle Aktienkurs zu hoch ist und man somit mit einer Gegenbewegung nach unten rechnen kann.

Ein Durchbrechen der Bollinger Bäder durch den Kurs nach unten bedeutet wiederum, dass der aktuelle Aktienkurs zu niedrig ist und man somit mit einer Gegenbewegung nach oben rechnen kann.

Darüber hinaus kann man an den Bollinger Bändern aber auch noch mehr ablesen. Eine Ausdehnung bzw. Verengung der Bänder gibt zum Beispiel Aufschluss darüber, wie sich die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie verändert hat und eine Bewegung des Aktienkurses entlang eines der Bänder ist ein Indiz für einen starken Trend.

Mehr zu diesen Handelssignalen könnt ihr aber in meiner Detailanalyse zu den Bollinger Bändern durchzulesen.

5. Der Average Directional Index

Der Average Directional Index bzw. ADX ist der einzige Trendindikator in dieser Liste, der lediglich zur Bestimmung eines Trends geeignet ist und nur sehr eingeschränkt Kauf- oder Verkaufssignale ausgibt.

Zur Berechnung des ADX werden die Tageshöchst- und Tagestiefstkurse für einen Zeitraum von 14 Tagen miteinander verglichen. Die Auf- und Abwärtsbewegungen werden daraufhin miteinander ins Verhältnis gesetzt und der gleitende Mittelwert dieses Verhältnisses stellt den ADX Indikator dar.

Das ist allerdings nur eine sehr simple Erklärung zur Berechnung des Indikators. Wer es von euch also genau wissen möchte, der kann sich die exakte Berechnung in meinem Artikel über den ADX im Detail durchlesen.

Wichtig ist aber zu wissen, dass der ADX Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann, allerdings sind insbesondere Werte über 50 extrem selten aufgrund der Berechnungsweise des Indikators. Bereits bei Werten über 25 spricht man schon von einem starken Trend.

Ob es sich dabei um einen Aufwärts- oder Abwärtstrend handelt, erkennt man anhand der beiden Zusatzindikatoren DI+ und DI-, die ihr direkt am Indikator mit ablesen könnt. Deren Herleitung ist ebenfalls etwas komplizierter, sodass ich auch hier auf meinen Artikel zum ADX im Detail verweisen würde.

Oben der Kurschart von und unten der dazugehörige ADX.

Um zu erkennen, ob sich eine Aktie gerade in einem Trend befindet, benötigt ihr also die ADX Linie sowie die DI+ und DI- Linie. Dabei gilt immer, dass sollte bei einem ADX von 25 und mehr +DI über -DI liegen, dann ist es ein Aufwärtstrend und sollte -DI über +DI liegen, dann ist es ein Abwärtstrend.

Sollte der ADX unter 20 liegen, liegt nur ein sehr schwacher Trend vor und Werte zwischen 20 und 25 deuten auf ein sehr uneindeutiges Trendmuster hin. Diese Grenzen können aber je nach Finanzinstrument ein wenig variieren.

Für euren täglichen Handel könnt ihr euch aber merken, dass umso höher der ADX ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Trend fortsetzen sollte. In so einem Fall könntet ihr zum Beispiel eure Stop Loss Limits etwas später nachziehen. 

Sollte der ADX aber wieder abnehmen, und damit auch die Trendstärke, ist es empfehlenswert seine Stop Loss Limits wieder näher an den aktuellen Kurs zu bringen, um seine Gewinne im schlimmsten Fall gesichert zu bekommen.

Auch wenn der Average Directional Index ursprünglich als reiner Trendindikator konzipiert war, nutzen einige Händler den Index dennoch, um Kauf- oder Verkaufssignale zu erkennen. Wie ihr das machen könnt, erkläre ich euch in meiner Detailanalyse zum Average Directional Index.

Welcher Indikator ist der beste Trendindikator?

Nachdem ich euch nun die fünf wichtigsten Trendindikatoren vorgestellt habe, fragt ihr euch vielleicht welcher Indikator nun der beste Trendindikator sei und natürlich kann man die Frage nicht so leicht beantworten. 

Zum einen eignen sich manche Indikatoren besser für Aktien, andere besser für Rohstoffe und andere besser für Cryptos. Darüber hinaus gibt es auch nicht die eine perfekte Einstellung des Indikators. Bei besonders volatilen Anlagen sollte man eher kürzere Periodenlängen wählen und bei eher ruhigeren Kursbewegungen eher längere Periodenlängen.

Um dennoch einen Vergleich zu ermöglichen, habe ich die 100 größten Aktien des MSCI World Index gemessen an deren Marktkapitalisierung genommen und über einen Zeitraum von einem Jahr geprüft, wie gut die Trenderkennung der verschiedenen Indikatoren war und wie hoch deren Fehleranfälligkeit war.

Dabei kam ich zu folgendem Ergebnis. 

TrendindikatorKomplexitätTrenderkennungFehleranfälligkeit
Relative-Stärke-Index (RSI)MittelSehr gutMittel
Moving Average Convergence Divergence Indikator (MACD)MittelGutGering
Gleitender DurchschnittGeringGutGering
Bollinger BänderHochGutMittel
Average Directional Index (ADX)HochSehr gutMittel
Die Tabelle zeigt die Komplexität, Genauigkeit bei der Trenderkennung und Fehleranfälligkeit der beliebtesten Trendindikatoren.

Wie ihr sehen könnt, gibt es einen Trade-Off zwischen der Genauigkeit bei der Trenderkennung und der Fehleranfälligkeit der Indikatoren. Umso häufiger Trends richtig erkannt werden, desto größer war die Fehleranfälligkeit. Die Komplexität des Indikators hatte aber nicht wirklich einen Einfluss darauf, wie gut und korrekt der Indikator Trends vorhersagen kann.

Meine Empfehlung ist deshalb nicht auf den einen Trendindikator zu vertrauen, sondern stattdessen immer mehrere Indikatoren gleichzeitig zu nutzen. Habt ihr also einen Trend mithilfe des RSI bestimmt, dann prüft eure Analyse einfach mithilfe der anderen Indikatoren schnell nach. 

Somit könnt ihr Trends häufig schon früh erkennen aber springt erst dann auf den fahrenden Zug auf, wenn ihr von überall eine Bestätigung bekommen habt.

Übrigens könnt ihr nicht nur durch Trendindikatoren eure Gesamtrendite positiv beeinflussen sondern auch der Monat, in dem ihr investiert, hat einen entscheidenden Einfluss auf eure Rendite. Welcher Monat der beste und welcher der schlechteste zum (ver)kaufen ist, könnt ihr in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wo kann ich mir die einzelnen Indikatoren für jede Aktie anzeigen lassen?

Wenn ihr zukünftig die verschiedenen Trendindikatoren für eure eigenen Analysen nutzen wollt, benötigt ihr ein professionelles Chartprogramm. Ich nutze dafür TradingView und kann es euch auch nur empfehlen. Das Programm kostet zwar 15 EUR im Monat, aber es ist sein Geld wirklich wert. Solltet ihr euch auch für das Programm entscheiden, dann könnt ihr das gern über diesen Link machen. Dann bekommst du und ich zwei Monate geschenkt. Zusammen mit der 30 Tage Probezeit sind das schon 3 Monate gratis für euch.

Zwei Klicks reichen schon aus, um den gleitenden Durchschnitt oder andere Indikatoren bei TradingView hinzuzufügen.

Alle Indikatoren lassen sich in TradingView über den „Indikator & Strategie“ Button hinzufügen. Wenn sich das neue Fenster öffnet, such ihr dann nach dem Namen des Indikators und schon taucht er in der Liste für euch auf. Einmal draufklicken und schon seht ihr den Trendindikator in oder unter eurem regulären Kurschart. 

Der gleitende Durchschnitt – Alles was du darüber wissen musst


Gleitende Durchschnitte sind für viele Anfänger im Börsenhandel der Einstieg in die technische Analyse. Das ist so weit auch verständlich, weil sie so einfach zu verstehen sind und in den meisten Chartansichten direkt mitgeliefert werden. Auch Profis nutzen gleitende Durchschnitte, allerdings achten diese auf viel mehr als nur die Richtung oder das Kreuzen zweier Durchschnitte. Ich will euch deswegen heute erklären, wie ihr noch mehr aus diesem Indikator herausholen könnt.

Der gleitende Durchschnitt bzw. Moving Average ist ein Chartindikator, um Trendbewegungen bei Aktien zu identifizieren. Er wird berechnet, indem man den Durchschnitt der vergangenen Aktienkurse für eine bestimmte Zeitperiode jeden Tag berechnet. Die einfachste Form ist dabei der einfache gleitende Durchschnitt bzw. Simple Moving Average (SMA).

Der gleitende Durchschnitt sagt somit aus, wie sich der Kurs einer Aktie im Durchschnitt bewegt. Anhand der Richtung dieser Bewegung kann man dann Schlussfolgerungen über die Trendrichtung des Aktienkurses schließen.

Man kann den gleitenden Durchschnitt aber auch als eine Art Unterdrückung des Rauschens von Aktienbewegungen ansehen. Also wie würde sich der Kurs einer Aktie tendenziell bewegen, wenn man die täglichen Schwankungen versucht auszublenden.

Das ist übrigens meine Detailanalyse zu dem gleitenden Durchschnitt. Wenn ihr gern mehr über andere Trendindikatoren erfahren wollt und wie gut diese im Vergleich zueinander sind, dann solltet ihr euch meinen Artikel über die 5 wichtigsten Trendindikatoren durchlesen.

Die verschiedenen Arten des Gleitenden Durchschnitts und ihre Berechnung

Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist der gleitende Durchschnitt bzw. Moving Average (MA) sowohl bei Anfängern als auch bei Profis beliebt, sodass es sich lohnt sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen. 

Hinzu kommt, dass viele komplexere Indikatoren wie zum Beispiel der MACD oder die Bollinger Bänder ebenfalls in ihrer Berechnung einen gleitenden Durchschnitt nutzen, sodass es sich auch dafür lohnt die verschiedenen Arten und Berechnungen eines gleitenden Durchschnitts zu kennen. 

Ich habe übrigens auch ausführliche Artikel zu dem MACD Indikator und den Bollinger Bändern geschrieben. Wenn euch dieser Artikel gefällt und ihr auch mehr zu den anderen Trendindikatoren erfahren wollt, klickt einfach auf die Links.

Schauen wir uns jetzt aber das Thema einmal genauer an.

Es gibt zahlreiche verschiedene Formen des gleitenden Durchschnitts allerdings haben sich in der Praxis drei Formen besonders etabliert. Der einfache gleitende Durchschnitt, der exponentiell gleitende Durchschnitt und der gewichtete gleitende Durchschnitt.

Einfacher gleitender Durchschnitt

Der einfache gleitende Durchschnitt bzw. Simple Moving Average (SMA) ist ein ungewichteter gleitender Durchschnitt. D.h. bei der Berechnung des Durchschnittspreises für eine bestimmte Periode werden alle Preise der Periode gleich gewichtet.

Die Berechnung des Simple Moving Averages ist entsprechend simpel. Der gleitende Durchschnitt für eine Periode von 20 Tagen ist die Summe der Schlusskurse der letzten 20 Tage geteilt durch die Anzahl der Perioden (in diesem Fall 20). Wenn ein neuer Tag endet, wird der älteste Datenpunkt aus der Berechnung entfern und der neuste Datenpunkt hinzugefügt.

Die Formel zur Berechnung des einfachen gleitenden Durchschnitts.

Gewichteter gleitender Durchschnitt 

Der gewichtete gleitende Durchschnitt bzw. Weighted Moving Average (WMA) wird ähnlich wie der einfache gleitende Durchschnitt berechnet, allerdings haben neuere Aktienkurse eine höhere Gewichtung als ältere Aktienkurse. 

Dafür erhält jeder Aktienkurs eine Gewichtung wobei neuere Kurse eine größere Gewichtung erhalten als ältere Kurse. Ebenfalls wie beim SMA wird, wenn ein neuer Tag endet, der älteste Datenpunkt aus der Berechnung entfern und der neuste Datenpunkt hinzugefügt. 

Die Gewichtungen werden entsprechend auch mit jedem neuen Tag angepasst, sodass mit dem Älterwerden eines Aktienkurses auch dessen Gewichtung sinkt.

Die Formel zur Berechnung des gewichteten gleitenden Durchschnitts.

Exponentiell gleitender Durchschnitt

Der exponentiell gleitende Durchschnitt bzw. Exponential Moving Average (EMA) wird ähnlich wie der gewichtete gleitende Durchschnitt berechnet, allerdings nimmt die Gewichtung ältere Kurse exponentiell ab. D.h. im Vergleich zum WMA werden beim EMA neuere Kurse extrem stark übergewichtet und ältere Kurse extrem untergewichtet.

Die Berechnung des EMA unterscheidet sich somit nicht von der des WMA außer, dass die Gewichtungen sich exponentiell zueinander verhalten.

Die Formel zur Berechnung des exponentiell gleitenden Durchschnitts.

Die richtige Periodenlänge

Bei der richtigen Periodenlänge für den gleitenden Durchschnitt scheiden sich die Geister. Die einen bevorzugen eher kürzer laufende Perioden und die anderen eher länger laufende Perioden. Schlussendlich kommt es aber auf euren persönlichen Investmentstil an.

In der Praxis haben sich allerdings verschiedene Zeitperioden herausgeprägt. Am häufigsten findet der 10-Tage, 20-Tage, 50-Tage und 200-Tage gleitende Durchschnitt Verwendung.

Es wird in der Praxis aber selten vom „200-Tage gleitendem Durchschnitt“ gesprochen, sondern stattdessen einfach nur von der 200-Tage-Linie.

Die 200-Tage-Linie ist der einfache gleitende Durchschnitt einer Aktie mit einer Periodenlänge von 200 Tagen. Der Indikator wird häufig verwendet, um insbesondere die langfristigen Trends von Aktien oder Indizes zu identifizieren.

Die 200-Tage Linie ist sehr wichtig, da sie von vielen Marktteilnehmer als wichtige psychologische Marke angesehen wird. Steigt der Kurs eines Index über die 200-Tage-Linie geht man von einem Aufwärtstrend aus und fällt der Kurs darunter von einem Abwärtstrend.

Es gibt mittlerweile auch schon spezielle Charts, die genau anzeigen, wie viele Unternehmen in einem Index über oder unter der 200-Tage-Linie liegen, um den Trend des Gesamtmarktes besser zu analysieren. 

Bei TradingView findet ihr diesen Indikator mit dem Kürzel „S5FI“ für die 50-Tage-Linie und „S5TH“ für die 200-Tage-Linie. Für mich absolut hilfreich, um zu erkennen, wie viele Unternehmen eigentlich einen Markttrend vorantreiben.

Der S5TH Index bei TradingView gibt an wie viele Unternehmen im S&P 500 Index momentan über ihrer 200-Tage-Linie liegen.

Man sollte aber immer im Hinterkopf behalten, dass umso länger die Periodenlänge ist, desto verzögerter reagiert der Indikator. Das führt auch dazu, dass kürzer laufende gleitende Durchschnitte näher am aktuellen Kurs verlaufen als langlaufend gleitende Durchschnitte.

Ein ähnlicher Zusammenhang besteht auch bei dem EMA und WMA im Vergleich zum SMA. Die höhere Gewichtung aktueller Kurse beim EMA und WMA führt ebenfalls dazu, dass der Indikator viel näher am aktuellen Kurs verläuft als der einfache gleitende Durchschnitt.

Ganz egal welchen Moving Average man aber verwendet, die sich daraus ergebenen Handelssignale sind für alle drei Varianten dieselben. 

Handelssignale

Nachdem nun geklärt wurde, wie sich der gleitende Durchschnitt berechnen lässt, sollte auch schnell klar werden, wie sich der Indikator im Chart verhält. Er läuft leicht verzögert mit dem Aktienkurs mit aber unterliegt weniger Schwankungen, da diese durch die Durchschnittsberechnung herausgefiltert werden.

Ein Tageschart der Google Aktie. In Türkis hervorgehoben, ist der 50-Tage gleitende Durchschnitt.

Im Wesentlichen gibt der Indikator vier wichtige Informationen bzw. Handelssignale: Er zeigt den Trend des Aktienkurses an, er zeigt mögliche Unterstützungen und Widerstände an, es kann zu Überschneidungen zweier gleitender Durchschnitte kommen und es kann zu Überschneidungen mit dem Kursverlauf kommen.

Schauen wir uns alle Varianten einmal im Detail an.

Trendanzeige

Das Erkennen des Anfangs oder des Endes eines Trends ist der vielleicht häufigste Verwendungszweck des gleitenden Durchschnitts. 

Das Erkennen eines Trends mithilfe von gleitenden Durchschnitten ist relativ einfach:

  • Befindet sich der gleitende Durchschnitt im Aufschwung, ist das eine Bestätigung für einen Aufwärtstrend
  • Befindet sich der gleitende Durchschnitt im Abschwung, ist das eine Bestätigung für einen Abwärtstrend

Es ist dabei aber wichtig noch einmal darauf hinzuweisen, dass gleitende Durchschnitte nur mit vergangenen Kursinformationen arbeiten und nicht sofort auf Trendänderungen reagieren. Entsprechend zeigt der Indikator den Trend immer erst ein wenig verzögert an. Die Verzögerung wird dabei umso größer je länger die verwendete Periodenlänge ist. 

Allerdings haben längere Periodenlängen auch den Vorteil, dass sie nicht zu schnell auf mögliche falsche Trendausbrüche reagieren.

Der Tageschart von 3M. Man kann anhand des gleitenden Durchschnitts (50-Tage, türkis) deutlich den Auf- und Abwärtstrend der Aktie erkennen.

Unterstützungen und Widerstände

Gleitende Durchschnitte bilden in vielen Fällen Unterstützungs- oder Widerstandszonen von Kursbewegungen. D.h. der Aktienkurs prallt häufig ab, wenn er nahe an die Linie des gleitenden Durchschnitts gelangt, was dann ein Zeichen für eine kurzfristige Trendumkehr bedeutet.

Der Tageschart von Caterpillar mit dem 50-Tage gleitenden Durchschnitt (türkis). Man erkennt dabei deutlich, wie der Aktienkurs bei Abwärtsbewegungen an der 50-Tage-Linie immer wieder abprallt.

Man muss allerdings sagen, dass es für diese Unterstützungs- oder Widerstandsfunktion des Indikators keine wirkliche Begründung gibt. Die Tatsache, dass es aber zu solchen Abprallern in der Nähe des gleitenden Durchschnitts kommt, liegt einzig und allein daran, dass einfach viele Marktteilnehmer den SMA als Unterstützungs- oder Widerstandszonen ansehen und deswegen vermehrt kaufen oder verkaufen, wenn die SMA Linie berührt wird.

Es handelt sich hierbei also um eine selbsterfüllende Prophezeiung. Weil so viele Marktteilnehmer den gleitenden Durchschnitt als Unterstützungs- oder Widerstandszonen ansehen, passen sie ihre Orders daran an, weswegen der gleitende Durchschnitt zu einer Unterstützungs- oder Widerstandszonen wird.

In der Praxis zeigt sich diese Eigenschaft aber vor allem bei länger laufenden gleitenden Durchschnitten. Insbesondere der 50-Tage SMA und 200-Tage SMA werden als wichtige psychologische Marken angesehen, weswegen man hier immer einen genauen Blick drauf werfen sollte.

Überschneidungen zweier gleitender Durchschnitte

Für dieses Handelssignale benötigt man zwei gleitende Durchschnitte mit unterschiedlichen Periodenlängen. Die Idee ist dabei, dass ein Kreuzen der beiden Linien bedeutet, dass es kurzfristig zu einer Änderung des langfristigen Trends gekommen ist.

Häufig wird dabei der 50-Tage SMA und der 200-Tage SMA verwendet. 

Man unterscheidet dabei in das Bullishe Crossover und das Bearishe Crossover.

Ein Bullishes Crossover liegt vor, wenn der kürzer laufende gleitende Durchschnitt den länger laufenden Durchschnitt nach oben durchkreuzt. Man geht in diesem Fall von einem begonnenen Aufwärtstrend aus.

Ein Bearishes Crossover liegt vor, wenn der kürzer laufende gleitende Durchschnitt den länger laufenden Durchschnitt nach unten durchkreuzt. Man geht in diesem Fall von einem begonnenen Abwärtstrend aus.

Der Tageschart von Disney mit der 50-Tage-Linie (türkis) und der 200-Tage-Linie (gelb). Das Unterschreiten der 50-Tage-Linie unter die 200-Tage-Linie war ein starkes Signal für einen angehenden Abwärtstrend.

Auch hier muss man allerdings wieder sagen, dass der gleitende Durchschnitt (besonders mit einer so langen Periodenlänge) nur sehr langsam reagiert und man entsprechend erst sehr spät einen neuen Trend daran erkennt. Allerdings kommt es durch die langen Periodenlängen auch weniger zu Fehlsignalen.

Kursüberschneidungen

Die Kursüberschneidung bzw. auch Price Crossover genannt, funktioniert ähnlich wie die Überschneidung zweier gleitender Durchschnitte allerdings nimmt man hier noch den Kursverlauf der Aktie mit hinzu.

Man unterscheidet dabei ebenfalls in das Bullishe Price Crossover und das Bearishe Price Crossover.

Ein Bullishes Price Crossover liegt vor, wenn der Aktienkurs über dem länger laufenden gleitenden Durchschnitt liegt (d.h. langfristiger Aufwärtstrend) und den kürzer laufenden gleitenden Durchschnitt nach oben durchbricht (d.h. kurzfristiger Aufwärtstrend).

Ein Bearishes Price Crossover liegt vor, wenn der Aktienkurs unter dem länger laufenden gleitenden Durchschnitt liegt (d.h. langfristiger Abwärtstrend) und den kürzer laufenden gleitenden Durchschnitt nach unten durchbricht (d.h. kurzfristiger Abwärtstrend).

Der Tageschart von Alibaba mit der 50-Tage-Linie (türkis) und der 200-Tage-Linie (gelb). Das Unterschreiten des Kurses unter die 50-Tage-Linie und der 200-Tage-Linie war ein starkes Signal für einen angehenden Abwärtstrend.

Übrigens könnt ihr nicht nur durch Trendindikatoren eure Gesamtrendite positiv beeinflussen sondern auch der Monat, in dem ihr investiert, hat einen entscheidenden Einfluss auf eure Rendite. Welcher Monat der beste und welcher der schlechteste zum (ver)kaufen ist, könnt ihr in diesem Artikel von mir nachlesen.

Wo kann man die gleitenden Durchschnitte für einzelne Aktien ansehen?

Wenn ihr zukünftig gleitende Durchschnitte für eure eigenen Analysen nutzen wollt, benötigt ihr ein professionelles Chartprogramm dafür. Ich nutze dafür TradingView und kann es euch auch nur empfehlen. Das Programm kostet zwar 15 EUR im Monat, aber es ist sein Geld wirklich wert. Solltet ihr euch auch für das Programm entscheiden, dann könnt ihr das gern über diesen Link machen. Dann bekommst du und ich zwei Monate geschenkt. Zusammen mit der 30 Tage Probezeit sind das schon 3 Monate gratis für dich.

Der gleitende Durchschnitt lässt sich in TradingView über den „Indikator & Strategie“ Button hinzufügen. Wenn sich das neue Fenster öffnet, such ihr dann nach „Gleitende“ und der Indikator taucht dann in den drei besprochenen Varianten auf. Einmal draufklicken und schon seht ihr den SMA, WMA oder EMA in eurem regulären Kurschart. 

6 Gründe, warum man in den MSCI World investieren sollte


Der MSCI World Index ist einer der beliebtesten Indizes unter Privatinvestoren, die ihr Geld passiv mithilfe von ETFs anlegen. Auch ich empfehle den Index immer wieder Neulingen, die nicht wissen, wo und wie sie ihr Geld anlegen sollen. Solltest du dir noch nicht sicher sein, ob der Index für dich etwas ist, dann habe ich hier sechs Gründe, warum du in den MSCI World Index investieren solltest.

Der MSCI World Index ist sehr gut zur Geldanlage über passiv gemanagte ETFs geeignet. Er deckt die 23 größten Industriestaaten der Welt ab, beinhaltet circa 1.600 verschiedene Unternehmen und bildet circa 85% der Marktkapitalisierung dieser Länder ab. Aufgrund der hohen Fondsvolumen für diesen Index sind auch die laufenden Kosten sehr niedrig.

Die breite Streuung in zahlreiche Unternehmen und Länder sind die Hauptgründe, die für ein Investment in den MSCI World sprechen. Statt selbst nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen, kauft man sich mit dem MSCI World Index einfach den gesamten Heuhaufen und partizipiert dadurch ganz einfach an der breiten Marktentwicklung.

Schauen wir uns die Vorteile des Index aber einmal im Detail an.

1. Die Aktienmärkte der 23 größten Industriestaaten in einem Index

Der MSCI World Index deckt die Aktienmärkte der 23 größten Industriestaaten weltweit ab. Dazu zählen Kanada, die USA, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Israel, Italien, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien, Australien, Hong Kong, Japan, Neuseeland und Singapur. 

Somit deckt der MSCI World Index circa 50% der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung ab bzw. 85% der Marktkapitalisierung der im Index enthaltenen Länder. Falls du dich für diese Zahlen interessierst, habe ich eine ausführliche Analyse dazu in meinem Artikel „Wie viele Aktien gibt es weltweit?“ mit weiteren Details.

Der Index ermöglicht Investoren somit ganz einfach an der weltweiten Aktienmarktperformance zu partizipieren, ohne selbst eine Auswahl über die jeweiligen Länder treffen zu müssen.

Allerdings muss man an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass die USA allein 69% der gesamten Performance des Index ausmachen und der Fokus des MSCI World Index somit sehr stark auf amerikanischen Unternehmen liegt. 

Relativ betrachtet, ist das aber nicht wirklich ein Nachteil. Die USA tragen schließlich allein 36% zur globalen Marktkapitalisierung bei und wenn man bedenkt, dass der MSCI World lediglich circa 50% der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung abbildet, dann ist die hohe Gewichtung der USA nur eine gute Abbildung der realen Verhältnisse am Aktienmarkt. 

Die Anteile aller im MSCI World enthaltenen Länder könnt ihr in der folgenden Tabelle sehen.

LandAnteil am MSCI World Index
USA68,77%
Japan6,26%
Vereinigtes Königreich4,20%
Kanada3,41%
Frankreich3,28%
Sonstige14,08%
Die Tabelle zeigt den Anteil verschiedener Länder am MSCI World Index an.

2. Eine langfristige Rendite von circa 7% pro Jahr

Wenn man über Aktienindizes spricht, muss man natürlich auch über deren Performance sprechen und über die Frage, wie gut der MSCI World Index wirklich ist. Die Vergangenheit spricht dazu eine deutliche Sprache.

In den letzten 50 Jahren hat der MSCI eine durchschnittliche Jahresrendite von 7,01% erzielt. Seine schlechteste Jahresperformance in diesem Zeitraum war dabei ein Verlust von 42,1% (2007 – 2008) und seine beste Jahresperformance war 39,1% (1985 – 1986).

Am besten erkennt man die Performance des Index und für alle verschiedenen Zeitintervalle mithilfe des MSCI World Renditedreiecks, dass ihr hier finden könnt.

Ich habe für euch aber auch selbst noch einmal analysiert, wie gut oder schlecht eure Rendite mithilfe des MSCI World Index in den letzten 50 Jahren gewesen wäre, je nachdem wann ihr in den Index investiert hättet.

Anzahl der Jahre in denen ihr in einen MSCI World ETF investiert habtSchlechteste Rendite in der Zeitperiode in den letzten 50 JahrenBeste Rendite in der Zeitperiode in den letzten 50 JahrenDurchschnittliche Rendite in der Zeitperiode in den letzten 50 Jahren
2-22,64%38,06%7,50%
5-4,43%24,83%7,31%
7-1,23%20,35%7,25%
10-2,20%15,78%7,29%
151,24%14,47%7,35%
202,50%12,65%7,14%
254,51%12,30%7,32%
304,56%9,43%7,10%
405,99%8,04%7,20%
507,01%7,01%7,01%
Die Mindest-, maximal- und Durchschnittsrendite für den MSCI World über verschiedene Zeitperioden.

Ihr seht dabei, dass das Risiko eines Verlusts mit dem Index immer mehr abnimmt, je länger ihr darin investiert seid. Ganz egal wann ihr in den letzten 50 Jahren in den Index investiert habt, ihr hättet immer einen Gewinn gemacht, wenn ihr mindestens 15 Jahre investiert geblieben wärt.

Übrigens habe ich solche Analysen auch zu verschiedenen anderen Indizes, Rohstoffen oder Assetklassen gemacht. Ihr könnt sie alle hier finden. 

Darüber hinaus habe ich mich auch noch genauer mit der Frage beschäftigt, wie lange man ETFs eigentlich halten sollte, um einen Gewinn zu erzielen. Vielleicht interessiert euch der Artikel ja auch.

3. Ein breites Branchenspektrum

Branchen-ETFs sind besonders bei Anfängern sehr beliebt, weil sie dann in etwas investieren können, was sie kennen. Die Medizinerin kann dann in einen Pharma-ETF investieren oder der Technik-Enthusiast in IT-Unternehmen.

Allerdings haben solche Branchen Indizes immer den Nachteil, dass sie zwar breit gestreut aber dafür von einer einzelnen Branche abhängig sind. Was passiert, wenn IT-Unternehmen in Zukunft nicht mehr gut laufen, weil stattdessen der Gesundheits-Sektor boomt?

Ich kann es deshalb nie empfehlen – es sei denn man kennt sich absolut gut in einer Branche aus – sein Geld in nur eine Branche zu stecken. Stattdessen ist meine Empfehlung für Anfänger immer so breit wie möglich zu streuen und genau das macht der MSCI World Index. 

Anstatt selbst eine Auswahl der richtigen Branche zu treffen, investiert man mit dem MSCI World einfach in alle Branchen mit einmal. Momentan ist die Zusammensetzung der Branchen im MSCI World wie folgt.

SektorAnteil am MSCI World Index
Technologie22%
Finanzen14%
Gesundheit13%
Zyklische Konsumgüter11%
Industrie10%
Kommunikation8%
Nichtzyklische Konsumgüter7%
Materialien5%
Energie4%
Versorger3%
Immobilien3%
Die Tabelle zeigt den Anteil verschiedener Sektoren am MSCI World Index an.

Ähnlich wie bei der Länderverteilung liegt auch bei der Branchenverteilung ein starker Fokus auf einer Branche und das ist der IT-Sektor. Allerdings ist der Anteil mit rund 22% noch relativ vertretbar und zum anderen spiegelt er auch die Realität wider.

Das besondere an solchen Welt-Indizes wie dem MSCI World ist aber, dass diese Anteile nicht fix sind, sondern sich im Zeitverlauf immer ändern. Sollte in Zukunft der Technologie-Sektor also nicht so gut laufen, dann wird dieser automatisch untergewichtet und ein anderer, besser performender Sektor, übergewichtet.

Ihr müsst somit nichts unternehmen, damit euer Portfolio sich regelmäßig selbst an die aktuellen Trends anpasst.

4. Eine extrem starke Diversifizierung durch fast 1.600 Unternehmen im Index

Die goldene Regel der Risikominimierung ist nicht alle Eier in einen Korb zu legen und umso mehr man seine Aktieninvestments auf unterschiedliche Unternehmen verteilt, desto geringer ist das Risiko, dass eine Fehlauswahl eines einzigen Unternehmens die Gesamtrendite zerstört.

Genau diesem Prinzip folgt der MSCI World Index, da im Index insgesamt fast 1.600 Unternehmen enthalten sind, sodass die Kursbewegungen einer einzelnen Aktie keine Rolle spielen und stattdessen nur die Bewegung des breiten Marktes zählt.

Die Grafik zeigt, dass umso mehr Aktien ihr in eurem Portfolio habt, desto geringer ist euer Risiko gegenüber einzelnen Unternehmen. Ein ETF auf den MSCI World Index lässt euch direkt in 1.600 Aktien weltenweit investiert und reduziert damit euer Risiko für einzelne Aktien.

Ihr müsst euch bei einem Investment in den MSCI World somit keine Gedanken machen, ob die eine Aktie steigt oder fällt, weil es einfach keine Rolle für eure Gesamtperformance spielt. Das Einzige was zählt ist, wohin sich der gesamte Aktienmarkt bewegt und weiter oben hatte ich bereits erwähnt, dass das in der Vergangenheit beim MSCI World circa 7% pro Jahr im Durchschnitt waren.

Natürlich deckt ein ETF auf den MSCI World aber auch nicht alle Aktien der Welt ab. Wie schon erwähnt, sind nur Aktien der 23 größten Industriestaaten enthalten und auch nur circa 1.600 Unternehmen der circa 41.000 Aktienunternehmen, die es weltweit gibt.

Um das Ganze aber in Relation zu setzen, muss erwähnt werden, dass die größten 10.000 Aktienunternehmen auf der Welt bereits 90% der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen. 

Das heißt bereits die 1.600 Unternehmen im MSCI World Index reichen mehr als aus, um den Gesamtmarkt gut nachzubilden. Hinzu kommt, dass sich in den USA lediglich 10% aller Aktienunternehmen der Welt befinden aber diese 36% der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen. Entsprechend ist es nur gut, dass der Index eine Übergewichtung der USA hat, um die realen Begebenheiten bestmöglich nachzubilden.

Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass die größten 100 Unternehmen im MSCI World Index circa 50% der Indexperformance ausmachen. D.h. aber auch, dass circa 1.500 Unternehmen, d.h. der breite Markt, ebenso einen Einfluss auf den Index von 50% haben.

Und als letztes Argument sollte noch erwähnt werden, dass bereits 18 Aktien ausreichen, um einen Markt breit abzudecken, wie ich in diesem Artikel genau erkläre. Es spielt also gar nicht so eine große Rolle, dass 100 Unternehmen im MSCI World 50% der Indexperformance ausmachen, weil sie einfach selbst schon den Markt perfekt abbilden.

5. Sehr niedrige Kaufkosten und laufende Kosten

Einer der Haupteinflussfaktoren auf die langfristige Rendite sind die Kosten für einen Investor. Kurzfristig betrachtet, macht es zwar keinen Unterschied, ob man aufgrund laufender Kosten 6,5% statt 7% im Jahr macht aber langfristig betrachtet, hat so eine kleine Abweichung einen sehr hohen Einfluss auf die Gesamtrendite.

Legt man 100.000€ für 30 Jahre bei 6,5% an, besitzt man am Ende der Zeit circa 661.000€. Bei 7% erhält man allerdings nach 30 Jahren für denselben Investitionsbetrag circa 761.000€. Das ist ein Unterschied von rund 100.000€, der nur durch die laufenden Kosten von 0,5% entstand. Bei 40 Jahren beträgt der Unterschied sogar schon circa 250.000€.

Die Grafik zeigt, wie sich ein Vermögen bei 7% (lila) und 6,5% (gelb) über längere Zeit entwickelt. Der Zinseszinseffekt wird umso, je länger das Investment läuft.

Entsprechend sollten Investoren immer einen Blick auf die laufenden Kosten aber auch auf die einmaligen Kaufkosten legen. Wie groß der Einfluss weniger Prozentpunkte auf eure Rendite ist, habe ich einmal genau in meinem Artikel „Wie lange dauert es bis zur ersten Million?“ analysiert. Lest euch den Artikel unbedingt durch, wenn ihr mehr dazu wissen wollt.

Das Besondere an ETFs auf den MSCI World ist aber, dass er bei Privatanlegern so beliebt und nachgefragt ist, dass das durchschnittliche Fondsvolumen eines MSCI World ETFs bereits so hoch ist, dass die laufenden Kosten extrem niedrig sind und in vielen Fällen noch nicht einmal Kaufkosten anfallen.

Ich habe zum Beispiel einen monatlichen Sparplan auf den MSCI World bei der Comdirect. Der Kauf kostet mich dabei gar nichts und auch die laufenden Kosten sind mit 0,3% extrem niedrig. Entsprechend ist die Performance meines MSCI World ETFs nur minimal geringer als die des Index und der Einfluss auf meine Gesamtperformance nach 30 Jahren ist vernachlässigbar.

Habt deswegen immer ein Auge darauf, wie hoch die Kosten bei eurem Sparplan auf den MSCI World sind und vergleicht sie mit ETFs anderer Anbieter. Das Produkt, dass ihr euch kauft, ist schließlich immer dasselbe und die Performance der verschiedenen ETFs ist auch mehr oder weniger identisch. Der Unterschied liegt nur in den Kosten und die könnt ihr kontrollieren.

Übrigens, ich habe in diesem Artikel genau nachgerechnet, welcher Tag im Monat der beste Tag für deine Sparplanausführung ist. Schau unbedingt vorbei, wenn du es herausfinden möchtest.

6. Keine Schwellenländer im Index enthalten

Der Standard MSCI World Index beinhaltet lediglich die oben bereits erwähnten 23 Industriestaaten aber keine Schwellenländer. Dieser Punkt wird dabei von einigen als Nachteil angesehen, aber ich sehe darin eher einen Vorteil, wie auch die jüngsten Entwicklungen zeigen.

Viele Privatinvestoren vermissen im MSCI World Index aufstrebende Schwellenländer wie China, Russland, Brasilien, Indien oder Südafrika und greifen stattdessen auf den ähnlich strukturierten MSCI ACWI Index zurück, der alle Länder des MSCI World beinhaltet aber auch noch 24 weitere Schwellenländer.

Ich bevorzuge aber lieber getrennt in beide Länderkategorien zu investieren. Einen ETF für den MSCI World Index und einen weiteren ETF für Schwellenländer. Somit bin ich flexibler, wenn es darum geht bestimmte Teile meines Portfolios zu verkaufen.

Besonders die jüngsten Entwicklungen in Russland und China zeigen auch, dass mehr Flexibilität auch sinnvoll ist. Der russische Aktienmarkt befindet sich gerade im Untergang und hätte ich all mein Vermögen im MSCI ACWI Index investiert, hätte ich entweder meine gesamte Position verkaufen müssen oder den Kursverlust der russischen Titel mitmachen müssen.

Ähnlich ist es auch mit chinesischen Technologieunternehmen, die momentan aufgrund von Entscheidungen der chinesischen Regierung im freien Fall sind. Auch hier müsste ich beim MSCI ACWI Index die gesamte Kursentwicklung dieser Aktien mitmachen und hätte keine Chance gezielt darauf zu reagieren.

Bei einem getrennten Investment in einen Schwellenländer ETF und MSCI World Index könnte ich aber weiterhin meine Position im MSCI World behalten und stattdessen nur meine Position in meinem Schwellenländer ETF reduzieren.

Nachteile des MSCI World Index

Der MSCI World Index ist hervorragend für die meisten Privatinvestoren geeignet, um mithilfe eines regelmäßigen Sparplans langfristig Vermögen aufzubauen. Allerdings ist der Index auch nicht perfekt und hat auch seine Schwäche, die man zumindest kennen sollte, bevor man in den Index investiert.

Einige der Schwäche, wie der hohe Einfluss amerikanischer Aktien auf den Index oder der große Anteil an Technologie-Aktien, habe ich euch ja bereits erklärt aber darüber hinaus enthält der MSCI World auch keine Small-Cap Unternehmen und ist auch nicht ESG-konform.

Eine genaue Erklärung all der Nachteile und Schwächen des Index habe ich euch in diesem Artikel zusammengefasst. Lest ihn euch unbedingt durch bevor ihn in den MSCI World investiert, damit ihr zumindest einmal auch von den Problemen gehört habt und dann selbst entscheiden könnt, ob sie euch stören oder nicht.