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Wann ist der Handel mit Optionen sinnvoll? Inkl. gratis Cheat Sheets!


Optionen bieten eine tolle Möglichkeit ein extra Einkommen an der Börse zu erzielen und sein Portfolio gegen mögliche Verluste abzusichern. Gerade Anfänger sind dabei aber immer wieder schnell überfordert, wenn sie sich in der Vielzahl an unterschiedlichen Strategien und Risikokennzahlen zurechtfinden müssen. Damit der Einstieg für euch leichter fällt, erkläre ich in diesem Artikel genau wann der Handel mit Optionen sinnvoll ist und welche Optionsstrategie am besten für die jeweilige Marktlage geeignet ist.

Grundsätzlich gilt, dass der Handel mit Optionen fast immer sinnvoll ist, allerdings ist die beste Optionsstrategie immer von der aktuellen Marktlage abhängt. Lediglich in moderat verlaufenden Auf- und Abwärtsmärkten ist es in der Regel besser das Underlying direkt zu kaufen oder zu verkaufen.

Das heißt, der Handel mit Optionen ist durchaus sinnvoll und ihr solltet euch unbedingt damit beschäftigen aber nicht jede Optionsstrategie ist in jeder Marktlage gleich gut. Wann also welche Optionsstrategie am besten für die aktuelle Marktlage geeignet ist, erkläre ich euch in den folgenden Abschnitten.

Ein kleiner Hinweis aber vorweg. In diesem Artikel setze ich ein kleines Grundverständnis über den Optionshandel voraus. Solltet ihr also mit einigen Begrifflichkeiten in diesem Artikel ein Verständnisproblem haben, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel über die Grundlagen von Optionen durchzulesen.

Wann der Handel mit Optionen sinnvoll ist

Die richtige Optionsstrategie hängt im Wesentlichen von der aktuellen Marktlage ab. Zwar gibt es grundsätzlich viele Einflussfaktoren, um die aktuelle Marktlage zu bestimmen, aber meiner Meinung nach sind nur zwei Faktoren wirklich entscheidend: Die aktuelle Marktrichtung und die aktuelle implizite Volatilität.

Welche Strategie je nach Marktrichtung und je nach aktueller Volatilität am sinnvollsten ist, könnt ihr in der folgenden Grafik sehen.

Die Grafik zeigt die jeweils beste Optionsstrategie in Abhängigkeit von der aktuellen Marktrichtung und der aktuellen impliziten Volatilität.

Seht das ganze aber bitte nur als Faustregel an. Es gibt durchaus Situationen, in denen auch andere Strategien in der aktuellen Marktlage besser geeignet sind, aber meiner Meinung nach deckt die obere Grafik circa 80% aller gängigen Marktsituationen und der dazugehörigen besten Optionsstrategie ab.

Optionshandel Cheat Sheets

Du möchtest die obere Grafik gern ausdrucken, um sie immer griffbereit zu haben? Dann kannst du hier all meine Cheat Sheets zum Optionshandel gratis herunterladen. Ich wünsche dir maximale Erfolge damit.

In den folgenden Abschnitten erkläre ich dir, warum die unterschiedlichen Strategien für die jeweilige Marktlage so gut geeignet ist.

Bei einem steigenden Aktienmarkt

Wenn sich der Aktienmarkt nach oben bewegt bzw. eine einzelne Aktie, die ihr handeln wollt, dann gibt es im Wesentlichen nur drei sinnvolle Handelsstrategien mit Optionen in Abhängigkeit von der aktuellen Volatilität. Bei geringer Volatilität sollten ihr Call Optionen kaufen (Long Call), bei moderater Volatilität solltet ihr am besten das Underlying kaufen und bei hoher impliziter Volatilität ist der Verkauf von Put Optionen (Short Put) empfehlenswert.

Long Call:

Der Long Call ist eine Optionsstrategie, bei der man die Long Position in einem Optionsgeschäft einnimmt. Diese Position gibt einem das Recht (aber nicht die Pflicht), ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu kaufen.

Das Auszahlungsprofil einer Long Call Position.

Man sollte Call Optionen bei steigenden Märkten und geringer Volatilität deswegen kaufen, weil sie dann entsprechend günstig sind. Die geringe implizite Volatilität sorgt dabei für den günstigen Kaufpreis, während der Markt sich gleichzeitig nach oben bewegt und somit gute Chancen bietet, dass sich der Call ins Geld bewegt.

Ich habe einen ausführlichen Artikel über diese Strategie geschrieben, den ihr hier lesen könnt. Wenn ihr die Strategie also handeln wollt, dann lest ihn euch unbedingt durch, um alle Feinheiten der Strategie zu verstehen.

Kauf des Underlyings:

Es gibt insgesamt zwei Szenarien, bei denen es nicht sinnvoll ist, eine Option zu handeln und das ist jeweils immer dann, wenn sich der Markt entweder nach oben oder unten bewegt und gleichzeitig eine moderate implizite Volatilität vorliegt.

In beiden Fällen ist der Preis von Optionen am Markt entweder zu hoch, um auf der Long Seite zu sein und gleichzeitig zu niedrig, um auf der Short Seite zu sein. Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist entsprechend nicht sehr vorteilhaft und meine Empfehlung an euch ist es deshalb lieber das Underlying direkt zu kaufen und somit am steigenden Kurs zu partizipieren.

Short Put:

Ein Short Put ist der Verkauf einer Verkaufsoption. D.h. mit dieser Option verpflichtet man sich, dass man ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis kaufen muss, sofern die Option vom Optionskäufer ausgeübt wird.

Das Auszahlungsprofil einer Short Put Position.

Der Käufer dieser Option, wird sein Optionsrecht natürlich immer nur dann ausüben, wenn er damit einen Gewinn machen kann und das tritt nur dann ein, wenn sich der Kurs nach unten bewegt. Da in diesem Szenario der Markt sich aber aktuell nach oben bewegt, ist euer Risiko für eine Ausübung der Option extrem gering.

Wird die Option also nicht ausgeübt, dann dürft ihr die beim Verkauf der Option erhaltene Optionsprämie behalten und macht dadurch einen Gewinn.

Die Strategie macht dabei besonders Sinn, wenn die aktuelle implizite Volatilität sehr hoch ist, weil dann entsprechend auch die Preise der Optionen höher sind und ihr mehr Optionsprämie bzw. Gewinn erhaltet.

Ich habe auch über diese Strategie einen ausführlichen Artikel geschrieben, den ihr hier lesen könnt

Bei einem fallenden Aktienmarkt

Bei einem fallenden Markt bzw. einer fallenden Einzelaktie verhält es sich mehr oder weniger genau entgegengesetzt zu einem steigenden Markt. D.h. bei geringer Volatilität sollten ihr diesmal Put Optionen kaufen (Long Put), bei moderater Volatilität solltet ihr am besten das Underlying verkaufen und bei hoher impliziter Volatilität ist der Verkauf von Call Optionen (Short Call) empfehlenswert.

Long Put:

Der Long Put ist eine Optionsstrategie, bei der man die Long Position in einem Optionsgeschäft einnimmt. Diese Position gibt einem das Recht (aber nicht die Pflicht), ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.

Das Auszahlungsprofil einer Long Put Option.

Auch hier ist die Logik dieselbe, wie auch schon bei den Long Calls bei steigenden Märkten. D.h. die geringe implizite Volatilität sorgt für einen günstigen Kaufpreis der Option, während der Markt sich gleichzeitig nach unten bewegt und somit gute Chancen bietet, dass sich der Put ins Geld bewegt.

Ihr macht bei einer Put Option schließlich einen umso höheren Gewinn je tiefer die Aktie fällt und entsprechend ist die generelle Abwärtsbewegung des Marktes für euch von Vorteil. 

Auch zu dieser Strategie habe einen ausführlichen Artikel geschrieben, den ihr hier lesen könnt.

Verkauf des Underlyings:

Sollte sich der Markt momentan in einem Abwärtstrend befinden und die implizite Volatilität ist moderat erhöht, dann liegt das zweite Szenario vor bei dem es wenig Sinn macht Optionen zu handeln.

Wie schon oben erwähnt, ist in so einer Situation der Preis von Optionen relativ betrachtet zu hoch, um sie zu kaufen und zu niedrig, um sie zu verkaufen. Ich empfehle in einer solchen Situation deswegen lieber das Underlying zu verkaufen, anstatt Optionen zu handeln.

Um das Underlying zu verkaufen, gibt es natürlich zwei Möglichkeiten. Entweder ihr besitzt das Underlying schon und verkauft es nun, um Gewinne zu realisieren oder Verluste zu reduzieren oder ihr besitzt das Underlying noch nicht und verkauft es leer.

Das Leerverkaufen von Aktien ist schon eher eine fortgeschrittene Handelsstrategie aber solltet ihr dennoch gern mehr darüber erfahren wollen (insbesondere, wie man Aktien leerverkaufen kann), dann könnt ihr euch diesen Artikel von mir durchlesen.

Short Call:

Ein Short Call ist der Verkauf einer Kaufoption. D.h. mit dieser Option verpflichtet man sich, dass man ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis verkaufen muss, sofern die Option vom Käufer ausgeübt wird.

Das Auszahlungsprofil einer Short Call Position

Anders als beim Short Put übt der Optionskäufer bei einem Call seine Option immer nur dann aus, wenn der Kurs steigt und sich über den Strike Preis bewegt. Da in diesem Szenario der Markt sich aber nach unten bewegt, ist euer Risiko für eine Ausübung der Option extrem gering.

Wird die Option also nicht ausgeübt, dann dürft ihr auch beim Short Call die beim Verkauf der Option erhaltene Optionsprämie behalten und macht dadurch einen Gewinn.

Der Verkauf von Optionen ist generell immer dann zu empfehlen, wenn die implizite Volatilität sehr hoch ist (und sich der Markt in die für euch geeignete Richtung bewegt), weil die hohe Vola auch für hohe Optionsprämien und somit mehr Gewinn für euch sorgt.

Wie für alle anderen Strategien bisher auch, habe ich auch über diese Strategie einen ausführlichen Artikel geschrieben, den ihr hier lesen könnt

Bei einem sich seitwärtsbewegenden Aktienmarkt

Bei einem sich seitwärtsbewegenden Markt lohnt sich der Kauf von Call oder Put Optionen in der Regel nicht, da man in so einer Marktsituation einfach zu wenig Chancen hat sich ins Geld zu bewegen.

Der Verkauf von Calls und Puts macht da schon eher Sinn, da man anhand des Zeitwertverfalls Geld verdienen kann, allerdings sorgt die Schwankungsbreite in so einem Markt häufig dazu, dass man als Stillhalter einer Option auch Verluste macht. Um das Risiko zu vermeiden, sollte man deswegen eher auf Cash Secured Puts und Covered Calls setzen, wie ich weiter unten noch genau erklären werde. 

Empfehlenswert sind bei sich seitwärtsbewegenden Aktienmärkten aber Strategien, die weniger auf eine große Bewegung des Underlyings setzen und viel mehr Gewinne durch Veränderungen der impliziten Volatilität ermöglichen oder sogar nur durch den Zeitwertverfall. Folgende Strategien sind dabei sinnvoll.

Straddle:

Ein Straddle ist eine Optionsstrategie bei der jeweils eine Call Option und eine Put Option mit demselben Strike Preis und derselben Laufzeit gekauft (Long Straddle) oder verkauft (Short Straddle) werden. Die Strategie eignet sich besonders um am Zeitwertverfall einer Option zu verdienen oder um auf Änderungen der Volatilität zu spekulieren.

Das Auszahlungsprofil eines Long und Short Straddles.

Straddles eignen sich besonders bei einer niedrigen oder moderaten impliziten Volatilität, wobei man eher Long Straddles kaufen sollte, wenn die Volatilität niedrig ist und Short Straddles verkaufen sollte, wenn die Volatilität moderat ist.

Eine niedrige Vola ermöglicht euch dabei den Long Straddle zu einem geringen Preis zu kaufen und durch einen möglichen Anstieg der Volatilität einen Gewinn zu erzielen. Eine moderate implizite Volatilität ermöglicht wiederum eine angemessenes Optionsprämie beim Verkauf des Short Straddles zu erzielen und durch einen Rückgang der Volatilität sein Risiko zu reduzieren.

Das Besondere an einem Straddle ist, dass dessen Delta (Also die Empfindlichkeit der Position auf Kursänderungen des Underlyings. Mehr dazu könnt ihr hier von mir durchlesen) genau null ist, wenn der Strike des Straddles genau auf dem aktuellen Kurs liegt.

Das reduziert euer Risiko als Optionsverkäufer gegenüber leichten Kursbewegungen und ihr könnt euch in so einer Situation nur auf den Zeitwert bzw. die implizite Volatilität konzentrieren. Man spricht in so einem Fall auch vom sogenannten Delta-Hedging. Wenn ihr gern mehr dazu erfahren wollt, könnt ihr diesen Artikel von mir durchlesen.

Natürlich habe ich auch zu dieser Strategie einen gesonderten Artikel für euch geschrieben, den ihr hier nachlesen könnt.

Iron Condor:

Ein Iron Condor ist eine Optionsstrategie, die aus zwei Put Optionen und zwei Call Optionen (immer jeweils eine long und eine short) besteht. Die Optionen werden dabei als separater Put Spread und Call Spread strukturiert und haben alle dieselbe Restlaufzeit.

Das Auszahlungsprofil eines Long und Short Iron Condors.

Der Iron Condor und auch der Iron Butterfly gehören zu den vielleicht komplexesten Strategien, die ich euch in diesem Artikel vorstelle.

Es ist natürlich offensichtlich, dass man bei einem Iron Condor dann Gewinn oder Verlust macht, wenn sich der Aktienkurs extrem stark bewegt, aber dennoch empfehle ich den Long Iron Condor bei einem niedrigen Vola-Umfeld und den Short Iron Condor bei einer moderaten impliziten Volatilität.

Das mag auf den ersten Blick nicht viel Sinn machen aber der Grund dafür ist, dass ihr die aktuelle Volatilität nicht als statisch betrachten dürft. D.h. alle Strategien, die ich euch bei einer niedrigen Volatilität empfehle, spielen vor allem dann ihre Stärke aus, wenn die niedrige Volatilität während der Laufzeit der Option beginnt zu steigen.

Entsprechend solltet ihr euch also nie bei Long Positionen nur nach einer niedrigen Vola umschauen, sondern idealerweise nach einer niedrigen impliziten Volatilität, bei der ihr davon ausgeht, dass sie demnächst steigen wird, um eure Gewinnchancen zu erhöhen.

Mehr dazu könnt ihr in meinem detaillierten Artikel über diese Strategie nachlesen, den ihr hier findet.

Iron Butterfly:

Ein Iron Butterfly ist eine Optionsstrategie, die aus zwei Put und zwei Call Optionen (immer jeweils eine long und eine short) besteht. Die Optionen werden dabei als separater Put Spread und Call Spread strukturiert wobei ein Put und ein Call denselben Strikepreis haben.

Das Auszahlungsprofil eines Long und Short Iron Butterflys.

Grundsätzlich gilt alles, was ich über den Iron Condor gesagt habe auch für den Iron Butterfly. D.h. ihr solltet die Long Position nur bei einer niedrigen Volatilität am Markt eingehen und ihr sollten Short Iron Butterflys nur bei einer moderaten Volatilität verkaufen.

Auch hier liegt das wieder daran, dass ein Iron Butterfly umso teurer ist, je höher die aktuelle implizite Volatilität der zugrundeliegenden Aktie ist. D.h. bei einem Long Iron Butterfly macht ihr einen Gewinn während der Laufzeit der Strategie, wenn die implizite Volatilität zuerst niedrig ist und dann stark steigt.

Bei einem Short Iron Butterfly macht ihr wiederum einen zusätzlichen Gewinn, wenn die implizite Volatilität zum Kaufzeitpunkt sehr hoch ist und dann fällt.

Die Strategie lässt sich mit all ihren Besonderheiten nur schwer zusammenfassen, weswegen ich auch hier gern auf meinen detaillierten Artikel zum Iron Butterfly verweisen würde.

Cash Secured Put:

Bei einem Cash Secured Put handelt es sich um eine Short Put Position. Allerdings wird diese Option nur dann geschrieben, wenn man über genügen liquide Mittel verfügt (somit „Cash Secured“ ist), um eine mögliche Ausübung der Option bezahlen zu können.

Die Grafik zeigt das Auszahlungsprofil eines Cash Secured Puts bzw. eines Short Puts bei Laufzeitende.

Der Cash Secure Put unterscheidet sich von einer regulären Short Put Option also nur darin, dass man nur dann eine Put Option schreibt, wenn man sich die Aktien, die man durch die Ausübung der Option erhalten könnte, auch mithilfe eigener liquider Mittel kaufen könnte.

Das macht vor allem in einem sich seitwärtsbewegenden Markt mit hoher Volatilität Sinn. In so einem Markt erhaltet ihr nämlich eine extrem hohe Optionsprämie beim Verkauf des Puts und weil ihr nicht wissen könnt, in welche Richtung der Kurs bei Laufzeitende eher tendiert, ist es euch einfach egal.

Sollte der Preis des Underlyings steigen, dann behaltet ihr die Optionsprämie und sollte der Preis des Underlyings fallen, dann erhaltet ihr die Aktien, die ihr ohnehin bei einem günstigen Preis kaufen wolltet.

Gleichzeitig macht ihr auch einen Gewinn, wenn sich die implizite Volatilität verringert, was vor allem bei einer aktuell hohen Vola bei Verkauf der Option sehr wahrscheinlich ist.

Mehr dazu könnt ihr in meinem Artikel hier erfahren.

Covered Call:

Der Covered Call ist eine Optionsstrategie, bei der man eine Call Option auf einen Basiswert verkauft (Short Call), den man selbst schon im Portfolio besitzt. Sollte die Option in so einem Fall ausgeübt werden, kann man problemlos den Basiswert aus dem Portfolio verkaufen.

Die Grafik zeigt das Auszahlungsprofil eines Covered Calls (lila) inklusive der zugrunde liegenden einzelnen Instrumente (Aktie, gelb + Short Call Option, grün).

Der Covered Call ist eine relativ einfache Optionsstrategie, weil man dafür nur ein Underlying und eine Short Call Option auf dieses Underlying benötigt. Während ihr bei einem Naked Call lediglich die Call Option kauft oder verkauft, ohne den zugrundeliegenden Basiswert zu besitzen, verkauft ihr bei einem Covered Call die Call Option immer nur auf Underlyings, die ihr selbst im Portfolio besitzt.

Da das Auszahlungsprofil des Covered Calls identisch ist mit dem eines Cash Secured Puts, ist auch die Begründung für die Sinnhaftigkeit in einem Seitwärtsmarkt bei gleichzeitig hoher Vola fast dieselbe.

Sollte die implizite Volatilität wieder abnehmen, macht ihr Gewinn, sollte der Kurs des Underlyings steigen, macht ihr Gewinn und sollte der Kurs fallen, dann macht ihr zwar Verlust, aber dieser ist niedriger als bei einem Direktinvestment in das Underlying.

Der Covered Call eignet sich deshalb perfekt, um eine zusätzliche Rendite zu erzeugen oder um das Risiko seiner schon bestehenden Aktienposition zu verringern. Mehr dazu könnt ihr gern in meinem Artikel über die Covered Call Strategie durchlesen

Wheel Strategie:

Die Wheel Strategie ist eine Kombination aus Covered Call und Cash Secured Put. Habt ihr also beide Strategien verstanden, dann versteht ihr auch die Wheel Strategie ganz einfach.

Die Strategie hat ihrem Namen vom englischen Wort für Rad (engl. Wheel), denn wie in einem Rad bzw. in einem Kreis durchlauf ihr immer wieder die selben Phasen. In der unteren Grafik könnt ihr euch die verschiedenen Phasen ansehen.

Die unterschiedlichen Phasen der Wheel Strategie.

Alles beginnt damit, dass ihr die für euch richtige Aktie auswählt, mit der ihr die Wheel Strategie anwenden wollt. Habt ihr euch entschieden, kauft ihr so lange Cash Secured Puts auf diese Aktie, bis die Option einmal ausgeübt wird und eurem Portfolio die Aktien eingebucht werden.

Habt ihr die Aktien erst einmal im Depot beginnt ihr damit so lange Covered Calls auf die Aktie zu schreiben, bis auch diese irgendwann einmal ausgeübt werden und euch die Aktien aus dem Depot gebucht werden.

Werden die Aktien aus eurem Depot gebucht, habt ihr das Ende der Wheel Strategie erreicht und ihr beginnt wieder von vorn. Wenn euch die Strategie interessiert, könnt ihr noch mehr darüber in meinem Artikel zur Wheel Strategie durchlesen.

Der Long Put – Alles was du wissen musst


Der Long Put bzw. das Kaufen von Verkaufsoptionen ist eine der einfachsten Optionsstrategien und wird deswegen auch besonders gern von Privatinvestoren als Einstieg in den Optionshandel genutzt, aber simpel bedeutet nicht gleich auch einfach. Weil es bei dieser Strategie also so viel zu beachten gibt und weil man den Long Put erst einmal genau verstehen muss, um andere komplexere Strategien anzuwenden, möchte ich euch alles über die Strategie mitteilen, was ihr Wissen müsst.

Der Long Put ist eine Optionsstrategie, bei der man die Long Position in einem Optionsgeschäft einnimmt. Diese Position gibt einem das Recht (aber nicht die Pflicht), ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. 

Käufer einer Verkaufsoption können also in Zukunft das Underlying, auf das sich die Option bezieht, zu einem festgelegten Preis verkaufen. Das ist natürlich dann vorteilhaft, wenn der Wert des Underlyings stark fällt. Auf was ihr aber noch so achten müsst, verrate ich dir in den folgenden Abschnitten.

Ein kleiner Hinweis aber vorweg. In diesem Artikel setze ich ein kleines Grundverständnis über den Optionshandel voraus. Solltet ihr also mit einigen Begrifflichkeiten in diesem Artikel ein Verständnisproblem haben, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel über die Grundlagen von Optionen durchzulesen.

Die Grundlagen

Der Long Put ist der Kauf einer Verkaufsoption und ermöglicht den Käufer des Long Puts ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Dafür muss man allerdings eine Gebühr, die sogenannte Optionsprämie an den Verkäufer der Option zahlen.

Die Strategie hat ein fast unbegrenztes Gewinnpotential bei gleichzeitig begrenztem Risiko. 

Schauen wir uns das ganze aber einfach an einem Beispiel an. Stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan für 50 EUR gehandelt und eine Put Option mit Strike von 50 EUR kann für 4 EUR gekauft werden. Kauft man in diesem Fall den Long Put, dann kann man dafür eine Optionsprämie von 4 EUR bezahlen.

Diese 4 EUR sind dann aber auch der maximale Verlust für den Käufer und können nicht überschritten werden. Also von Transaktionskosten einmal ganz abgesehen.

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Einen Gewinn aus dem Optionsgeschäft macht man, sobald der Aktienkurs des Underlyings unter 50 EUR fällt. Dann hat man nämlich das Recht die Aktie zum Strikepreis, also 50 EUR, zu verkaufen, obwohl sie selbst am Markt viel günstiger zu erhalten ist.

Allerdings muss man aber immer noch die zu Beginn gezahlte Optionsprämie berücksichtigen. D.h. wenn der Aktienkurs am Ende der Laufzeit auf 48 EUR gefallen ist, dann hat eure Option zwar einen Wert von 2 EUR (50 EUR Strikepreis abzüglich 48 EUR aktueller Preis) aber ihr habt auch 4 EUR für die Option bezahlt. D.h. ihr habt dennoch einen Verlust von 2 EUR gemacht.

Fällt die Aktie allerdings bis auf 40 EUR, dann ist eure Option 10 EUR wert und zieht ihr davon die bereits gezahlten 4 EUR wieder ab, dann liegt euer Gesamtgewinn bei 6 EUR.

Warum hat eure Option bei Laufzeitende aber einen Wert von 10 EUR, wenn die Aktie auf 40 EUR gefallen ist? Weil ihr mit dieser Option genau 10 EUR verdienen könnt. Das macht ihr, indem ihr die Aktie am Markt für 40 EUR kauft und über das Recht aus eurer Option sie direkt für 50 EUR wieder verkauft.

In der Praxis müsst ihr das natürlich nicht so umständlich über den Kauf und Verkauf der Aktie regeln, sondern es reicht einfach eure Option am Markt für 10 EUR zu verkaufen.

In der folgenden Tabelle könnt ihr den Gewinn- und Verlustverlauf dieser Beispieloption noch einmal genau sehen.

Preis ABC Aktie bei LaufzeitendeGewinn / Verlust der Put Option
30 EUR+16 EUR
40 EUR+6 EUR
46 EUR+/-0 EUR
50 EUR-4 EUR
60 EUR-4 EUR
70 EUR-4 EUR
Die Tabelle zeigt den Gewinn und Verlust der Long Put Option für das obige Beispiel.

Das Auszahlungsprofil eines Long Puts

Das obere Beispiel zeigt an sich schon genau das typische Gewinn- und Verlustprofil eines Long Puts aber schauen wir uns das ganze dennoch noch einmal grafisch an.

Das Auszahlungsprofil einer Long Put Position.

In der Grafik habe ich Punkt A als Strike Preis der Option gekennzeichnet und Punkt B ist der Break-Even-Point Position.

Der maximale Verlust eines Long Puts ist auf die zu zahlende Optionsprämie begrenzt und tritt dann ein, wenn der Kurs des Underlyings bei Laufzeitende über dem Strike Preis (Punkt A) der Option liegt.

Der maximale Gewinn ist allerdings (fast) unbegrenzt und wird nur dadurch begrenzt, dass der Kurs des Underlyings nicht unter null fallen kann. Umso größer der Kurs des Underlyings beim Kauf der Put Option ist, desto größer ist also auch euer maximaler Gewinn aber ihr solltet deswegen nicht nur noch 300 EUR Aktien und keine 30 EUR Aktien mehr kaufen. 

Man macht bei einem Long Put nicht sofort Gewinn, sobald der Kurs des Underlyings unter den Strike Preis (Punkt A) fällt, da man schließlich auch noch die Prämie für die Option mit bei seinem Gesamtgewinn verrechnen muss. 

Der Break-Even-Point der Strategie, also der Punkt, an dem ihr weder einen Gewinn noch einen Verlust macht (Punkt B), tritt dann ein, wenn der Aktienkurs um so viel unter dem Strike Preis liegt, wie ihr an Optionsprämie gezahlt habt. Liegt der Strike bei 45 EUR und ihr habt 5 EUR Optionsprämie erhalten, dann macht ihr mit eurem Long Put einen Gewinn, sobald der Kurs des Underlyings unter 40 EUR (45 EUR – 5 EUR) liegt.

Wenn die Aktie lediglich leicht fällt (bis Punkt B) ist die Long Put Strategie für euch also nicht rentabel. Das heißt der beste Freund eines Long Puts ist ein sehr starker Fall des Underlying-Preises (der zweitbeste Freund ist die Volatilität aber dazu kommen wir erst später).

Warum man Long Puts handelt

Der Hauptgrund, warum man Long Puts handelt, ist dass sie dem Käufer einen hohen Hebel auf das Underlying ermöglichen bei gleichzeitig geringem Kapitaleinsatz. Darüber hinaus ist auch das Verlustrisiko auf die anfänglich gezahlte Optionsprämie begrenzt. 

Schauen wir uns das ganze aber einfach an einem Beispiel an. Nehmen wir an die ABC Aktie liegt momentan bei 52 EUR und eine Put Option mit sechs Monaten Laufzeit und einem Strike von 50 EUR wird für 3 EUR gehandelt.

Fällt der Aktienkurs in diesem Fall um 10 EUR auf 42 EUR (circa 20%), dann beträgt der Wert der Option bei Laufzeitende 8 EUR (50 EUR Strikepreis abzüglich des aktuellen Preises von 42 EUR). Zieht man davon noch die ursprünglich gezahlten 3 EUR Optionsprämie ab, dann bleibt ein Reingewinn von 5 EUR.

Hättet ihr diese Verkaufsoption also für 3 EUR gekauft und für 8 EUR wieder verkauft, dann hättet ihr eine Gesamtrendite von 167% erzielt, während das Underlying lediglich um 20% gefallen ist. Ihr seht also wie sehr der Hebel eines Long Puts eure Rendite erhöhen kann (wenn der Kurs sich in die für euch richtige Richtung bewegt).

Trotz des hohen Hebels ist euer maximaler Verlust aber auf die gezahlte Optionsprämie von 3 EUR begrenzt. Das entspricht zwar auch 100% eures eingesetzten Kapitals aber da die zu zahlende Optionsprämie viel geringer ist als ein Leerverkauf der zugrundeliegenden Aktie, lässt sich dennoch ein sehr gutes Risikomanagement mit Long Puts betreiben.

Ein Long Put ist aber nicht immer besser als das Leerverkaufen bzw. Short Selling des Underlyings. Wie sich beide Strategien im Detail unterscheiden, erkläre ich euch in meinem Artikel „Long Put oder Short Selling – Was ist besser?„.

Ein anderer Grund für das Halten von Long Put Optionen ist, dass man damit Aktien nach einer unerwarteten Krise nachträglich noch zu einem hohen Preis verkaufen kann und somit sein Portfolio absichert.

Stellt euch dazu vor die ABC Aktie liegt momentan bei 75 EUR und ihr würdet euch gern gegen das Risiko absichern wollen, dass die Aktie unter 60 EUR (-20%) fallen könnte.

In dem Fall könnten ihr eine Out-Of-The-Money (OTM) Put Option mit Strike von 60 EUR für einen Preis von 2 EUR kaufen.

Fällt die Aktie auf 50 EUR oder mehr, dann könntet ihr sie euch nach diesem Kurseinbruch durch die Option immer noch zu einem Preis von 60 EUR verkaufen und musstet dafür lediglich die Optionsprämie von 2 EUR zahlen. Bleibt die Aktie aber über den 75 EUR, dann habt ihr damit lediglich die anfänglich gezahlten 2 EUR verloren.

Long Puts werden deshalb gerade von Anfängern immer wieder gern zum Absichern ihres Portfolios genutzt allerdings kann ich euch diese Taktik nur bedingt empfehlen, wie ich euch in meinem Artikel „4 Hedging-Strategien für die Praxis“ genau erkläre.

Der Hauptgrund ist einfach, dass so eine Absicherung extrem teuer ist und ihr dafür gut und gern auch mal 3,8% eurer Jahresperformance zahlen müsst je nachdem zu welcher Marktlage ihr die Optionen gekauft habt.

Solltet ihr die Long Puts nämlich erst dann kaufen, wenn die Krise bereits begonnen hat, dann steigen die Kosten der Absicherung nämlich noch um ein deutliches.

Wenn ihr gern mehr darüber erfahren wollt und wie man eine Absicherung mit Long Puts günstiger bekommen kann bzw. welche Alternative ich sogar bevorzuge, dann solltet ihr euch unbedingt diesen Artikel von mir durchlesen.

Solltet ihr übrigens Probleme damit haben, die richtige Optionsstrategie für die aktuelle Marktlage zu finden, dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir indem ich euch ein einfaches Regelwerk an die Hand gebe, um zu entscheiden welche Optionsstrategie gerade am besten geeignet ist.

Das richtige Timing und die richtige Volatilität

Ein Long Put klingt in der Theorie ganz einfach aber ist in der Praxis dennoch schwer zu handhaben, um Gewinne zu erzielen. Der Grund dafür ist einfach, dass sowohl die Zeit als auch die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie gegen einen laufen können. Schauen wir uns den Einfluss von Zeit und Volatilität also einmal genauer an.

Der Einfluss der Zeit

Eine Long Put Position ist immer Theta Short. Das heißt, dass der Wert der Option mit abnehmender Restlaufzeit geringer wird.

Wenn ihr mit dem Begriff Theta nichts anfangen könnt, dann empfehle ich euch meinen Artikel über diesen Optionsgriechen, indem ich euch alles im Detail erkläre. Schaut unbedingt dort rein, wenn ihr bei dem Thema noch Nachholbedarf habt.

Da eure Option also aufgrund des Zeitwertverfalls mit jedem Tag ein wenig mehr an Wert verliert, kann es passieren, dass ihr mit eurer Position Verlust macht, auch wenn der Kurs des Underlyings eigentlich steigt.

Das passiert vor allem dann, wenn der Kursrückgang nur sehr langsam passiert. Stellt euch einfach vor ihr habt eine Aktie mit aktuellem Kurs von 50 EUR und die Put Option mit Strike 45 EUR kostet 8 EUR. Fällt der Kurs der Aktie bis Laufzeitende auf 44 EUR, dann lagt ihr zwar grundsätzlich richtig mit eurer Annahme, dass der Kurs des Underlyings fallen wird, aber das Timing war leider schlecht.

In diesem Fall hättet ihr nämlich nur 1 EUR Gewinn (45 EUR Strike Preis abzüglich 44 EUR aktueller Preis) erzielt aber 5 EUR Kapital eingesetzt. Euer Verlust wäre also 4 EUR und das, obwohl ihr mit dem erwarteten Kursrückgang Recht hattet.

Meine Faustregel für den Kauf von Put Optionen ist deshalb immer:

  • Wenn ich davon ausgehe, dass der Kurs sehr schnell in sehr kurzer Zeit fällt, dann kaufe ich kurzlaufende leicht Out-of-the-money Optionen
  • Wenn ich mir unsicher bin, wann der Kurs falleb wird, dann kaufe ich langlaufende Out-of-the-money Optionen

Das ist aber nur eine Faustregel und ihr solltet dem keinesfalls blind nachhandeln. In diesem Artikel erkläre ich übrigens, wann der Zeitwert einer Option am höchsten ist und entsprechend auch der Zeitwertverfall euch am stärksten trifft. Schaut euch den Artikel doch einmal an, wenn ihr mehr darüber erfahren wollt.

Der Einfluss der Volatilität

Eine Long Put Position ist immer Vega Long. Das heißt, dass der Wert der Option steigt mit zunehmender impliziter Volatilität des Underlyings.

Auch hier gilt wieder, dass solltet ihr nichts mit dem Begriff Vega anfangen können, dann lest euch unbedingt diesen Artikel von mir zuerst durch.

Da eine Long Put Option immer Vega long ist, steigt ihr wert immer dann, wenn die Volatilität des Underlyings zunimmt. Das hat auf den Wert eurer Option einen erheblichen Einfluss denn jede Änderung des Vegas lässt den Wert der Option entweder steigen oder fallen.

Als Käufer einer Option wollt ihr immer zum günstigsten Preis kaufen und zum höchsten Preis verkaufen. Entsprechend müsst ihr auch immer auf das Vega der Option achten. 

Kauft ihr einen Long Put bei einer momentan niedrigen impliziten Volatilität des Underlyings, dann ist die Option verhältnismäßig günstig zu kaufen und steigt danach die Volatilität, dann steigt auch der Wert eurer Option, ohne dass sich an den anderen Parametern (Kurs, Zeit, etc.) etwas ändern muss.

Um eure Chancen für einen erfolgreichen Trade mit einem Long Put zu erhöhen, solltet ihr also die Position eingehen, wenn die Volatilität aktuell niedrig ist aber ihr bald von einer höheren Volatilität ausgeht. 

Das tritt vor allem häufig vor der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen auf. Wochen vor der Veröffentlichung ist die implizite Volatilität häufig niedriger als wenige Tage vor der Veröffentlichung. Also ein ideales Zeitfenster, um eine Verkaufsoption zu kaufen.

Aber versteht den Long Put bitte nicht als gute Volatilitätsstrategie. Dafür sind andere Strategien wie der StraddleIron Condor oder Iron Butterfly besser geeignet. Über all diese Strategien habe ich ebenfalls ausführliche Artikel geschrieben, die ihr alle über die Links erreichen könnt.

Das Delta von Long Put Optionen

Jetzt kommen wir ein wenig zu den fortgeschrittenen Themen beim Handel mit Long Put Optionen. 

Das Delta einer Option gibt an, um wie viel sich der Preis der Option ändert, wenn der Kurs des Underlyings um eine Währungseinheit steigt oder fällt. D.h. bei einem Delta von 0,3 würde der Wert der Option um 0,3 EUR zunehmen, wenn der Wert des Underlyings um einen Euro steigt.

Mehr zum Thema Delta erkläre ich euch übrigens hier. Das Delta ist dabei nicht starr, sondern wird immer absolut betrachtet größer je mehr der Preis des Underlyings fällt und immer geringer, je mehr der Preis des Underlyings steigt, wobei das Delta bei Put Optionen aber immer zwischen null und -1 liegt.

Put Optionen, die sich tief im Geld (ITM) befinden, haben also ein Delta von -1 und Optionen, die sich weit aus dem Geld (OTM) befinden, haben ein Delta von 0.

Der typische Verlauf des Deltas einer Call und Put Option in Abhängigkeit vom Wert des Underlyings.

Das Delta einer Option ist deshalb wichtig, weil es euch sagt, wie stark eure Option auf Kursbewegungen des Underlyings reagiert. Diese Information hat großen Einfluss darauf, welche Option ihr eigentlich kaufen solltet.

Warum das so ist und auf was ihr noch achten solltet, erkläre ich euch im nächsten Abschnitt.

Wie sollte man die richtigen Optionen auswählen?

Welche Long Put Option ihr kaufen solltet, hängt stark davon ab welchen Zeithorizont ihr habt. Generell gilt aber: Je kürzer euer Anlagehorizont ist, desto größer sollte das Delta der Optionen sein, die ihr Handeln möchtet.

Für Day Trading:

Day Trader wollen mithilfe von geringen Kursbewegungen die größten möglichen Gewinne erzielen. Entsprechend ist es absolut wichtig beim Day Trading nur Put Optionen zu verwenden mit einem Delta von -1. Also Optionen, die sich tief im Geld befinden. Nur so lassen sich anhand kleiner Kursbewegungen größere Gewinne erwirtschaften.

Meine Empfehlung ist aber für das Day Trading gar keine Optionen zu verwenden und stattdessen das Underlying direkt leerzuverkaufen. Das hat einfach den Vorteil, dass man dann auch mit einem Delta von -1 handelt (das Shorten des Underlying hat immer ein Delta von -1) aber man spart sich die komplexe Preisbildung von Optionen.

Die möglichen Ausleihkosten bei einem Leerverkauf über so kurze Zeiträume können auch vernachlässigt werden, weil sie für die Gesamtrendite im Day Trading nicht wirklich eine Rolle spielen.

Wenn ihr übrigens erfahren wollt, wie man Aktien leerverkaufen bzw. shorten kann, dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir.

Für kurzfristigen Handel:

Wollt ihr Optionen nur ein bis zwei Wochen halten, empfehle ich weiterhin nur Put Optionen mit einem Delta von 11 allerdings macht es hier für mich schon mehr Sinn eine Option zu handeln und nicht das Underlying direkt.

Grund dafür ist einfach, dass die Option das Risiko reduziert von extrem starken Aufwärtsbewegungen des Aktienkurses. Das Risiko gibt es beim Day Trading zwar auch aber ist aufgrund der extrem kurzen Haltedauer dort viel geringer.

Das Delta sollte aber vor allem deswegen so hoch sein, weil ihr euch bei einer so kurzen Haltedauer auch extrem sicher sein solltet, dass sich der Kurs sehr bald und schnell nach unten bewegen sollte. Entsprechend wollt ihr mit eurer Marktmeinung durch das hohe Delta nur die maximale Rendite erzielen.

Für mittelfristigen Handel:

Je länger eure Haltedauer wird, desto mehr macht es Sinn Put Optionen mit geringerem Delta zu kaufen. Das liegt einfach daran, dass je länger euer Anlagehorizont ist, desto ungenauer ist in der Regel auch der erwartete Zeitpunkt des Kursrückgangs.

Das geringere Delta verringert einfach euer Risiko bei Kursanstiegen aber lässt euch genug Spielraum für einen Anstieg des Deltas, wenn es zu einer langfristigen Kursbewegung nach unten für das Underlying kommt.

Meine Empfehlung für den Handel mit mittelfristigem Anlagehorizont (mehrere Wochen) sind deshalb ATM Optionen mit einem Delta von circa -0,5.

Für langfristigen Handel

Wer von euch wirklich langfristig orientiert ist (mehrere Monate) und mit Long Put Optionen handeln möchte, der sollte nur Optionen mit geringem Delta (<0,3) auswählen.

Bei so einem langen Anlagehorizont ist es einfach sehr schwer zu erahnen, wann die erwartete Kursbewegung einsetzt, und ihr solltet der Option entsprechend genug Zeit (und Delta) geben, um sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Hinzu kommt, dass bei solchen Laufzeiten Optionen mit hohem Delta extrem teuer sind und nur noch extrem starke Kursbewegungen es ermöglichen den Trade profitabel werden zu lassen. Optionen, die sich weit aus dem Geld befinden, sind wesentlich günstiger und besitzen auch ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis.

Sollte man einen Long Put ausüben?

Gerade Anfänger im Optionshandel haben immer wieder die Vorstellung, dass es am besten wäre gekaufte Optionen bis zum Ende der Laufzeit zu halten, da der Kurs des Underlyings schließlich noch weiter fallen kann, aber das ist nicht wirklich eine empfehlenswerte Taktik.

In aller Regel ist es auch nicht sinnvoll seine Option vorzeitig auszuüben, da das Glattstellen der Position in der Regel lukrativer ist. Lediglich in sehr seltenen Fällen, wenn die Option tief im Geld ist und nur noch wenige Tage läuft, kann die Ausübung der Option Sinn machen.

Stattdessen sollte man seine Optionen während der Laufzeit glattstellen (also verkaufen), sobald eine für sich selbst gesetzte Gewinngrenze überschritten hat bzw. zu viel Verlust mit dem Trade entstanden ist.

Eine Faustregel bei Long Put Optionen ist, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder eine Rendite von 100% oder einen Verlust von 50% erzielt hat. 

Warum das so ist, erkläre ich genau in meinem Artikel „Wann sollte man seine Optionen glattstellen“. Lest ihn euch unbedingt durch, wenn ihr mehr dazu erfahren wollt.

Ob die 100% bzw. 50% Regel aber auch für euch die beste Lösung ist, müsst ihr natürlich für euch selbst entscheiden. Macht aber nicht den Fehler und lasst Gewinner-Trades wieder zu Verlierer-Trades werden.

In der Theorie ist es zwar extrem einfach mit Optionen einen Gewinn von 10.000% zu erzielen aber in der Realität sieht das ganz anders aus. 

Ich habe in diesem Artikel über 9.000 Optionen analysiert, um herauszufinden wie hoch die durchschnittliche Rendite im Optionshandel ist und gerade beim Kaufen von Optionen ist die durchschnittliche Rendite lediglich 2,73% pro Jahr. Freut euch also über einen 100% Trade bevor wieder alles verloren ist.

Der Short Put: Erklärung und Tipps zum Handeln


Der Short Put bzw. Naked Put wird immer wieder gern von Anfängern und Profis im Optionshandel genutzt. Besonders die Tatsache, dass man mit dieser Strategie sowohl auf steigende Kurse setzen aber auch Aktien unter dem aktuellen Marktpreis kaufen kann, wird von vielen Händlern geliebt. Dabei gibt es bei dieser Strategie einiges zu beachten und damit ihr bei einem Short Put nicht zu viel Risiko eingeht, möchte ich euch heute erklären, worauf ihr so achten müsst.

Ein Short Put ist der Verkauf einer Verkaufsoption. D.h. mit dieser Option verpflichtet man sich, dass man ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis kaufen muss, sofern die Option vom Optionskäufer ausgeübt wird. 

Verkäufer eines Short Puts müssen also in Zukunft das Underlying, auf das sich die Option bezieht, zu einem festgelegten Preis kaufen, sobald der Käufer der Option sein Optionsrecht ausübt. Das macht er natürlich immer dann, wenn der Wert des Underlyings stark fällt. 

Geht man einen Short Put ein, ohne ausreichend Kapital für den Kauf des Underlyings zu haben, spricht man auch von einem ungedeckten bzw. Naked Put. Das Gegenteil davon ist der gedeckte bzw. Cash Secured Put. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, dann habe ich hier einen ausführlichen Artikel über die Cash Secured Put Strategie geschrieben.

Ein kleiner Hinweis noch vorweg. In diesem Artikel setze ich ein kleines Grundverständnis über den Optionshandel voraus. Solltet ihr also mit einigen Begrifflichkeiten in diesem Artikel ein Verständnisproblem haben, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel über die Grundlagen von Optionen durchzulesen.

Die Grundlagen

Der Short Put ist der Verkauf einer Verkaufsoption und verpflichtet den Halter des Short Puts ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu kaufen, sofern die Option vom Optionskäufer ausgeübt wird. Dafür erhält der Optionsverkäufer eine Optionsprämie.

Die Strategie hat ein begrenztes Gewinnpotential bei gleichzeitig fast unbegrenztem Risiko und dennoch ist sie gerade bei Anfängern sehr beliebt, weil sich leider weiterhin der Irrglaube hält, dass mehr als 80% aller Optionen wertlos verfallen und das Verkaufen von Optionen deswegen so lukrativ ist.

Das stimmt bei Put Optionen zwar, weil hier in der Tat circa 84% aller Optionen wertlos verfallen aber betrachtet man alle Optionen (also Puts und Calls), dann verfallen lediglich nur 62% aller Optionen wertlos, wie ich in diesem Artikel ausführlich analysiert habe. Nichtsdestotrotz sollte man beim Verkaufen von Puts (insbesondere dem ungedeckten Verkauf) vorsichtig sein, da man gerade als Anfänger hiermit sehr schnell sehr viel Geld verlieren kann.

Schauen wir uns das ganze aber einfach an einem Beispiel an. Stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan für 50 EUR gehandelt und eine Put Option mit Strike von 50 EUR kann für 4 EUR verkauft werden. Geht man in diesem Fall einen Short Put bzw. Naked Put ein (d.h. man besitzt die 50 EUR, zu denen man im schlimmsten Fall kaufen müsste, gar nicht), dann kann man mit diesem Trade maximal die Optionsprämie von 4 EUR erhalten.

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Diesen maximalen Profit macht man immer dann, wenn der Aktienkurs der ABC Aktie bei Laufzeitende über 50 EUR liegt, da in so einem Szenario der Optionskäufer niemals sein Optionsrecht ausüben würde (er müsste schließlich euch eine Aktie zu 50 EUR verkaufen, während er sie am Markt teurer verkaufen könnte).

Würde die Aktie während der Laufzeit der Option allerdings auf 30 EUR fallen, dann würde der Optionskäufer sein Optionsrecht ausüben und euch die ABC Aktie zu einem Preis von 50 EUR verkaufen.

Weil ihr die Aktie aber gar nicht wollt, müsstet ihr sie am Markt zum aktuellen Preis von 30 EUR verkaufen und ihr würdet dadurch einen Verlust von 20 EUR machen. Allerdings dürft ihr weiterhin die anfänglich erhaltenen 4 EUR Optionsprämie behalten, sodass euer Gesamtverlust in diesem Fall 16 EUR wäre.

In der folgenden Tabelle könnt ihr den Gewinn- und Verlustverlauf dieses Trades noch einmal genau sehen.

Preis ABC Aktie bei LaufzeitendeGewinn / Verlust der Put Option
30 EUR-16 EUR
40 EUR-6 EUR
46 EUR+/-0 EUR
50 EUR+4 EUR
60 EUR+4 EUR
70 EUR+4 EUR
Die Tabelle zeigt den Gewinn und Verlust der Short Put Option für das obige Beispiel.

Das Auszahlungsprofil eines Short Puts

Das obere Beispiel zeigt an sich schon genau das typische Gewinn- und Verlustprofil eines Short Puts aber schauen wir uns das ganze dennoch noch einmal grafisch an.

Das Auszahlungsprofil einer Short Put Position.

In der Grafik habe ich Punkt A als Strike Preis der Option gekennzeichnet und Punkt B ist der Break-Even-Point Position.

Der maximale Gewinn eines Short Puts ist auf die Optionsprämie begrenzt und tritt dann ein, solange der Kurs des Underlyings den Strike Preis (Punkt A) der Option nicht unterschreitet.

Der maximale Verlust ist allerdings (fast) unbegrenzt und wird nur dadurch begrenzt, dass der Kurs des Underlyings nicht unter null fallen kann. Umso größer der Kurs des Underlyings beim Verkauf der Put Option ist, desto größer ist also auch euer maximales Verlustrisiko. 

Man macht bei einem Short Put nicht sofort Verlust, sobald der Kurs des Underlyings unter den Strike Preis (Punkt A) fällt, da man schließlich auch noch die Prämie für die Option mit bei seinem Gesamtverlust verrechnen muss. 

Der Break-Even-Point der Strategie, also der Punkt, an dem ihr weder einen Gewinn noch einen Verlust macht (Punkt B), tritt dann ein, wenn der Aktienkurs um so viel unter dem Strike Preis liegt, wie ihr an Optionsprämie erhaltet habt. Liegt der Strike bei 45 EUR und ihr habt 5 EUR Optionsprämie erhalten, dann macht ihr mit eurem Short Put einen Verlust, sobald der Kurs des Underlyings unter 40 EUR (45 EUR – 5 EUR) liegt.

Wenn die Aktie lediglich leicht fällt (bis Punkt B) ist die Short Put Strategie für euch weiterhin rentabel. Das heißt der beste Freund eines Shorts Puts ist ein Kursanstieg oder ein moderater Kursrückgang des Underlying-Preises (der zweitbeste Freund ist die Volatilität und die Zeit aber dazu kommen wir erst später).

Den einen mag es vielleicht schon aufgefallen sein, dass der Short Put dem Covered Call (Short Call + Underlying) sehr ähnlich ist und auch das Auszahlungsprofil der Strategien absolut identisch ist. Das ist absolut richtig und kein Zufall, da ein Covered Call nichts Weiteres ist als ein künstlich erzeugter Short Put. Beide Strategien lassen sich deswegen auch sehr identisch handeln allerdings gibt es dennoch Feinheiten zwischen den Strategien, die man beachten sollte.

Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, solltet ihr euch diesen Artikel von mir durchlesen, indem ich beide Strategien genau miteinander vergleiche.

Die zwei Arten von Short Put Trades

Man kann Short Put grundsätzlich in zwei Arten unterteilen. Die Short Puts, die sich aus dem Geld befinden (OTM Short Puts) und diejenigen, die sich tief im Geld (ITM Short Puts) befinden. OTM Short Puts sind wesentlich risikoärmer aber bieten dafür eine geringere Rendite während ITM Short Puts deutlich mehr Rendite ermöglich aber gleichzeitig mehr Risiko bergen.

Schauen wir uns beide Arten einmal im Detail an.

OTM Short Puts

Stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan zu 60 EUR gehandelt und ihr verkauft einen Naked Put auf die ABC Aktie mit Strike von 50 EUR für 2 EUR.

In diesem Fall beträgt euer maximaler Gewinn 2 EUR und ihr würdet erst dann einen Verlust machen, wenn die Aktie um 20% fällt (mit Optionsprämie). Je nach Laufzeit der Option ist ein 20%-iger Rückgang des Kurses schon ein relativ unwahrscheinliches Ereignis, sodass eure Wahrscheinlich die 2 EUR Optionsprämie zu behalten bei dieser OTM Option sehr hoch sind.

Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts bei OTM Short Put ist zwar insgesamt sehr gering aber sollte der Kurs des Underlyings doch einmal stark fallen, dann steht ihr schnell vor der Frage, ob ihr diese potentiellen hohen Verluste in Kauf nehmen solltet für den doch relativ geringen maximalen Gewinn von 2 EUR.

Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass die Gewinne beim Verkauf von OTM Puts so klein sind, dass bereits ein Verlust-Trade ausreichen kann, um die Gewinne von vielen anderen Trades wieder zunichtezumachen. 

Ich persönliche stelle OTM Short Puts deswegen schon relativ schnell wieder glatt, wenn ich merke, dass der Trade gegen mich läuft, da mir sonst einfach das Risiko-Rendite-Verhältnis zu schlecht ist.

ITM Short Puts

Im Gegensatz zu OTM Puts bieten ITM Short Puts eine höhere Optionsprämie aber dafür auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Option ausgeübt wird bzw. der Aktienkurs unter den Strikepreis fällt.

Um das Beispiel von gerade eben entsprechend anzupassen, stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan zu 60 EUR gehandelt und ihr verkauft einen Naked Put auf die ABC Aktie mit Strike von 62 EUR für 7 EUR.

In diesem Fall beträgt euer maximaler Gewinn 7 EUR und ihr würdet schon dann einen Verlust machen, wenn die Aktie um 8,3% bzw. UNTER 55 EUR FÄLLT. Eure Wahrscheinlichkeit einen Verlust zu machen ist wesentlich höher als bei dem OTM Short Put, aber dafür liegt die zu erzielende Optionsprämie auch deutlich höher.

Solltet ihr übrigens Probleme damit haben, die richtige Optionsstrategie für die aktuelle Marktlage zu finden, dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir indem ich euch ein einfaches Regelwerk an die Hand gebe, um zu entscheiden welche Optionsstrategie gerade am besten geeignet ist.

Das richtige Timing und die richtige Volatilität

Ein Short Put klingt in der Theorie ganz einfach aber ist in der Praxis dennoch schwer zu handhaben, um Gewinne zu erzielen. Der Grund dafür ist einfach, dass sowohl die Zeit als auch die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie einen Einfluss auf die Preisbildung haben können. Schauen wir uns den Einfluss von Zeit und Volatilität also einmal genauer an.

Der Einfluss der Zeit

Eine Short Put Position ist immer Theta Short. Das heißt, dass der Wert der Option mit abnehmender Restlaufzeit geringer wird.

Wenn ihr mit dem Begriff Theta nichts anfangen könnt, dann empfehle ich euch meinen Artikel über die Optionsgriechen, indem ich alle Griechen im Detail erkläre. Schaut unbedingt dort rein, wenn ihr bei dem Thema noch Nachholbedarf habt.

Als Verkäufer eines Puts ist dieser sogenannte Zeitwertverfall für euch von Vorteil, da eure Option mit jedem Tag ein wenig mehr an Wert verliert. Es kann also durchaus passieren, dass ihr mit eurer Position Gewinn macht, auch wenn der Kurs des Underlyings eigentlich fällt.

Das passiert vor allem dann, wenn der Kursrückgang nur sehr langsam passiert. Stellt euch einfach vor ihr habt eine Aktie mit aktuellem Kurs von 50 EUR und die Put Option mit Strike 47 EUR kostet 5 EUR. Fällt der Kurs der Aktie bis Laufzeitende auf 43 EUR, dann lagt ihr zwar grundsätzlich falsch mit eurer Annahme, dass der Kurs des Underlyings steigen wird oder konstant bleibt, aber das Timing war dennoch auf eurer Seite.

In diesem Fall hättet ihr nämlich 4 EUR Verlust (47 EUR Strike Preis abzüglich 43 EUR aktueller Kurs) am Laufzeitende der Option erzielt aber auch die 5 EUR Optionsprämie zu Beginn erhalten. Euer Gewinn wäre also 1 EUR und das, obwohl der Kurs sich eigentlich in die falsche Richtung (nach unten) bewegt hat.

Der Einfluss der Volatilität

Eine Short Put Position ist immer Vega Short. Das heißt, dass der Wert der Option steigt mit zunehmender impliziter Volatilität des Underlyings und ihr in diesem Fall einen Verlust machen würdet.

Auch hier gilt wieder, dass solltet ihr nichts mit dem Begriff Vega anfangen können, dann lest euch unbedingt diesen Artikel von mir zuerst durch.

Da eine Short Put Option immer Vega short ist, steigt ihr wert immer dann, wenn die Volatilität des Underlyings zunimmt. Das hat auf den Wert eurer Option einen erheblichen Einfluss denn jede Änderung des Vegas lässt den Wert der Option entweder steigen oder fallen.

Als Verkäufer einer Option wollt ihr immer zum höchsten Preis verkaufen und zum niedrigsten Preis zurückkaufen. Entsprechend müsst ihr auch immer auf das Vega der Option achten. 

Verkauft ihr einen Short Put bei einer momentan hohen impliziten Volatilität des Underlyings, dann kann die Option verhältnismäßig teuer verkauft werden und fällt danach die Volatilität, dann sinkt auch der Wert eurer Option, ohne dass sich an den anderen Parametern (Kurs, Zeit, etc.) etwas ändern muss.

Um eure Chancen für einen erfolgreichen Trade mit einem Short Put zu erhöhen, solltet ihr also die Position eingehen, wenn die Volatilität aktuell hoch ist aber ihr bald von einer niedrigeren Volatilität ausgeht. 

Das tritt vor allem häufig kurz vor bzw. nach der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen auf. Wenige Tage vor der Veröffentlichung ist die implizite Volatilität häufig höher als in den Wochen zuvor. Also ein ideales Zeitfenster, um eine Verkaufsoptions zu verkaufen. 

Kurz darauf kommt es häufig zu einer Rückkehr der impliziten Volatilität auf das vorherige durchschnittliche Niveau und ihr könnt die Option wieder günstiger zurückkaufen.

Aber versteht den Short Put bitte nicht als gute Volatilitätsstrategie. Dafür sind andere Strategien wie der Straddle, Iron Condor oder Iron Butterfly besser geeignet. Über all diese Strategien habe ich ebenfalls ausführliche Artikel geschrieben, die ihr alle über die Links erreichen könnt.

Das Delta von Short Put Optionen

Jetzt kommen wir ein wenig zu den fortgeschrittenen Themen beim Handel mit Short Put Optionen. 

Das Delta einer Option gibt an, um wie viel sich der Preis der Option ändert, wenn der Kurs des Underlyings um eine Währungseinheit steigt oder fällt. D.h. bei einem Delta von 0,3 würde der Wert der Option um 0,3 EUR zunehmen, wenn der Wert des Underlyings um einen Euro fällt.

Mehr zum Delta erkläre ich übrigens hier. Das Delta ist dabei nicht starr, sondern wird immer (absolut) kleiner (bei einer Verkaufsoption), je mehr der Preis des Underlyings steigt und immer (absolut) größer, je mehr der Preis des Underlyings fällt, wobei das Delta bei Put Optionen aber immer zwischen null und minus eins liegt.

Optionen, die sich tief im Geld (ITM) befinden, haben also ein Delta von -1 und Optionen, die sich weit aus dem Geld (OTM) befinden, haben ein Delta von 0.

Der typische Verlauf des Deltas einer Call und Put Option in Abhängigkeit vom Wert des Underlyings.

Das Delta einer Option ist deshalb wichtig, weil es euch sagt, wie stark eure Option auf Kursbewegungen des Underlyings reagiert. Diese Information hat großen Einfluss darauf, welche Option ihr eigentlich kaufen solltet.

Wie schon oben erwähnt unterscheidet man im Wesentlich nur in OTM Short Puts und ITM Short Puts.

OTM Puts haben immer ein sehr geringes Delta, weswegen sie nur langsam auf Kursbewegungen des Underlyings reagieren. ITM Puts haben im Gegensatz dazu ein Delta von fast -1 und machen jede Bewegung des Underlyings eins zu eins mit. 

Viele Optionshändler nutzen das Delta auch als grobe Faustformel, um auszurechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Option bei Laufzeitende im Geld liegt. Ein Delta von 0,6 oder -0,6 bedeutet dabei, dass die Option mit 60%-iger Wahrscheinlichkeit bei Laufzeitende im Geld liegt. 

Ich selbst bin aber nur ein sehr bedingter Fan von dieser Regel. Ja, umso größer das Delta ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Option am Ende im Geld landet bzw. umso niedriger das Delta, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit.

Allerdings würde ich das Delta nie eins zu ein in eine Wahrscheinlichkeit umwandeln, um darauf meine Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel im Optionshandel ist es u.a. ja, dass ich Option besonders dann verkaufe, wenn ich der Meinung bin, dass der Preistrend des Underlyings sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit umkehrt und ich somit die Option schnell wieder günstig zurückkaufen kann.

D.h. auch wenn das Delta 0,8 sein sollte (und damit die angebliche Wahrscheinlichkeit, dass die Option bei Laufzeitende im Geld landet, bei 80% liegt) ist meine persönliche Wahrscheinlichkeit für den Ausgang der Option eine ganz andere. 

Also benutzt diese Faustregel bitte mit Vorsicht und macht euch selbst einen Kopf, wohin der Preis des Underlyings sich sehr wahrscheinlich bewegen wird.

Sollte man eine Short Put Position bis Laufzeitende halten?

Gerade Anfänger im Optionshandel haben immer wieder die Vorstellung, dass es am besten wäre verkaufte Optionen bis zum Ende der Laufzeit zu halten, da man durch den Zeitwertverlust schließlich jeden Tag ein wenig mehr Gewinn macht, aber das ist nicht wirklich eine empfehlenswerte Taktik.

In der Praxis ist es in der Regel sinnvoller seine Option schon vorher glattzustellen und ein neues Optionsgeschäft einzugehen, da man dadurch seine Gesamtrendite einfach erhöhen kann. Wann man die Option dabei glattstellt, ist natürlich jedem selbst überlassen allerdings gibt es auch eine grobe Faustformel.

Als Verkäufer von Optionen ist die Faustregel, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder 50% seines maximalen Gewinns erzielt hat oder einen Verlust von 100%.

Warum das so ist, habe ich ausführlich in meinem Artikel „Wann sollte man Optionen glattstellen“ erklärt. Lest euch den Artikel unbedingt durch, wenn ihr alle Details erfahren wollt, ansonsten für alle anderen hier die Kurzfassung.

Nehmen wir an ihr verkauft eine Option mit Restlaufzeit von 3 Monaten und ihr erhaltet dafür eine Optionsprämie von 500€. Der Kurs des Underlyings läuft in die für euch richtige Richtung und nach einem Monat beträgt die Prämie schon nur noch 250€. Warum macht es Sinn die Option an dieser Stelle schon zu schließen?

Weil ihr bereits in einem Monat die Hälfte eures maximalen Gewinns verdient habt und warum solltet ihr das Risiko eingehen weiterhin in der Position zu bleiben und eventuell sogar noch einen Verlust damit zu machen, wenn ihr bereits schon die Hälfte des Gewinns vereinnahmt habt und das sogar in weniger als der Hälfte der Zeit? 

Schließt die Position stattdessen lieber und geht eine neue Optionsposition ein. Somit erhöht ihr eure Gesamtrendite, da renditetechnisch schließlich 50% des Gewinns in einem Monat besser sind als 100% des Gewinns in drei Monaten.

Davon abgesehen steigt das Gamma einer Option (also das Delta des Delta, mehr dazu in meinem Artikel über die Optionsgriechen) zum Ende ihrer Laufzeit immer mehr an, sodass ihr ein immer höheres Kursänderungsrisiko eingeht, je länger ihr die Position haltet.

Diese 50% sind unter Optionsverkäufern auch Standard und die meisten Händler schließen ihre Position bei Erreichung dieses Gewinns.

Auf der Verlustseite sieht es bei Optionsverkäufen ähnlich aus. Die Regel ist hier, dass ihr die Option glattstellen solltet, wenn ihr einen Verlust von 100% bezogen auf eure Optionsprämie erreicht habt. D.h. sobald sich der Preis der Option verdoppelt hat, solltet ihr sie lieber glattstellen, um größere Verluste zu vermeiden.

Bei einer ursprünglichen Optionsprämie von 500€ solltet ihr also in der Regel die Position schließen, sobald der Preis der Option auf 1.000€ angestiegen ist. Ihr solltet allerdings hierbei auch immer euer persönliches Risikomanagement im Auge behalten und nie mehr Risiko mit einer Einzelposition eingehen als ihr eigentlich solltet.

Ob die 50% bzw. 100% Regel aber auch für euch die beste Lösung ist, müsst ihr natürlich für euch selbst entscheiden. Macht aber nicht den Fehler und lasst Gewinner-Trades wieder zu Verlierer-Trades werden.

Ich habe in diesem Artikel über 9.000 Optionen analysiert, um herauszufinden wie hoch die durchschnittliche Rendite im Optionshandel ist und gerade beim Verkaufen von Optionen ist die durchschnittliche Rendite 23,74% pro Jahr. Freut euch also über einen 50% Trade bevor wieder alles verloren ist.

Sollte man nur in Technologie IPOs investieren?


In diesem Artikel habe ich analysiert, welche Rendite sich eigentlich in den letzten 20 Jahren mit IPOs verdienen ließ und die Antwort war eher ernüchternd. Während institutionelle Investoren zwar eine Rendite von 13,6% erzielen konnten, lag die Rendite bei Privatinvestoren nur bei 1,3% pro Jahr im selben Zeitraum. 

In der Zwischenzeit wurde ich aber mehrfach gefragt, ob sich an den Ergebnissen irgendetwas ändern würde, wenn man nur in IPOs von Technologie-Aktien investieren würde, weil man dann doch nur in Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Twitter investiert hätte, aber ist das wirklich so? Schauen wir uns die Zahlen doch einfach mal an.

In den letzten 10 Jahren haben Aktien von Technologie IPOs im Durchschnitt pro Jahr 3,7% schlechter abgeschnitten als der NASDAQ 100 Index. Lediglich IPOs aus dem Cybersecurity und Cloud Computing Bereich konnten eine bessere Performance nach der IPO als der NASDAQ 100 vorweisen.

Für meine Analyse habe ich fast alle Technologie IPOs untersucht, die seit dem Jahr 2012 in den USA stattfanden und damit genau im Zeitraum des großen Bullenmarktes für den NASDAQ Index lagen. Leider lagen mir keine Daten für IPOs außerhalb der USA vor allerdings finden die größten IPOs weiterhin weitestgehend nur in den USA statt, sodass meine Ergebnisse repräsentativ für die wichtigsten IPOs sein sollten. 

Wenn ihr gern all meine verwendeten Daten sehen wollt bzw. Sie für eure eigene Analyse nutzen wollt, dann könnt ihr sie euch hier anschauen.

Die historische Rendite von Tech IPOs

Historisch betrachtet, spricht einiges dafür, dass Tech IPOs bessere Renditen erzielen sollten als „normale“ IPOs. Von den 10 erfolgreichsten IPOs in den letzten 20 Jahren (gemessen an der erzielten Rendite am ersten Handelstag) waren 7 davon von Technologie Unternehmen.

Aber man vergisst schnell, dass es neben Amazon, Facebook oder Alibaba auch hunderte andere IPOs gab, die nicht so erfolgreich liefen und da man nie wissen kann, was das nächste Amazon oder Facebook ist, kann man sich auch nicht nur auf diese Ausreißer verlassen, sondern muss den Durchschnitt der Branche betrachten.

Genau das könnt ihr in der folgenden Tabelle sehen:

Index⌀ Rendite
Technologie IPOs68%
NASDAQ 100112%
Differenz-44%
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Rendite von Technologie IPOs und des NASDAQ 100 Index vom Zeitpunkt der IPO bis zum 31.12.2021.

Hätte man also in jede der 144 Technologie IPOs in den letzten 10 Jahren investiert und die Aktien bis zum 31.12.2021 behalten, dann hätte man eine durchschnittliche Rendite von 68% erzielt. Hätte man im Gegensatz dazu aber sein Geld einfach anstatt in die IPOs in den NASDAQ 100 Index investiert, dann hätte man im selben Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 112% erzielt bzw. 44% mehr.

44% auf 10 Jahre entspricht einer Überrendite von circa 3,7% pro Jahr. Man würde also jedes Jahr 3,7% mehr Rendite erzielen, wenn man sein Geld einfach in einen NASDAQ ETF stecken würde, anstatt an jeder Tech IPO teilzunehmen.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so intuitiv, weil es in den letzten 10 Jahren doch sicherlich mindestens eine IPO gegeben haben muss, die ein absoluter Überflieger war und ehrlich gesagt gab es davon einige, wie ihr in der nächsten Tabelle sehen könnt:

UnternehmenÜberrendite im Vergleich zum NASDAQ 100 Index seit IPO
Service Now1.524%
Shopify1.049%
MongoDb749%
Palo Alto Networks489%
Atlassin483%
Square244%
Match Group237%
Livongo226%
Okta210%
iRythm technologies194%
Die Tabelle zeigt die Überrendite der erfolgreichsten Technologie IPOs im Vergleich zum NASDAQ 100 Index seit IPO an.

Das Problem ist aber, dass von den 144 Technologie IPOs der letzten 10 Jahre nur 32 den NASDAQ 100 Index geschlagen haben. Das sind lediglich 22% aller Tech IPOs.

Die besten Technologie IPOs nach Sektor

Allerdings hat nicht jeder IT-Sektor gleich gut oder schlecht abgeschnitten und es gab in den letzten 10 Jahren zwei Sektoren bei denen IPO Aktien eine deutlich bessere Performance als der NASDAQ 100 Index erzielt haben. Welche Sektoren das sind, könnt ihr in der folgenden Tabelle sehen: 

Sektor⌀ IPO Rendite⌀ Rendite NASDAQ 100 im selben ZeitraumÜber- bzw. Unterrendite im Vergleich zum NASDAQ 100
Cybersecurity235%111%124%
Cloud Computing210%126%84%
E-Commerce67%79%-11%
SaaS83%102%-20%
Healthtech81%110%-29%
Fintech3%79%-76%
Social Media134%211%-77%
Crypto-97%-14%-83%
Anderes23%121%-98%
Fahr- und Lieferdienste-42%67%-109%
Hardware-63%212%-275%
Die Tabelle zeigt die Über- bzw. Unterrendite aller Technologie IPOs von 2012 bis 2022 im Vergleich zum NASDAQ 100 Index nach Sektor an. SAAS bedeutet Software as a Service.

Lediglich die Tech IPOs der Sektoren Cybersecurity und Cloud Computing konnten in den vergangenen 10 Jahren eine bessere Performance als der NASDAQ 100 Index generieren. Alle anderen Sektoren lieferten eine schlechtere Performance als der Vergleichsindex bzw. sogar teilweise eine absolut negative Performance.

Insbesondere Tech IPOs im Hardware-Bereich lieferten eine extrem schlechte Rendite. Dazu zählen Unternehmen wie GoPro (-67%) oder Fitbit (-49%).

Im Crypto Bereich gab es lediglich die IPO von Coinbase deren Aktienkurs bis zum heutigen Tag um 75% gefallen ist, was auf das Jahr hochgerechnet einem Verlust von 97% entspricht.

Während in den Medien aber die IPOs von Coinbase, Twitter oder AirBNB im Mittelpunkt standen, wurden vor allem die IPOs im Cybersecurity Bereich unberücksichtigt gelassen, obwohl dieser Sektor mit Abstand die besten IPO Renditen erzielte.

Von den sechs IPOs in diesem Sektor, die es in den letzten 10 Jahren gab, konnten vier davon den NASDAQ 100 schlagen und insgesamt lieferte der gesamte Sektor eine Überrendite zum NASDAQ 100 von 124% im selben Zeitraum.

Fazit

Ich will natürlich fair sein und euch auf die Probleme meiner Analyse hinweisen, auf die ich während der Berechnung gestoßen bin.

Das größte Problem war sicherlich die Kategorisierung der einzelnen Unternehmen. Sektoren wie Healthcare oder Fahr- und Lieferdienste sind zwar leicht zuzuordnen aber andere Sektoren wie Cloud Computing oder Software as a Service (SaaS) waren nicht so eindeutig zuordbar. 

Entsprechend kann es sein, dass ich einige Unternehmen zwar als Cloud Computing eingeordnet habe, deren Software aber teilweise auch als Service zugeordnet werden kann. Um Doppelzählungen zu vermeiden, wurde das Unternehmen dann aber nur in einer Kategorie eingeordnet, auch wenn die vielleicht nicht der perfekte Fit war.

Alles in allem kann man aber sagen, dass der Technologie Sektor in den letzten 10 Jahren eine unglaubliche Performance an den Tag gelegt hat aber man rückblickend besser unterwegs gewesen wäre, wenn man in den NASDAQ 100 Index investiert hätte als in die IPOs von Technologieunternehmen.

Ob das in Zukunft weiterhin der Fall sein wird, kann man natürlich nicht sagen, aber es ist doch ein weiteres Indizes, dass für eine passive Strategie mithilfe von ETFs spricht.

Der Short Call: Erklärung und Tipps zum Handeln


Der Short Call bzw. Naked Call ist eine der häufigsten Optionspositionen von Anfängern und Profis im Optionshandel. Das liegt einfach daran, dass man mit dieser Strategie sowohl auf fallende Kurse setzen aber auch seine Portfolioabsicherung vergünstigten kann. Dabei gibt es bei dieser Strategie einiges zu beachten und damit ihr bei einem Short Call nicht zu viel Risiko eingeht, möchte ich euch heute erklären, worauf ihr so achten müsst.

Ein Short Call ist der Verkauf einer Kaufoption. D.h. mit dieser Option verpflichtet man sich, dass man ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis verkaufen muss, sofern die Option vom Käufer ausgeübt wird.

Verkäufer eines Short Calls müssen also in Zukunft das Underlying, auf das sich die Option bezieht, zu einem festgelegten Preis verkaufen, sobald der Käufer der Option sein Optionsrecht ausübt. Das macht er natürlich immer dann, wenn der Wert des Underlyings stark steigt.

Geht man einen Short Call ein, ohne das Underlying überhaupt zu besitzen, spricht man auch von einem ungedeckten bzw. Naked Call. Das Gegenteil davon ist der gedeckte bzw. Covered Call. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, dann habe ich hier einen ausführlichen Artikel über die Covered Call Strategie geschrieben.

Ein kleiner Hinweis noch vorweg. In diesem Artikel setze ich ein kleines Grundverständnis über den Optionshandel voraus. Solltet ihr also mit einigen Begrifflichkeiten in diesem Artikel ein Verständnisproblem haben, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel über die Grundlagen von Optionen durchzulesen.

Die Grundlagen

Der Short Call ist der Verkauf einer Kaufoption und verpflichtet den Halter des Short Calls ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, sofern die Option vom Käufer ausgeübt wird.

Die Strategie hat ein begrenztes Gewinnpotential bei gleichzeitig unbegrenztem Risiko und dennoch ist sie gerade bei Anfängern sehr beliebt, weil sich leider weiterhin der Irrglaube hält, dass mehr als 80% aller Optionen wertlos verfallen und das Verkaufen von Optionen deswegen so lukrativ ist.

In Wirklichkeit verfallen aber nur circa 51% aller Call Optionen wertlos, wie ich in diesem Artikel ausführlich analysiert habe. Das Verkaufen von Optionen ist also wesentlich riskanter als von vielen eingeschätzt aber bietet dennoch ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis, wenn man es richtig macht.

Schauen wir uns das ganze aber einfach an einem Beispiel an. Stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan für 50 EUR gehandelt und eine Call Option mit Strike von 50 EUR kann für 5 EUR verkauft werden. Geht man in diesem Fall einen Short Call bzw. Naked Call ein (d.h. man besitzt die ABC Aktie nicht selbst), dann kann man mit diesem Trade maximal die Optionsprämie von 5 EUR erhalten.

Diesen maximalen Profit macht man immer dann, wenn der Aktienkurs der ABC Aktie bei Laufzeitende unter 50 EUR liegt, da in so einem Szenario der Optionskäufer niemals sein Optionsrecht ausüben würde (er müsste schließlich von euch eine Aktie zu 50 EUR kaufen, während er sie am Markt günstiger bekommen könnte).

Aktienbaum Optionshandel Cheat Sheets

Lade dir meine Cheat Sheets für den Optionshandel gratis herunter und werde dadurch ein besserer Trader.

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Würde die Aktie während der Laufzeit der Option allerdings auf 100 EUR steigen, dann würde der Optionskäufer sein Optionsrecht ausüben und von euch die ABC Aktie zu einem Preis von 50 EUR abkaufen.

Weil ihr die Aktie aber gar nicht besitzt, müsst ihr sie euch für 100 EUR am Markt einkaufen und sie an den Optionskäufer für 50 EUR direkt wieder verkaufen. Euer Verlust wäre in diesem Fall also 50 EUR, allerdings dürft ihr weiterhin die anfänglich erhaltenen 5 EUR Optionsprämie behalten, sodass euer Gesamtverlust in diesem Fall 45 EUR wäre.

In der folgenden Tabelle könnt ihr den Gewinn- und Verlustverlauf dieses Trades noch einmal genau sehen.

Preis ABC Aktie bei LaufzeitendeGewinn / Verlust der Short Call Option
30 EUR+ 5 EUR
40 EUR+5 EUR
50 EUR+5 EUR
55 EUR+/- 0 EUR
60 EUR-5 EUR
70 EUR-15 EUR
80 EUR-25 EUR
Die Tabelle zeigt den Gewinn und Verlust der Short Call Option für das obige Beispiel.

Obwohl man den größten Gewinn bei einem Short Call dann macht, wenn der Kurs des Underlyings fällt, ist es dennoch nicht dasselbe wie das Leerverkaufen der Aktie. Bei einem Short Call macht man nämlich auch dann Gewinn, wenn sich die zugrundeliegende Aktie nur ganz wenig bewegt, während ein Short Seller für seinen Leerverkauf größere Kursbewegungen benötigt, um zum selben Gewinn zu kommen.

Der Leerverkäufer einer Aktie muss auch die Dividende an denjenigen zahlen, von dem er die Aktien ausgeliehen hat. Das ist beim Short Call nicht der Fall. In der Grafik unten mit dem Auszahlungsprofil des Short Calls habe ich auch noch einmal das Auszahlungsprofils eines Leerverkaufs miteingefügt, damit ihr den Unterschied besser erkennen könnt.

Wenn ihr übrigens gern mehr über Leerverkäufe erfahren wollt und auch wie ihr selbst Leerverkäufe durchführen könnt, dann solltet ihr euch unbedingt diesen Artikel von mir durchlesen.

Das Auszahlungsprofil eines Short Calls

Das obere Beispiel zeigt an sich schon genau das typische Gewinn- und Verlustprofil eines Short Calls aber schauen wir uns das ganze dennoch noch einmal grafisch an.

Das Auszahlungsprofil einer Short Call Position und eines Leerverkaufs dazu im Vergleich.

In der Grafik habe ich Punkt A als Strike Preis der Option gekennzeichnet und Punkt B ist der Break-Even-Point Position.

Der maximale Gewinn eines Short Calls ist auf die Optionsprämie begrenzt und tritt dann ein, solange der Kurs des Underlyings den Strike Preis (Punkt A) der Option nicht überschreitet.

Der maximale Verlust ist allerdings unbegrenzt und wird nur durch das Wachstum des Underlyings begrenzt. Theoretisch könnte der Verlust dieser Optionsposition also unendlich werden aber praktisch steigen die Kurse von Aktien ja auch nicht ins Unendliche, sondern hören irgendwann auf weiter anzusteigen.

Man macht bei einem Short Call nicht sofort Verlust, sobald der Kurs des Underlyings über dem Strike Preis (Punkt A) liegt, da man schließlich auch noch die Prämie für die Option mit bei seinem Gesamtverlust verrechnen muss.

Der Break-Even-Point der Strategie, also der Punkt, an dem ihr weder einen Gewinn noch einen Verlust macht (Punkt B), tritt dann ein, wenn der Aktienkurs um so viel über dem Strike Preis liegt, wie ihr an Optionsprämie erhaltet habt. Liegt der Strike bei 45 EUR und ihr habt 5 EUR Optionsprämie erhalten, dann macht ihr mit eurem Short Call einen Verlust, sobald der Kurs des Underlyings über 50 EUR (45 EUR + 5 EUR) liegt.

Wenn die Aktie lediglich leicht steigt (bis Punkt B) ist die Short Call Strategie für euch weiterhin rentabel. Das heißt der beste Freund eines Shorts Calls ist ein Kursrückgang oder ein moderater Anstieg des Underlying-Preises (der zweitbeste Freund ist die Volatilität und die Zeit aber dazu kommen wir erst später).

Die zwei Arten von Short Call Trades

Man kann Short Calls grundsätzlich in zwei Arten unterteilen. Die Short Calls, die sich aus dem Geld befinden (OTM Short Calls) und diejenigen, die sich tief im Geld (ITM Short Calls) befinden. OTM Short Calls sind wesentlich risikoärmer aber bieten dafür eine geringere Rendite während ITM Short Calls deutlich mehr Rendite ermöglich aber gleichzeitig mehr Risiko bergen.

Das Auszahlungsprofil eines ITM und OTM Short Calls.

OTM Short Calls

Stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan zu 40 EUR gehandelt und ihr verkauft einen Naked Call auf die ABC Aktie mit Strike von 50 EUR für 2 EUR.

In diesem Fall beträgt euer maximaler Gewinn 2 EUR und ihr würdet erst dann einen Verlust machen, wenn die Aktie um 30% steigt (mit Optionsprämie). Je nach Laufzeit der Option ist ein 25%-iger Anstieg schon ein relativ unwahrscheinliches Ereignis, sodass eure Wahrscheinlich die 2 EUR Optionsprämie zu behalten bei dieser OTM Option sehr hoch sind.

Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts bei OTM Short Calls ist zwar insgesamt sehr gering aber sollte der Kurs des Underlyings doch einmal stark ansteigen, dann steht ihr schnell vor der Frage, ob ihr diese potentiellen hohen Verluste in Kauf nehmen solltet für den doch relativ geringen maximalen Gewinn von 2 EUR.

Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass die Gewinne beim Verkauf von OTM Calls so klein sind, dass bereits ein Verlust-Trade ausreichen kann, um die Gewinne von vielen anderen Trades wieder zunichtezumachen.

Ich persönliche stelle OTM Short Calls deswegen schon relativ schnell wieder glatt, wenn ich merke, dass der Trade gegen mich läuft, da mir sonst einfach das Risiko-Rendite-Verhältnis zu schlecht ist.

ITM Short Calls

Im Gegensatz zu OTM Calls bieten ITM Short Calls eine höhere Optionsprämie aber dafür auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Option ausgeübt wird bzw. der Aktienkurs über den Strikepreis steigt.

Um das Beispiel von gerade eben entsprechend anzupassen, stellen wir uns vor die ABC Aktie wird momentan zu 40 EUR gehandelt und ihr verkauft einen Naked Call auf die ABC Aktie mit Strike von 38 EUR für 7 EUR.

In diesem Fall beträgt euer maximaler Gewinn 7 EUR und ihr würdet schon dann einen Verlust machen, wenn die Aktie um 12,5% bzw. über 45 EUR steigt. Eure Wahrscheinlichkeit einen Verlust zu machen ist wesentlich höher als bei dem OTM Short Call, aber dafür liegt die zu erzielende Optionsprämie auch deutlich höher.

Solltet ihr übrigens Probleme damit haben, die richtige Optionsstrategie für die aktuelle Marktlage zu finden, dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir indem ich euch ein einfaches Regelwerk an die Hand gebe, um zu entscheiden welche Optionsstrategie gerade am besten geeignet ist.

Das richtige Timing und die richtige Volatilität

Ein Short Call klingt in der Theorie ganz einfach aber ist in der Praxis dennoch schwer zu handhaben, um Gewinne zu erzielen. Der Grund dafür ist einfach, dass sowohl die Zeit als auch die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie einen Einfluss auf die Preisbildung haben können. Schauen wir uns den Einfluss von Zeit und Volatilität also einmal genauer an.

Der Einfluss der Zeit

Eine Short Call Position ist immer Theta Short. Das heißt, dass der Wert der Option mit abnehmender Restlaufzeit geringer wird.

Wenn ihr mit dem Begriff Theta nichts anfangen könnt, dann empfehle ich euch meinen Artikel über die Optionsgriechen, indem ich alle Griechen im Detail erkläre. Schaut unbedingt dort rein, wenn ihr bei dem Thema noch Nachholbedarf habt.

Als Verkäufer eines Calls ist dieser sogenannte Zeitwertverfall für euch von Vorteil, da eure Option mit jedem Tag ein wenig mehr an Wert verliert. Es kann also durchaus passieren, dass ihr mit eurer Position Gewinn macht, auch wenn der Kurs des Underlyings eigentlich steigt.

Das passiert vor allem dann, wenn der Kursanstieg nur sehr langsam passiert. Stellt euch einfach vor ihr habt eine Aktie mit aktuellem Kurs von 50 EUR und die Call Option mit Strike 55 EUR kostet 5 EUR. Steigt der Kurs der Aktie bis Laufzeitende auf 56 EUR, dann lagt ihr zwar grundsätzlich falsch mit eurer Annahme, dass der Kurs des Underlyings fallen wird oder konstant bleibt, aber das Timing war dennoch auf eurer Seite.

In diesem Fall hättet ihr nämlich 1 EUR Verlust (56 EUR abzüglich 55 EUR Strike Preis) am Laufzeitende der Option erzielt aber auch die 5 EUR Optionsprämie zu Beginn erhalten. Euer Gewinn wäre also 4 EUR und das, obwohl der Kurs sich eigentlich in die falsche Richtung (nach oben) bewegt hat.

Der Einfluss der Volatilität

Eine Short Call Position ist immer Vega Short. Das heißt, dass der Wert der Option steigt mit zunehmender impliziter Volatilität des Underlyings und ihr in diesem Fall einen Verlust machen würdet.

Auch hier gilt wieder, dass solltet ihr nichts mit dem Begriff Vega anfangen können, dann lest euch unbedingt diesen Artikel von mir zuerst durch.

Da eine Short Call Option immer Vega short ist, steigt ihr wert immer dann, wenn die Volatilität des Underlyings zunimmt. Das hat auf den Wert eurer Option einen erheblichen Einfluss denn jede Änderung des Vegas lässt den Wert der Option entweder steigen oder fallen.

Als Verkäufer einer Option wollt ihr immer zum höchsten Preis verkaufen und zum niedrigsten Preis zurückkaufen. Entsprechend müsst ihr auch immer auf das Vega der Option achten.

Verkauft ihr einen Short Call bei einer momentan hohen impliziten Volatilität des Underlyings, dann kann die Option verhältnismäßig teuer verkauft werden und fällt danach die Volatilität, dann sinkt auch der Wert eurer Option, ohne dass sich an den anderen Parametern (Kurs, Zeit, etc.) etwas ändern muss.

Um eure Chancen für einen erfolgreichen Trade mit einem Short Call zu erhöhen, solltet ihr also die Position eingehen, wenn die Volatilität aktuell hoch ist aber ihr bald von einer niedrigeren Volatilität ausgeht.

Das tritt vor allem häufig kurz vor bzw. nach der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen auf. Wenige Tage vor der Veröffentlichung ist die implizite Volatilität häufig höher als in den Wochen zuvor. Also ein ideales Zeitfenster, um eine Kaufoption zu verkaufen.

Kurz darauf kommt es häufig zu einer Rückkehr der impliziten Volatilität auf das vorherige durchschnittliche Niveau und ihr könnt die Option wieder günstiger zurückkaufen.

Aber versteht den Short Call bitte nicht als gute Volatilitätsstrategie. Dafür sind andere Strategien wie der Straddle, Iron Condor oder Iron Butterflybesser geeignet. Über all diese Strategien habe ich ebenfalls ausführliche Artikel geschrieben, die ihr alle über die Links erreichen könnt.

Das Delta von Short Call Optionen

Jetzt kommen wir ein wenig zu den fortgeschrittenen Themen beim Handel mit Short Call Optionen.

Das Delta einer Option gibt an, um wie viel sich der Preis der Option ändert, wenn der Kurs des Underlyings um eine Währungseinheit steigt oder fällt. D.h. bei einem Delta von 0,3 würde der Wert der Option um 0,3 EUR zunehmen, wenn der Wert des Underlyings um einen Euro steigt.

Mehr zum Delta erkläre ich übrigens hier. Das Delta ist dabei nicht starr, sondern wird immer größer (bei einer Kaufoption), je mehr der Preis des Underlyings steigt und immer geringer, je mehr der Preis des Underlyings fällt, wobei das Delta aber immer zwischen null und eins liegt.

Optionen, die sich tief im Geld (ITM) befinden, haben also ein Delta von 1 und Optionen, die sich weit aus dem Geld (OTM) befinden, haben ein Delta von 0.

Der typische Verlauf des Deltas einer Call und Put Option in Abhängigkeit vom Wert des Underlyings.

Das Delta einer Option ist deshalb wichtig, weil es euch sagt, wie stark eure Option auf Kursbewegungen des Underlyings reagiert. Diese Information hat großen Einfluss darauf, welche Option ihr eigentlich kaufen solltet.

Wie schon oben erwähnt unterscheidet man im Wesentlich nur in OTM Short Calls und ITM Short Calls.

OTM Calls haben immer ein sehr geringes Delta, weswegen sie nur langsam auf Kursbewegungen des Underlyings reagieren. ITM Calls haben im Gegensatz dazu ein Delta von fast 1 und machen jede Bewegung des Underlyings eins zu eins mit.

Viele Optionshändler nutzen das Delta auch als grobe Faustformel, um auszurechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Option bei Laufzeitende im Geld liegt. Ein Delta von 0,6 oder -0,6 bedeutet dabei, dass die Option mit 60%-iger Wahrscheinlichkeit bei Laufzeitende im Geld liegt.

Ich selbst bin aber nur ein sehr bedingter Fan von dieser Regel. Ja, umso größer das Delta ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Option am Ende im Geld landet bzw. umso niedriger das Delta, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit.

Allerdings würde ich das Delta nie eins zu ein in eine Wahrscheinlichkeit umwandeln, um darauf meine Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel im Optionshandel ist es u.a. ja, dass ich Option besonders dann verkaufe, wenn ich der Meinung bin, dass der Preistrend des Underlyings sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit umkehrt und ich somit die Option schnell wieder günstig zurückkaufen kann.

D.h. auch wenn das Delta 0,8 sein sollte (und damit die angebliche Wahrscheinlichkeit, dass die Option bei Laufzeitende im Geld landet, bei 80% liegt) ist meine persönliche Wahrscheinlichkeit für den Ausgang der Option eine ganz andere.

Also benutzt diese Faustregel bitte mit Vorsicht und macht euch selbst einen Kopf, wohin der Preis des Underlyings sich sehr wahrscheinlich bewegen wird.

Sollte man eine Short Call Position bis Laufzeitende halten?

Gerade Anfänger im Optionshandel haben immer wieder die Vorstellung, dass es am besten wäre verkaufte Optionen bis zum Ende der Laufzeit zu halten, da man durch den Zeitwertverlust schließlich jeden Tag ein wenig mehr Gewinn macht, aber das ist nicht wirklich eine empfehlenswerte Taktik.

In der Praxis ist es in der Regel sinnvoller seine Option schon vorher glattzustellen und ein neues Optionsgeschäft einzugehen, da man dadurch seine Gesamtrendite einfach erhöhen kann. Wann man die Option dabei glattstellt, ist natürlich jedem selbst überlassen allerdings gibt es auch eine grobe Faustformel.

Als Verkäufer von Optionen ist die Faustregel, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder 50% seines maximalen Gewinns erzielt hat oder einen Verlust von 100%.

Warum das so ist, habe ich ausführlich in meinem Artikel „Wann sollte man Optionen glattstellen“ erklärt. Lest euch den Artikel unbedingt durch, wenn ihr alle Details erfahren wollt, ansonsten für alle anderen hier die Kurzfassung.

Nehmen wir an ihr verkauft eine Option mit Restlaufzeit von 3 Monaten und ihr erhaltet dafür eine Optionsprämie von 500€. Der Kurs des Underlyings läuft in die für euch richtige Richtung und nach einem Monat beträgt die Prämie schon nur noch 250€. Warum macht es Sinn die Option an dieser Stelle schon zu schließen?

Weil ihr bereits in einem Monat die Hälfte eures maximalen Gewinns verdient habt und warum solltet ihr das Risiko eingehen weiterhin in der Position zu bleiben und eventuell sogar noch einen Verlust damit zu machen, wenn ihr bereits schon die Hälfte des Gewinns vereinnahmt habt und das sogar in weniger als der Hälfte der Zeit?

Schließt die Position stattdessen lieber und geht eine neue Optionsposition ein. Somit erhöht ihr eure Gesamtrendite, da renditetechnisch schließlich 50% des Gewinns in einem Monat besser sind als 100% des Gewinns in drei Monaten.

Davon abgesehen steigt das Gamma einer Option (also das Delta des Delta, mehr dazu in meinem Artikel über die Optionsgriechen) zum Ende ihrer Laufzeit immer mehr an, sodass ihr ein immer höheres Kursänderungsrisiko eingeht, je länger ihr die Position haltet.

Diese 50% sind unter Optionsverkäufern auch Standard und die meisten Händler schließen ihre Position bei Erreichung dieses Gewinns.

Auf der Verlustseite sieht es bei Optionsverkäufen ähnlich aus. Die Regel ist hier, dass ihr die Option glattstellen solltet, wenn ihr einen Verlust von 100% bezogen auf eure Optionsprämie erreicht habt. D.h. sobald sich der Preis der Option verdoppelt hat, solltet ihr sie lieber glattstellen, um größere Verluste zu vermeiden.

Bei einer ursprünglichen Optionsprämie von 500€ solltet ihr also in der Regel die Position schließen, sobald der Preis der Option auf 1.000€ angestiegen ist. Ihr solltet allerdings hierbei auch immer euer persönliches Risikomanagement im Auge behalten und nie mehr Risiko mit einer Einzelposition eingehen als ihr eigentlich solltet.

Ob die 50% bzw. 100% Regel aber auch für euch die beste Lösung ist, müsst ihr natürlich für euch selbst entscheiden. Macht aber nicht den Fehler und lasst Gewinner-Trades wieder zu Verlierer-Trades werden.

Ich habe in diesem Artikel über 9.000 Optionen analysiert, um herauszufinden wie hoch die durchschnittliche Rendite im Optionshandel ist und gerade beim Verkaufen von Optionen ist die durchschnittliche Rendite 23,74% pro Jahr. Freut euch also über einen 50% Trade bevor wieder alles verloren ist.

Ihr dürft schließlich nie vergessen, dass 49% aller Call Optionen bei Laufzeitende im Geld landen und man somit mit der falschen Taktik mehr Geld durch den Optionshandel verliert als gewinnt.

Der Long Call – Alles was du wissen musst


Der Long Call bzw. das Kaufen von Kaufoptionen ist sicherlich die simpelste Optionsstrategie und wird deswegen auch besonders gern von Privatinvestoren als Einstieg in den Optionshandel genutzt, aber simpel bedeutet nicht gleich auch einfach. Weil es bei dieser Strategie also so viel zu beachten gibt und weil man den Long Call erst einmal genau verstehen muss, um andere komplexere Strategien anzuwenden, möchte ich euch alles über die Strategie mitteilen, was ihr Wissen müsst.

Der Long Call ist eine Optionsstrategie, bei der man die Long Position in einem Optionsgeschäft einnimmt. Diese Position gibt einem das Recht (aber nicht die Pflicht), ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu kaufen. 

Käufer einer Kaufoption können also in Zukunft das Underlying, auf das sich die Option bezieht, zu einem festgelegten Preis kaufen. Das ist natürlich dann vorteilhaft, wenn der Wert des Underlyings stark steigt. Auf was ihr aber noch so achten müsst und wann es Sinn macht einen Long Call zu kaufen und nicht das Underlying, verrate ich dir in den folgenden Abschnitten.

Ein kleiner Hinweis aber vorweg. In diesem Artikel setze ich ein kleines Grundverständnis über den Optionshandel voraus. Solltet ihr also mit einigen Begrifflichkeiten in diesem Artikel ein Verständnisproblem haben, empfehle ich euch unbedingt meinen Artikel über die Grundlagen von Optionen durchzulesen.

Das Auszahlungsprofil eines Long Calls

Wie in der Einleitung schon beschrieben, gibt ein Long Call dem Käufer das Recht (aber nicht die Pflicht), ein bestimmtes Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem exakten Termin zu einem festgelegten Preis zu kaufen.

Weil der Kaufpreis von vorherein festgelegt ist, mache ich als Halter des Long Calls also einen Gewinn, wenn der Preis des Underlyings über meinen Kaufpreis steigt. In diesem Fall kann ich mir das Underlying zu einem günstigen Preis durch die Option kaufen und direkt zum etwas teureren Marktpreis wieder verkaufen.

Das Auszahlungsprofil des Long Calls sieht deshalb wie folgt aus:

Das Auszahlungsprofil einer Long Call Position.

In der Grafik habe ich Punkt A als Strike Preis der Option gekennzeichnet und Punkt B ist der Break-Even-Point Position.

Der maximale Gewinn eines Long Calls ist unbegrenzt und wird nur durch das Wachstum des Underlyings begrenzt. Theoretisch könnte der Wert dieser Optionsposition also unendlich werden aber praktisch steigen die Kurse von Aktien ja auch nicht ins Unendliche, sondern hören irgendwann auf weiter anzusteigen. 

Man macht bei einem Long Call nicht sofort Gewinn, sobald der Kurs des Underlyings über dem Strike Preis (Punkt A) liegt, da man schließlich auch noch eine Prämie für die Option bezahlen muss. 

Der Break-Even-Point der Strategie, also der Punkt, an dem ihr weder einen Gewinn noch einen Verlust macht (Punkt B), tritt dann ein, wenn der Aktienkurs um so viel über dem Strike Preis liegt, wie ihr an Optionsprämie gezahlt habt. Liegt der Strike bei 45 EUR und ihr habt 5 EUR Optionsprämie gezahlt, dann macht ihr mit eurem Long Call einen Gewinn, sobald der Kurs des Underlyings über 50 EUR (45 EUR + 5 EUR) liegt.

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Wenn die Aktie lediglich leicht steigt (bis Punkt B) ist die Long Call Strategie unrentabel. Das heißt der beste Freund eines Long Calls ist ein sehr starker Anstieg des Underlying-Preises (der zweitbeste Freund ist die Volatilität aber dazu kommen wir erst später).

Der maximale Verlust des Long Calls ist erreicht, wenn der Aktienkurs des Underlyings unter dem Strike Preis (Punkt A) bleibt. In dem Fall besitzt eure Option keinen inneren Wert und euer maximaler Verlust ist die zu Beginn gezahlte Optionsprämie. 

Warum man Long Calls handelt

Der Hauptgrund, warum man Long Calls handelt, ist dass sie dem Käufer einen hohen Hebel auf das Underlying ermöglichen bei gleichzeitig geringem Kapitaleinsatz. Darüber hinaus ist auch das Verlustrisiko auf die anfänglich gezahlte Optionsprämie begrenzt. 

Schauen wir uns das ganze aber einfach an einem Beispiel an. Nehmen wir an die ABC Aktie liegt momentan bei 48 EUR und eine Call Option mit sechs Monaten Laufzeit und einem Strike von 50 EUR wird für 3 EUR gehandelt.

Steigt der Aktienkurs in diesem Fall um 10 EUR auf 58 EUR (circa 20% Anstieg), dann beträgt der Wert der Option bei Laufzeitende 8 EUR (58 EUR abzüglich des Strike Preises von 50 EUR). Zieht man davon noch die ursprünglich gezahlten 3 EUR Optionsprämie ab, dann bleibt ein Reingewinn von 5 EUR.

Hättet ihr diese Kaufoption also für 3 EUR gekauft und für 8 EUR wieder verkauft, dann hättet ihr eine Gesamtrendite von 167% erzielt, während das Underlying lediglich um 20% gestiegen ist. Ihr seht also wie sehr der Hebel eines Long Calls eure Rendite erhöhen kann (wenn der Kurs sich in die für euch richtige Richtung bewegt).

Trotz des hohen Hebels ist euer maximaler Verlust aber auf die gezahlte Optionsprämie von 3 EUR begrenzt. Das entspricht zwar auch 100% eures eingesetzten Kapitals aber da die zu zahlende Optionsprämie viel geringer ist als ein Direktinvestment in die zugrundeliegende Aktie, lässt sich dennoch ein sehr gutes Risikomanagement mit Long Calls betreiben.

Ein anderer Grund für das Halten von Long Call Optionen ist, dass man sich damit Aktien nach einer verpassten Rally nachträglich noch günstig kaufen kann.

Stellt euch dazu vor die ABC Aktie liegt momentan bei 75 EUR und ihr wärt bereit die Aktie noch bis zu einem Kurs von 80 EUR zu kaufen. In dem Fall könnten ihr eine Out-Of-The-Money (OTM) Call Option mit Strike von 80 EUR für einen Preis von 2 EUR kaufen.

Steigt die Aktie auf 90 EUR oder mehr, dann könntet ihr sie euch nach dieser Rally durch die Option immer noch zu einem Preis von 80 EUR kaufen und musstet dafür lediglich die Optionsprämie von 2 EUR zahlen. Bleibt die Aktie aber unter den 80 EUR, dann habt ihr damit lediglich die anfänglich gezahlten 2 EUR verloren.

Das macht vor allem auch dann Sinn, wenn ihr wisst, dass ihr euch eine Aktie erst in Zukunft leisten könnt aber sie euch gern jetzt schon „sichern“ wollt. 

Wollt ihr also gern die ABC Aktie zu einem Preis von 80 EUR kaufen, aber ihr bekommt das dafür notwendige Kapital erst in sechs Monaten ausgezahlt, dann könnt ihr euch auch eine Call Option mit Strike 80 EUR und Laufzeit von 6 Monaten kaufen. 

Liegt der Aktienkurs nach Ende der Laufzeit, also wenn ihr das notwendige Kapital habt, über dem Strike Preis von 80 EUR, dann könnt ihr die Aktien endgültig kaufen und sollte er Kurs unter 80 EUR liegen, dann verliert ihr lediglich die Optionsprämie.

Solltet ihr übrigens Probleme damit haben, die richtige Optionsstrategie für die aktuelle Marktlage zu finden, dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir indem ich euch ein einfaches Regelwerk an die Hand gebe, um zu entscheiden welche Optionsstrategie gerade am besten geeignet ist.

Das richtige Timing und die richtige Volatilität

Ein Long Call klingt in der Theorie ganz einfach aber ist in der Praxis dennoch schwer zu handhaben, um Gewinne zu erzielen. Der Grund dafür ist einfach, dass sowohl die Zeit als auch die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie gegen einen laufen können. Schauen wir uns den Einfluss von Zeit und Volatilität also einmal genauer an.

Der Einfluss der Zeit

Eine Long Call Position ist immer Theta Short. Das heißt, dass der Wert der Option mit abnehmender Restlaufzeit geringer wird.

Wenn ihr mit dem Begriff Theta nichts anfangen könnt, dann empfehle ich euch meinen Artikel über die Optionsgriechen, indem ich alle Griechen im Detail erkläre. Schaut unbedingt dort rein, wenn ihr bei dem Thema noch Nachholbedarf habt.

Da eure Option also aufgrund des Zeitwertverfalls mit jedem Tag ein wenig mehr an Wert verliert, kann es passieren, dass ihr mit eurer Position Verlust macht, auch wenn der Kurs des Underlyings eigentlich steigt.

Das passiert vor allem dann, wenn der Kursanstieg nur sehr langsam passiert. Stellt euch einfach vor ihr habt eine Aktie mit aktuellem Kurs von 50 EUR und die Call Option mit Strike 55 EUR kostet 5 EUR. Steigt der Kurs der Aktie bis Laufzeitende auf 56 EUR, dann lagt ihr zwar grundsätzlich richtig mit eurer Annahme, dass der Kurs des Underlyings steigen wird, aber das Timing war leider schlecht.

In diesem Fall hättet ihr nämlich nur 1 EUR Gewinn (56 EUR abzüglich 55 EUR Strike Preis) erzielt aber 5 EUR Kapital eingesetzt. Euer Verlust wäre also 4 EUR und das, obwohl ihr mit der erwarteten Kurssteigerung Recht hattet.

Meine Faustregel für den Kauf von Call Optionen ist deshalb immer:

  • Wenn ich davon ausgehe, dass der Kurs sehr schnell in sehr kurzer Zeit steigt, dann kaufe ich kurzlaufende leicht Out-of-the-money Optionen
  • Wenn ich mir unsicher bin, wann der Kurs steigen wird, dann kaufe ich langlaufende Out-of-the-money Optionen

Das ist aber nur eine Faustregel und ihr solltet dem keinesfalls blind nachhandeln. In diesem Artikel erkläre ich übrigens, wann der Zeitwert einer Option am höchsten ist und entsprechend auch der Zeitwertverfall euch am stärksten trifft. Schaut euch den Artikel doch einmal an, wenn ihr mehr darüber erfahren wollt.

Der Einfluss der Volatilität

Eine Long Call Position ist immer Vega Long. Das heißt, dass der Wert der Option steigt mit zunehmender impliziter Volatilität des Underlyings.

Auch hier gilt wieder, dass solltet ihr nichts mit dem Begriff Vega anfangen können, dann lest euch unbedingt diesen Artikel von mir zuerst durch.

Da eine Long Call Option immer Vega long ist, steigt ihr wert immer dann, wenn die Volatilität des Underlyings zunimmt. Das hat auf den Wert eurer Option einen erheblichen Einfluss denn jede Änderung des Vegas lässt den Wert der Option entweder steigen oder fallen.

Als Käufer einer Option wollt ihr immer zum günstigsten Preis kaufen und zum höchsten Preis verkaufen. Entsprechend müsst ihr auch immer auf das Vega der Option achten. 

Kauft ihr einen Long Call bei einer momentan niedrigen impliziten Volatilität des Underlyings, dann ist die Option verhältnismäßig günstig zu kaufen und steigt danach die Volatilität, dann steigt auch der Wert eurer Option, ohne dass sich an den anderen Parametern (Kurs, Zeit, etc.) etwas ändern muss.

Um eure Chancen für einen erfolgreichen Trade mit einem Long Call zu erhöhen, solltet ihr also die Position eingehen, wenn die Volatilität aktuell niedrig ist aber ihr bald von einer höheren Volatilität ausgeht. 

Das tritt vor allem häufig vor der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen auf. Wochen vor der Veröffentlichung ist die implizite Volatilität häufig niedriger als wenige Tage vor der Veröffentlichung. Also ein ideales Zeitfenster, um eine Kaufoption zu kaufen.

Aber versteht den Long Call bitte nicht als gute Volatilitätsstrategie. Dafür sind andere Strategien wie der Straddle, Iron Condor oder Iron Butterfly besser geeignet. Über all diese Strategien habe ich ebenfalls ausführliche Artikel geschrieben, die ihr alle über die Links erreichen könnt.

Das Delta von Long Call Optionen

Jetzt kommen wir ein wenig zu den fortgeschrittenen Themen beim Handel mit Long Call Optionen. 

Das Delta einer Option gibt an, um wie viel sich der Preis der Option ändert, wenn der Kurs des Underlyings um eine Währungseinheit steigt oder fällt. D.h. bei einem Delta von 0,3 würde der Wert der Option um 0,3 EUR zunehmen, wenn der Wert des Underlyings um einen Euro steigt.

Mehr zum Delta erkläre ich übrigens hier. Das Delta ist dabei nicht starr, sondern wird immer größer (bei einer Kaufoption), je mehr der Preis des Underlyings steigt und immer geringer, je mehr der Preis des Underlyings fällt, wobei das Delta aber immer zwischen null und eins liegt.

Optionen, die sich tief im Geld (ITM) befinden, haben also ein Delta von 1 und Optionen, die sich weit aus dem Geld (OTM) befinden, haben ein Delta von 0.

Der typische Verlauf einer Call und Put Option in Abhängigkeit vom Wert des Underlyings.

Das Delta einer Option ist deshalb wichtig, weil es euch sagt, wie stark eure Option auf Kursbewegungen des Underlyings reagiert. Diese Information hat großen Einfluss darauf, welche Option ihr eigentlich kaufen solltet.

Warum das so ist und auf was ihr noch achten solltet, erkläre ich euch im nächsten Abschnitt.

Wie sollte man die richtigen Optionen auswählen?

Welche Long Call Option ihr kaufen solltet, hängt stark davon ab welchen Zeithorizont ihr habt. Generell gilt aber: Je kürzer euer Anlagehorizont ist, desto größer sollte das Delta der Optionen sein, die ihr Handeln möchtet.

Für Day Trading:

Day Trader wollen mithilfe von geringen Kursbewegungen die größten möglichen Gewinne erzielen. Entsprechend ist es absolut wichtig beim Day Trading nur Optionen zu verwenden mit einem Delta von 1. Also Optionen, die sich tief im Geld befinden. Nur so lassen sich anhand kleiner Kursbewegungen größere Gewinne erwirtschaften.

Meine Empfehlung ist aber für das Day Trading gar keine Optionen zu verwenden und stattdessen das Underlying direkt zu handeln. Das hat einfach den Vorteil, dass man dann auch mit einem Delta von 1 handelt (das Underlying hat immer ein Delta von 1) aber man spart sich die komplexe Preisbildung von Optionen.

Für kurzfristigen Handel:

Wollt ihr Optionen nur ein bis zwei Wochen halten, empfehle ich weiterhin nur Optionen mit einem Delta von 1 allerdings macht es hier für mich schon mehr Sinn eine Option zu handeln und nicht das Underlying direkt.

Grund dafür ist einfach, dass die Option das Risiko reduziert von extrem starken Abwärtsbewegungen des Aktienkurses. Das Risiko gibt es beim Day Trading zwar auch aber ist aufgrund der extrem kurzen Haltedauer dort viel geringer.

Das Delta sollte aber vor allem deswegen so hoch sein, weil ihr euch bei einer so kurzen Haltedauer auch extrem sicher sein solltet, dass sich der Kurs sehr bald und schnell nach oben bewegen sollte. Entsprechend wollt ihr mit eurer Marktmeinung durch das hohe Delta nur die maximale Rendite erzielen.

Für mittelfristigen Handel:

Je länger eure Haltedauer wird, desto mehr macht es Sinn Call Optionen mit geringerem Delta zu kaufen. Das liegt einfach daran, dass je länger euer Anlagehorizont ist, desto ungenauer ist in der Regel auch der erwartete Zeitpunkt des Kursanstiegs.

Das geringere Delta verringert einfach euer Risiko bei Kursrückgängen aber lässt euch genug Spielraum für einen Anstieg des Deltas, wenn es zu einer langfristigen Kursbewegung nach oben für das Underlying kommt.

Meine Empfehlung für den Handel mit mittelfristigem Anlagehorizont (mehrere Wochen) sind deshalb ATM Optionen mit einem Delta von circa 0,5.

Für langfristigen Handel

Wer von euch wirklich langfristig orientiert ist (mehrere Monate) und mit Long Call Optionen handeln möchte, der sollte nur Optionen mit geringem Delta (<0,3) auswählen.

Bei so einem langen Anlagehorizont ist es einfach sehr schwer zu erahnen, wann die erwartete Kursbewegung einsetzt, und ihr solltet der Option entsprechend genug Zeit (und Delta) geben, um sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Hinzu kommt, dass bei solchen Laufzeiten Optionen mit hohem Delta extrem teuer sind und nur noch extrem starke Kursbewegungen es ermöglichen den Trade profitabel werden zu lassen. Optionen, die sich weit aus dem Geld befinden, sind wesentlich günstiger und besitzen auch ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis.

Sollte man einen Long Call ausüben?

Gerade Anfänger im Optionshandel haben immer wieder die Vorstellung, dass es am besten wäre gekaufte Optionen bis zum Ende der Laufzeit zu halten, da der Kurs des Underlyings schließlich noch weiter steigen kann, aber das ist nicht wirklich eine empfehlenswerte Taktik.

In aller Regel ist es auch nicht sinnvoll seine Option vorzeitig auszuüben, da das Glattstellen der Position in der Regel lukrativer ist. Lediglich in sehr seltenen Fällen, wenn die Option tief im Geld ist und nur noch wenige Tage läuft, kann die Ausübung der Option Sinn machen.

Stattdessen sollte man seine Optionen während der Laufzeit glattstellen (also verkaufen), sobald eine für sich selbst gesetzte Gewinngrenze überschritten hat bzw. zu viel Verlust mit dem Trade entstanden ist.

Eine Faustregel bei Long Call Optionen ist, dass man seine Position glattstellen sollte, wenn man entweder eine Rendite von 100% oder einen Verlust von 50% erzielt hat. 

Warum das so ist, erkläre ich genau in meinem Artikel „Wann sollte man seine Optionen glattstellen“. Lest ihn euch unbedingt durch, wenn ihr mehr dazu erfahren wollt.

Ob die 100% bzw. 50% Regel aber auch für euch die beste Lösung ist, müsst ihr natürlich für euch selbst entscheiden. Macht aber nicht den Fehler und lasst Gewinner-Trades wieder zu Verlierer-Trades werden.

In der Theorie ist es zwar extrem einfach mit Optionen einen Gewinn von 10.000% zu erzielen aber in der Realität sieht das ganz anders aus. 

Ich habe in diesem Artikel über 9.000 Optionen analysiert, um herauszufinden wie hoch die durchschnittliche Rendite im Optionshandel ist und gerade beim Kaufen von Optionen ist die durchschnittliche Rendite lediglich 2,73% pro Jahr. Freut euch also über einen 100% Trade bevor wieder alles verloren ist.

Ihr dürft schließlich nie vergessen, dass 51% aller Call Optionen bei Laufzeitende niemals im Geld landen und man somit mit der falschen Taktik mehr Geld durch den Optionshandel verliert als gewinnt.

Das Rollen von Long Call Optionen

Ganz egal ob Verlust oder Gewinn mit eurer Option, neben dem Glattstellen habt ihr auch noch die Möglichkeit eure Option nach unten oder nach oben zu rollen. Das richtige Rollen von Long Call Optionen ist allerdings sehr vielschichtig, weswegen ich dem ganzen Thema hier einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Lest ihn euch unbedingt durch, wenn ihr mehr darüber erfahren wollt (ich verspreche euch, dass der Artikel euch garantiert helfen wird mit Verlusten besser umzugehen) ansonsten hier eine kleine Zusammenfassung.

Wenn sich eure Long Call Option im Geld befindet, dann habt ihr eigentlich vier Möglichkeiten, die ihr machen könnt. Ihr könnt die Option

  1. Glattstellen
  2. Nach oben rollen
  3. Ein Bull Call Spread bilden
  4. Nichts tun

Jede der vier Alternativen hat dabei seine eigenen Vor- und Nachteile. In der folgenden Tabelle habe ich für euch zusammengefasst, wann welche Strategie am besten bzw. am schlechtesten ist.

Wenn der Kurs des Underlyings …Die beste TaktikDie schlechteste Taktik
Weiterhin stark steigen wirdNach oben rollenGlattstellen
Leicht steigen wird über das Niveau des nächsten StrikesNichts tunGlattstellen oder nach oben rollen
Relativ konstant bleibtEin SpreadNach oben rollen
Unter den ursprünglichen Strike fallen wirdGlattstellenNichts tun
Die Tabelle zeigt welche Taktik die beste und die schlechteste ist, wenn man mit einer Long Call Position bereits einen unrealisierten Gewinn erzielt hat.

Wenn ihr mit eurer Option allerdings einen umrealisierten Verlust habt, dann habt ihr nur die Möglichkeit die Option entweder glattzustellen oder in einen Bull Call Spread umzuwandeln, was in der Regel auch das ist, was ich in so einer Situation tue.

Durch das Umwandeln der Long Call Position in einen Bull Call Spread verringert ihr euer Gesamtrisiko aber begrenz dafür auch euren maximalen Gewinn. Für mich ein durchaus gutes Tauschgeschäft, da die Option ja ohnehin schon im Minus war.

Wenn ihr mehr über diese Methoden erfahren wollt, dann lest euch unbedingt meinen Artikel zum Rollen von Long Call Optionen durch.